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DKP München

 


DKP mit kontroverser Diskussionsveranstaltung zur Volksfrontpolitik

Am 30.11. fand im KommTreff eine sehr interessante historische Veranstaltung mit aktuellen Bezügen statt. Hermann Kopp von den Marxistischen Blättern referierte und diskutierte mit etwa 25 Interessenten über das Thema „Volksfront oder Revolution? Zum Streit um die strategische Orientierung des Kampfes gegen den Franco-Faschismus“. Bereits am 10. November hatten DKP und SDAJ mit etwa 60 Teilnehmern eine Festveranstaltung zum 70. Jahrestag der Internationalen Brigaden durchgeführt (der Rundbrief berichtete).
Die Volksfrontpolitik, die der Strategie der Kommunisten im Spanien der 30 er Jahre zu Grunde lag, war auf dem 7. Weltkongress der Kommunistischen Internationale 1935 entwickelt worden und bildet, wie in der Diskussion betont wurde, einen prägenden theoretischen Hintergrund auch der DKP- Programmatik und –Politik bis hin zum neuen Parteiprogramm von 2006. Im Wesentlichen bestand das Neue darin, Bündnisse selbst bis hin ins bürgerliche Lager anzustreben, wenn es den am weitesten rechts stehenden Hauptfeind (damals eben den Faschismus) zu isolieren und damit abzuwehren gilt. So geht es heute der DKP z.B. darum, gesellschaftliche Allianzen gegen den Neoliberalismus zu entwickeln.
Die in der Diskussion geäußerte Kritik lautete zugespitzt: Die republikanische Regierung Spaniens habe weiter reichende Fortschritte bis hin zur sozialen Revolution verhindert; die Volksfrontpolitik habe nach links hin Kräfte abgeschreckt (bzw. sogar umgebracht), während nach rechts hin nichts hinzugewonnen worden wäre. Unter dem Strich also ein Minus.
Der Referent hingegen bilanzierte, dass im damaligen Spanien kein sofortiger Schritt zum Sozialismus realistisch war; die Volksfrontpolitik sei in ihren Grundzügen bis heute gültig. „Die Erfahrungen weltweit zeigen“, so Leo Mayer in der Diskussion, „dass soziale Revolutionen ohne Bündnisse zumindest mit Teilen der Bourgeoisie nicht möglich sind.“
Schade war, dass die auf der Festveranstaltung so gut vertretene Jugend diese Chance zur Vertiefung des Themas nicht nutzte.  JüKö


Bewegende Festveranstaltung zum 70. Jahrestag der Internationalen Brigaden

Am 10. November fand im Unions-Bräu die Festveranstaltung der DKP München und der SDAJ München "Den Faschisten werden wir nicht weichen..." statt. Vor 70 Jahren waren 30-40 000 Freiwillige aus aller Welt, darunter auch 3 000 Deutsche, nach Spanien geeilt, um mit der Waffe in der Hand die spanische Republik gegen den faschistischen Putsch zu verteidigen. Als Referenten hatten zwei überlebende Interbrigadisten zugesagt, Hans Landauer aus Wien und Adolphe Low aus Strasbourg. Obwohl beide kurz vor der Veranstaltung erkrankten und absagen mussten, erlebten die gut 60 TeilnehmerInnen einen bewegenden Abend. Die einzelnen Programmpunkte wurden immer wieder durch Lieder aus dem Spanischen Bürgerkrieg verbunden, hervorragend von Erwin Jedamus vorgetragen, der das Publikum zum Mitsingen motivierte.
In zwei kurzen Reden von Christoph (für die DKP) und Jonic (für die SDAJ) wurden die Hintergründe des Spanischen Bürgerkrieges und der Internationalen Brigaden aufgezeigt und die Aktualität des Themas "Internationale Solidarität" beleuchtet. Der erkrankte Adolphe Low konnte sich, von Christoph in Strasbourg aufgezeichnet, in einer Videobotschaft an die Veranstaltung wenden und seine Grüße und besten Wünsche übermitteln. Eine SDAJlerin trug einen Auszug des Verabschiedungsbriefes der legendären "Pasionaria" Dolores Ibarruri an die Internationalen Brigaden vor. Schließlich sorgte die Vorführung eines etwa 45 minütigen Dokumentarfilms über die US-amerikanischen Interbrigadisten des "Lincoln-Batallion" damals und heute, "Spaniens Himmel über Amerika" dafür, dass trotz der Erkrankung der vorgesehenen Referenten Interbrigadisten im Originalton gehört werden konnten und das Vermächtnis ihres kämpferischen Lebens vermittelten. Bewegend, wenn ein etwa 90 jähriger auf die Frage, ob er alles noch einmal so machen würde, antwortete: "Nein, ich wäre noch viel radikaler!"
Eine rundum gelungene Veranstaltung, die ausschließlich von jungen Leuten vorbereitet, organisiert und durchgeführt wurde - und auch so gerade bei einem historischen Thema Hoffnung auf die Zukunft machte.
Jürgen Köster  


 

Im Juli 1936 putschten faschistische Kräfte und Militärs unter Führung von General Franco gegen die demokratisch gewählte Regierung der Republik Spanien. Die aus linken Republikanern, Sozialisten, Kommunisten und der katalanischen Linken gebildete Volksfront hatte im Februar 1936 einen überwältigenden Wahlsieg errungen. Sie begann mit der Umsetzung von längst überfälligen bürgerlich-demokratischen Reformen wie der Trennung von Kirche und Staat, Landreform, Sozialgesetzgebung, Bildungsreform, Frauenwahlrecht usw.
Die Militärs hatten nicht mit der spontanen Massenerhebung der Bevölkerung gegen ihren Putsch gerechnet. Sie konnten sich nur in einigen feudal rückständigen Regionen des Nordens und im äußersten Süden durchsetzen. Ein dreijähriger Bürgerkrieg begann.
Der spanischen Volksarmee zu Hilfe kamen 30 000 bis 40 000 Freiwillige aus aller Welt, (darunter ca 3000 Deutsche und 1400 Österreicher): die Internationalen Brigaden (Interbrigaden) Sie wussten, dass in Spanien eine entscheidende Schlacht gegen den vordringenden Faschismus geführt wurde, dass Sieg oder Niederlage nicht nur über die Zukunft des spanischen Volkes, sondern auch über den Frieden Europas, ja der Welt entschied. Um dieser großartigen internationalen Solidarität zu gedenken, haben wir zwei Spanienkämpfer eingeladen, die persönlich von ihrer Zeit in den Interbrigaden berichten.
Franco konnte durch die massive Unterstützung der deutschen und italienischen Faschisten mit Truppen und Waffenlieferungen siegen, während die westlichen Regierungen die Volksfront im Stich ließen. Lediglich die Sowjetunion und Mexiko halfen der Republik.
Aber der Kampf des spanischen Volkes und an ihrer Seite der Interbrigaden war nicht vergebens, wie überhaupt der Kampf gegen den Faschismus nie vergebens sein kann. Die internationale Arbeiterbewegung und alle demokratischen Kräfte lernten daraus, wie man besser für den antifaschistischen Kampf rüsten kann. Die Solidaritätsaktionen der Völker für die spanische Republik trugen dazu bei, die spätere Anti-Hitler-Koalition vorzubereiten und damit den Weg zum Sieg über den Faschismus im zweiten Weltkrieg zu ebnen.

Freitag, den 10.11., 19 Uhr
Unions-Bräu, Einsteinstr. 42, 1. Stock

(U-4 und U-5 Max-Weber-Platz)

 


Zum Vertiefen:
Diskussionsveranstaltung mit Hermann Kopp zum Spanischen Bürgerkrieg: „Volksfront oder Revolution? Zum Streit um die strategische Orientierung des Kampfes gegen den Franco-Faschismus“, Vera.: DKP München und SDAJ MünchenDonnerstag, den 30.11., 19 Uhr im KOMM-Treff, Lothringerstr. 6

 

 

 

Der in Aschaffenburg geborene Kommunist und Antifaschist Peter Gingold starb am 29. Oktober 2006 in Frankfurt/Main. Peter war jüdischer Herkunft. Er und andere aus seiner Familie haben gegen den Faschismus gekämpft - immer mit dem Ziel, nach der Überwindung des Faschismus ein neues, ein besseres, ein sozialistisches Deutschland aufzubauen.

Seinen 90. Geburtstag konnte Peter in diesem Jahr mit Genossinnen und Genossen, Kampfgefährten, Kollegen und Freunden feiern. Beeindruckend war die Würdigung durch seine Brüder.

Peter Gingold sah in den letzten Jahrzehnten seine Hauptaufgabe darin, vor allem der jungen Generation seine Lebenserfahrungen zu vermitteln und sie zu motivieren, überall wo nötig gegen Faschismus und Neonazismus aufzutreten. Auf zahllosen Demonstrationen und Aktionen forderte er immer wieder: "Keinen Fußbreit den Faschisten! Faschismus ist keine Meinung, sondern ein Verbrechen!"

Peter verlangte immer wieder, dass die heutige Generation sich antifaschistisch engagiert. Er gehörte zu jenen, die unermüdlich über die Verbrechen des Faschismus aufklärten. Und er überzeugte viele junge Leute, gegen Faschismus und Krieg aktiv zu werden. Anderen gab er die Kraft, nicht zu resignieren.

Peter entlarvte zugleich die "große Koalition" der bürgerlichen Parteien, von CDU/CSU, der FDP, der SPD und der Grünen, die für die faktische Abschaffung des Asylrechts Verantwortung tragen, die das NPD-Verbot verhinderten und in der öffentlichen Darstellung die Geschichte des Faschismus und seine Ursachen verharmlosen oder verfälschen, für die Antikommunismus bis heute wichtiger ist als die grundlegende Auseinandersetzung mit dem Faschismus und seinen Ursachen.

Peter kämpfte sein Leben lang als Kommunist aus tiefster Überzeugung für eine sozialistische Zukunft. Er und seine Frau Ettie gehörten zu den Kommunistinnen und Kommunisten, die nach der Befreiung 1945 begannen, den geistigen und materiellen Schutt zu beseitigen. Es bleibt eine Schande für Bundesrepublik Deutschland, dass die Familie Gingold für die Staatsbürgerschaft lange Jahre kämpfen musste und ihrer Tochter Sylvia durch Berufsverbot zunächst die Beschäftigung als Lehrerin verweigert wurde. Auszeichnungen erhielt Peter hingegen in Frankreich und Spanien - in seiner Heimat wurde er als Kommunist verfolgt.

Peter Gingold war sein Leben lang Internationalist. Besonders in den letzten Jahren engagierte er sich für die Solidarität mit dem sozialistischen Kuba, für die Befreiung der in den USA widerrechtlich eingekerkerten fünf Patrioten Kubas. Während eines Aufenthaltes in Kuba war zu spüren, mit welcher Begeisterung er die Entwicklung Kubas unterstützte.

Noch am 7. Oktober engagierte sich Peter während einer Veranstaltung für die Aufhebung des KPD-Verbotes und für die Rehabilitierung der Opfer des kalten Krieges in Frankfurt/Main.

Die DKP verliert mit Peter Gingold einen Genossen, den seine Bescheidenheit auszeichnete und der diese Partei mitgeprägt hat. Es wird schwer sein, sein Vermächtnis zu wahren. Wir trauern mit den Töchtern Alice und Sylvia und ihren Familien. Wir haben einen Freund und Genossen verloren, der stets auch Vorbild war, dessen Biografie Ermutigung war, auch in schwersten Zeiten zu kämpfen.

Sein, und das Vermächtnis vieler Genossinnen und Genossen, die gegen Faschismus und Krieg kämpften, die für Wiederaufbau der KPD nach 1945 standen, die auch in der Zeit des KPD-Verbots in den Jahren 1956-1968 aktiv waren und 1968 die DKP konstituierten und nach der Niederlage des Sozialismus in Europa weiterkämpften, muss gewahrt bleiben.

Sozialismus oder Barbarei - diese Losung Rosa Luxemburgs bleibt eine aktuelle Aufgabe. Wir werden in seinem Sinne weiterkämpfen.

Heinz Stehr
Vorsitzender der DKP

Nina Hager
stellvertretende Vorsitzende der DKP

Rolf Priemer
stellvertretender Vorsitzender der DKP, Chefredakteur UZ


Nach langer schwerer Krankheit starb Peter Gingold, antifaschistischer Widerstandskämpfer, Kommunist aus jüdischem Elternhaus und Internationalist, am 28. Oktober in Frankfurt/M. im Alter von 90 Jahren.


Antifaschisten und Anhänger der politischen Linken verschiedener Generationen haben Peter Gingold in den vergangenen Jahrzehnten auf Veranstaltungen, in gemeinsamen Aktionen auf der Straße und in Debatten über die Konsequenzen aus der faschistischen Vergangenheit und für eine sozialistische Alternative erlebt. Er war als Person nicht nur Teil der politischen Bewegung, er stand mit seiner Biographie auch symbolisch für politische Entwicklungen und den Umgang mit der Erinnerung und Würdigung des antifaschistischen Widerstandes in unserem Land.

Geboren am 8. März im Kriegsjahr 1916 in Aschaffenburg, erhielt Peter Gingold seine persönliche und politische Prägung in seinem jüdischen Elternhaus und in der Arbeiterjugendbewegung. Sein Vater besaß eine kleine Konfektionsschneiderei in Frankfurt/Main. Als Jugendlicher erlebte er den Antisemitismus der Nazis. Er fragte sich und seinen Vater, der mit seiner Arbeit eine achtköpfige Familie zu ernähren hatte: »Du bist doch auch Jude, leidest auch unter der Arbeitslosigkeit, wieso bist du an allem schuld?« So einfach und gleichzeitig überzeugend stellte Peter Gingold die faschistische Demagogie in Frage und begann als Jugendlicher nach den Ursachen von Massenarbeitslosigkeit, Armut und Ungerechtigkeit zu fragen. Bald schon organisierte er sich im Zentralverband Deutscher Angestellter und im Kommunistischen Jugendverband. Politische Erkenntnis und Handeln waren für ihn untrennbar verbunden. Und so wirkte er vor 1933 und nach der Machtübertragung an die NSDAP im antifaschistischen Kampf. Bei einer Razzia der SA im Juni 1933 verhaftet, kam er erst nach mehrmonatiger Gefängnishaft frei – mit der Auflage, Deutschland zu verlassen. Er folgte seinen Eltern und Geschwistern, die bereits im Frühjahr 1933 nach Paris emigriert waren. Ruhe gab er dort aber auch nicht. Er arbeitete im deutschsprachigen antifaschistischen Pariser Tageblatt mit und gehörte zu den Gründern der Freien Deutschen Jugend (FDJ) als überparteiliche antifaschistische Jugendorganisation.

In Paris traf er zwei wichtige Entscheidungen, die sein ganzes persönliches und politisches Leben geprägt haben: 1937 trat er der Kommunistischen Partei bei und 1940 heiratete er Ettie Stein-Haller, die er in der FDJ-Arbeit kennen- und lieben gelernt hatte. Über sechzig Jahre waren die beiden verheiratet und haben sich gegenseitig in ihrer politischen Arbeit und Überzeugung gestützt und gestärkt.

Im französischen Exil kam ihre erste Tochter Alice zur Welt. Während Ettie Gingold sich um das Kind kümmerte, mußte ihr Mann aufgrund der Verfolgung durch die Gestapo untertauchen. Er schloß sich der Travail Allemand (TA) an, einer Gruppe in der Résistance, die antifaschistische Aufklärung unter deutschen Soldaten leistete. Während seiner illegalen Zeit wurden zwei seiner Geschwister in Paris verhaftet und nach Auschwitz deportiert. Er selbst geriet 1943 in die Fänge der Gestapo. Ihm gelang jedoch mit Hilfe der Organisation die Flucht. Peter Gingold nahm im August 1944 am Aufstand zur Befreiung von Paris teil und setzte seine antifaschistische Arbeit in den Reihen des 1. Pariser Regiments in Lothringen und im April als Frontbeauftragter bei den Partisanen in Norditalien fort. In Turin erlebte er den 8. Mai 1945, der für ihn »das Morgenrot der Menschheit« war.

Zurückgekehrt nach Frankfurt/Main gehörten Peter und Ettie Gingold zu den Gründern der hessischen Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes (VVN) und wirkten politisch in der KPD. Doch während Peter Gingold für seine antifaschistische Arbeit in Frankreich und Italien geehrt wurde, erlebten er und seine Frau in Deutschland lange Jahre gesellschaftliche Ausgrenzung. Als Widerstandskämpfern und Kommunisten wurde ihnen viele Jahre die deutsche Staatsbürgerschaft verweigert. In Gefolge des KPD-Verbots mußte Peter Gingold zeitweilig wieder in die Illegalität. Und er mußte die Verfolgung in zweiter Generation erleben, als seine zweite Tochter Silvia als Lehrerin viele Jahre mit Berufsverbot belegt war. Dabei kamen ihm seine Kontakte zu französischen Antifaschisten zugute. »A bas les Berufsverbote« wurde zu einer millionenstimmigen Losung in den 70er Jahren in Frankreich.

Solch negative Erfahrungen mit der bundesdeutschen Realität haben ihn nicht abgehalten, sich für seine Vision einer sozialen und menschenwürdigen Gesellschaft, frei von Krieg und Ausbeutung einzusetzen. Daß man dazu einen sehr langen Atem braucht, auch Rückschläge verkraften muß, vermittelte er in vielen Gesprächen und Vorträgen, besonders gegenüber Jugendlichen. Und er forderte sie auf, selber aktiv zu werden gegen Neofaschismus, Rassismus, soziale Ungerechtigkeit und Ausgrenzung. Dabei ging er mit gutem Beispiel voran bei zahllosen Aktionen gegen alte und neue Nazis, ob in Mittenwald, in Wunsiedel, in Frankfurt oder Berlin.

Peter Gingold war ein vielgefragter Redner, Gesprächspartner und Zeitzeuge, der politisch reflektiert, engagiert und persönlich authentisch historische Zusammenhänge vermitteln konnte. Er wurde eingeladen von Schulen und Universitäten, von Jugendverbänden, Gewerkschaften oder der autonomen Antifa, von der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit oder seiner Partei, der DKP, und natürlich von der VVN-BdA, für die er in den letzten Jahren als Bundessprecher politisch aktiv war. Nicht zu vergessen sind seine Aktivitäten im Auschwitz-Komitee der BRD, gegen die Profiteure der Kriegsverbrechen, zum Beispiel der IG-Farben in Abwicklung, oder für den Verband Deutscher in der Résistance, in den Streitkräften der Antihitlerkoalition und der Bewegung »Freies Deutschland« e.V. (DRAFD). Hier – und das zeigte eindrucksvoll die Feier zu seinem 90. Geburtstag im Frankfurter DGB-Haus– erlebte er die Anerkennung, die ihm die bundesdeutsche Gesellschaft verweigert hatte.

In seinem Schlußwort auf der Geburtstagsfeier formulierte er noch einmal das Motto seines politischen Handelns: »Nie resignieren, und wenn welche resignieren, dann macht ihnen Mut!« Peter Gingold hat auf seine Weise Mitstreitern und Nachgeborenen in vielen Aktionen und Situationen Mut gemacht. Nun liegt es in der Verantwortung der Nachgeborenen – im Sinne von Peter Gingold –, diesen Mut in Handeln für eine Gesellschaft ohne Ausbeutung und Kriege einzubringen.

Die Trauerfeier zu Ehren von Peter Gingold findet im November in Frankfurt/M. statt. Die Beisetzung wird in Paris, im Familiengrab bei seiner Frau Ettie erfolgen.

Ulrich Schneider

 

 

 

Beendet den Sozialkahlschlag der Großen Koalition!
Protesttag des DGB am 21.10.

In fünf großen Städten bundesweit ruft der DGB am 21.10. zum Protest gegen den anhaltenden und verschärften Sozialabbau auf, darunter auch in München.

11.30 Uhr: Demonstration (Treffpunkt DGB-Haus, Schwanthalerstr.)
13 Uhr Kundgebung auf dem Marienplatz.



Die DKP München will mithelfen, zu verhindern dass daraus mal wieder eine einmalige Aktion zum Dampf ablassen wird. Wir mobilisieren mit eigenen, neuen Materialien zum Thema, Infoständen und der Verteilung eines UZ-Extras. Angesichts der immer neuen Ungeheuerlichkeiten an Sozialkahlschlag gibt es erschreckend wenig Widerstand – jede Gelegenheit muss genutzt werden, daran etwas zu ändern!


Flugblätter der DKP München zum Aktionstag:

Nein zur Rente mit 67! Schluss mit den Rentenkürzungen!

Gerechtere Steuern

Mindestlohn: Darunter geht nichts!

 

Protest unüberhörbar machen
DKP-Aufruf zur Teilnahme an den DGB-Demonstrationen

Der DKP-Parteivorstand ruft alle Mitglieder und Freunde, Sympathisantinnen und Sympathisanten zur Teilnahme an den DGB-Demonstrationen am 21. Oktober 2006 in Berlin, Dortmund, Frankfurt/Main, München und Stuttgart auf.

Der Protest gegen Sozialabbau, Arbeitsplatz- und Standortvernichtung muss in diesem Herbst unüberhörbar wachsen. Die DKP unterstützt den DGB und die Einzelgewerkschaften. Ziel muss es sein, diesen Protest gegen Kapital und Kabinett zu richten, um zunächst sozialreaktionäre Veränderungen im Gesundheits-, Steuer- und Abgabensystem zu verhindern und weitere Verschlechterungen für Erwerbslose, Hartz-IV-Empfängerinnen und -Empfänger sowie weiteren Arbeitsplatzabbau und Standortvernichtung zu bekämpfen.

Die DKP setzt sich dafür ein, dass der 21.10. nicht das Ende, sondern der Auftakt zu einer weiterführenden Mobilisierung für einen Politikwechsel wird. Zu einem Politikwechsel gehören u. a.:

  • Weg mit Hartz IV! Rücknahme aller Regelungen, mit denen soziale und demokratische Rechte abgebaut und die sozialen Risiken privatisiert worden sind. Die sozialen Sicherungssysteme sind so auszubauen, dass sie bei Arbeitslosigkeit, Krankheit und im Alter vor Armut schützen.

  • Rücknahme aller Maßnahmen, mit denen die Unternehmen und die Reichen steuerlich entlastet worden sind. Durchsetzung einer Steuerreform, die die Konzerne, Banken und Superreichen zur Finanzierung der öffentlichen Aufgaben heranzieht.

  • Gesetzliches Verbot von Entlassungen, Betriebsschließungen und Betriebsverlagerungen, die zum Zwecke der Profitmaximierung vorgenommen werden. Wirksame Mitbestimmung von Betriebsräten und Gewerkschaften über Investitionen und Standortentscheidungen.

  • Verkürzung der Arbeitszeit. Senkung des gesetzlichen Renteneintrittsalters.

  • Einführung eines gesetzlichen Mindestlohnes zum Schutz vor Armutslöhnen und Lohndumping. Ausbildungsplätze für alle Jugendlichen. Wer nicht ausbildet muss zahlen!

  • Keine neuen Rüstungsprojekte. Senkung der Rüstungsausgaben und Verwendung der frei werdenden Mittel für soziale Zwecke und zur Schaffung von Ausbildungs- und Arbeitsplätzen.

Die DKP verbindet den Kampf um diese Forderungen mit der Debatte um die Notwendigkeit der Überführung von Banken, Versicherungen und Konzernen in Gemeineigentum entsprechend Art. 14 und 15 des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland.

Der DKP-Parteivorstand ruft die Mitglieder der DKP auf, Forderungen aus dem DKP-Programm und verschiedenen Detailprogrammen im Rahmen dieser Herbstaktionen öffentlich zu machen. Dazu gehören Betriebs- und andere Kleinzeitungen, Flugblätter, Materialien, Plakate und Transparente.

Der DKP-Parteivorstand wird zur Vorbereitung der Demonstrationen ein UZ-Extra herausgeben und orientiert am Aktionstag auf offensive Verteilung von UZ-Werbekarten und einen wirkungsvollen UZ-Freiverkauf.

DKP-Parteivorstand
9./10. September 2006, Essen


Am 21. Oktober waren über 200.000 auf der Straße - nicht schlecht. Aber angesichts der sozialen Probleme und des Auseinanderdriftens der Gesellschaft viel zu wenig. Die "Unterschichten-Debatte" ist nur ein Ausdruck der sozialen Verwerfungen, die der globale Kapitalismus hervorruft. Die BenQ-Ingenieure erfahren hautnah, was kapitalistische Globalisierung und uneingeschränkte Macht der Multis bedeutet. Hartz IV sitzt nun auch den Mittelschichten im Nacken. Unsicherheit hat alle Schichten - mit Ausnahme der ganz Oben - erfasst. Sicher ist, die Demonstranten brachten die Meinung viel größerer Teile der Bevölkerung zum Ausdruck. Zum eigenen Handeln und zum Mitmachen waren sie noch nicht zu bewegen.

Über 200.000 auf der Straße - nicht schlecht für einen Auftakt. So es denn ein Auftakt war.

In den nächsten Wochen wird sich entscheiden, ob sich diejenigen Kräfte im DGB durchsetzen, die zu dieser Aktion gedrängt werden mussten und die nun schnell wieder zur Tagesordnung übergehen wollen, weil Dampf abgelassen worden ist.

Oder können sich die Kräfte durchsetzen, die auf einen tatsächlichen Politikwechsel orientieren? Vorschläge dafür gibt es: Möllenberg orientierte in seiner Rede auf der Münchner Kundgebung auf eine zentrale Demonstration in Berlin. Der verdi-Bezirk München will den Konflikt in die Betriebe tragen und schlägt einen bundesweiten Aktionstag mit kurzzeitigen Arbeitsniederlegungen, oder zeitgleichen Betriebsversammlungen vor. Der IGM-Vorsitzende Jürgen Peters meint, dass die Diskussion in den Betrieben geführt und gleichzeitig die Gewerkschaften für eine breite Bürgerbewegung für einen Politikwechsel aktiv sein müssen. Oskar Lafontaine setzte das Thema des Rechts auf den politischen Streik auf die Tagesordnung. Der verdi-Funktionär Bernd Riexinger fordert die Konzentration der Kräfte, um an einem Konfliktthema, z.B. durch die Verhinderung der Gesundheitsreform, einen Erfolg zu organisieren.

Wir Kommunistinnen und Kommunisten müssen uns möglichst schnell über die Erfahrungen des 21. Oktober kollektiv verständigen. Wie können wir unsere bescheidenen Kräfte für eine Stärkung der Bewegung einsetzen? Wie können wir dabei die DKP profilieren? Wie können wir als DKP dazu beitragen, dass eine breite, durchsetzungsfähige Bewegung für eine andere Politik entsteht; wie aus Zorn, Angst und Resignation eigenes Handeln und Widerstand erwachsen kann?

 


DKP München Ost diskutierte über Gramsci

Nicht gerade leichte Kost hatte sich die DKP München-Ost am 3. Mai vorgenommen. "Antonio Gramsci - Marxismus für heute" nannte Jürgen Köster sein einführendes Referat, an das sich eine äußerst engagierte Diskussion anschloss, an der sich die meisten der über 20 TeilnehmerInnen beteiligten. Inwiefern helfen uns die Kategorien des 1937 verstorbenen Mitbegründers der italienischen KP wie "Zivilgesellschaft" und "Hegemonie", Gründe für den Zusammenbruch der sozialistischen Staaten Europas besser zu verstehen und heute sozialistischen Revolutionen in entwickelten kapitalistischen Ländern näher zu kommen? Darum ging es fast drei Stunden lang an einem spannenden und durchaus kontroversen Abend.

Literaturhinweise: Folgende Bücher haben mir in der Vorbereitung am meisten geholfen: Sabine Kebir, Gramsci's Zivilgesellschaft, Hamburg 1991; Harald Neubert, sein ausführliches Vorwort in der Anthologie "Antonio Gramsci - vergessener Humanist?", Berlin 1991; Luciano Gruppi, Philosophie der Praxis und die Hegemonie des Proletariats, Hamburg 1977; Antonio Gramsci, Zu Politik, Geschichte und Kultur, Leipzig 1980; Antonio Gramsci, Philosophie der Praxis, Eine Auswahl, Frankfurt/Main 1967. Jedes dieser Bücher eignet sich als Einstieg, alle findet man sehr leicht in verschiedenen Preisklassen unter www.zvab.de antiquarisch. JüKö


Vom 1. Mai - Empfang der DKP München

Etwas Neues wollte man sich einfallen lassen, ein Experiment wagen - und so lud die DKP München statt einer traditionellen Vorabendveranstaltung diesmal zu einem 1. Mai-Empfang am 28.4. ins EineWeltHaus. Zwei kurze Begrüßungsansprachen, ein liebevoll vorbereitetes Kaltes Buffet, Getränke, Bistrotischchen zum zwanglosen Ins-Gespräch-Kommen unter KollegInnen und GenossInnen - dieses Konzept ging auf. Über 70 TeilnehmerInnen, darunter eine ganze Anzahl parteiloser KollegInnen, hörten die etwa 10-minütigen Begrüßungsansprachen von Michael Leutert, sächsischer Bundestagsabgeordneter der Linksfraktion aus Sachsen und von Heinz Stehr, dem Bundesvorsitzenden der einladenden Partei. Michael Leutert, der erstmals bei der DKP sprach, betonte die Notwendigkeit einer verbesserten Zusammenarbeit der Linksfraktion im Bundestag mit den außerparlamentarischen Bewegungen. Die Fraktion habe ein außerparlamentarisches Kontaktbüro eingerichtet und bereits eine öffentliche Anhörung zu Hartz IV mit 450 Menschen aus entsprechenden Initiativen organisiert. Zum Parteiformierungsprozess PDS/WASG: Er hätte sich gewünscht, die DKP würde mitmachen und er werbe jetzt darum, dass die DKP sich, auch mit Gegenpositionen, an der programmatischen Diskussion der neuen Linksformation beteiligen möge - "Das hilft uns weiter!"

Heinz Stehr berichtete über seine aktuellen Erfahrungen aus Betrieben, die er im Arbeitskampf besucht hatte. Eine neue Debatte über die Eigentumsverfasstheit sei im Entstehen, ebenso wie über die Zukunft der Gewerkschaften, die sich davon lösen müssten, "Transmissionsriemen der Baracke" (des SPD-Vorstandes) zu sein. "Nicht Entideologisierung, sondern Politisierung ist nötig", meinte Stehr und verwies auf das französische Beispiel, wo sich in den Kämpfen "gesellschaftliche Allianzen" gegen den Neoliberalismus, den er mit Jean Ziegler als "neue Feudalherrschaft" darstellte, herauszubilden begännen. Zwar sei die Linke noch lange nicht in der Offensive, aber es entstehe "ein gutes Klima, um über Sozialismus zu reden". Wozu es dann an einem Mut machenden Abend ganz zwanglos auch noch viel Gelegenheit gab. Michael Leutert übrigens äußerte sich im persönlichen Gespräch sehr positiv überrascht und beeindruckt über die Münchner DKP und darüber, wie viele KollegInnen aus Betrieben zu einem solchen 1. Mai-Empfang gekommen waren. JüKö


Kämpferischer 1. Mai
Über eine halbe Million Menschen beteiligten sich diesmal an den 1. Mai Kundgebungen und Demonstrationen des DGB. Auch in München waren bei herrlichem Frühlingswetter tausende dabei - die Demo war beeindruckend. Die DKP München verteilte 1000 UZ-extras und war mit ihrer Litfasssäule und ihren Fahnen präsent.

1. Mai-Veranstaltung der DKP München mit Heinz Stehr

Für Freitag, den 28. April um 19 Uhr lädt die DKP München zu einem 1. Mai-Empfang ins EineWeltHaus, 2. Stock, Raum 211 (Schwanthalerstr. 80). Die Begrüßung erfolgt durch Heinz Stehr, Vorsitzender der DKP, und Michael Leutert, Bundestagsabgeordneter der Fraktion "Die Linke". Bei einem kleinen Buffet kann man dann zwanglos ins Gespräch kommen...
Kreisvorstand der DKP München


 

 

 

 

 

Pasi Juhanni Kela - ein guter Freund der DKP München verstorben

Wir hatten ihn gerade wieder eingeladen zu unserer 1. Mai-Veranstaltung, aber statt Pasi antwortete seine Witwe:

"Mein Mann Pasi Kela wäre sicher gerne zu Ihrem Treffen am 1. Mai gekommen, leider ist er am 5.1.2006 verstorben. Er war immer gerne ein Kommunist, gerade gestern habe ich seine alte rote Fahne im Keller verstaut. Er hatte einen kleinen Sohn und es ist schade, dass er ihm seine Begeisterung für den Kommunismus nicht mehr erklären wird können."

Pasi war ein noch junger, sportlicher Finne mit kurzen blonden Haaren, er lebte eine Zeit in München, war Uniangestellter, suchte und fand uns bei Demos und dem "Fest der Solidarität". Er war überzeugter Kommunist und freute sich darüber, dass die Linken bei solchen Gelegenheiten zusammen finden. Ich habe ihn als besonders freundlichen und liebenswerten Menschen kennen gelernt, der gleichzeitig sehr prinzipiell und kritisch, aber immer kommunistisch dachte. Er ist dann weggezogen, war stolz auf seine Frau und seinen kleinen Sohn, erkundigte sich bei mir per e-mail über Lauftrainingspläne. Die Seite an ihm, die ihn am Weiterleben hinderte, habe ich nie kennenlernen können.



Pasi, wir machen in Deinem Sinne weiter; wer Dich kannte, wird Dich nicht vergessen.


Jürgen Köster
für den Kreisvorstand der DKP München

 

 

 

 

 

 


Kein Krieg gegen den Iran!




Am 20. März 2003 begann unter, wie heute fast jeder weiß, haarsträubenden Vorwänden der Angriffskrieg der "Koalition der Willigen" unter Führung der USA gegen den Irak. Selbst der damalige US-Außenminister Powell bezeichnet sein seinerzeitiges Lügengeschwafel vor der UNO über "weapons of mass destruction" (Massenvernichtungswaffen) im Irak, mit dem er das Stillhalten der UNO herbeiredete, heute rückblickend als "Tiefpunkt meiner Amtszeit". Den Zehntausenden Toten, dem verwüsteten Irak ist damit nicht mehr zu helfen. Aber wir können heute helfen, weitere zigtausende Opfer der imperialistischen Kriegsmaschinerie zu verhindern, indem wir der aktuellen Kriegstreiberei gegen den Iran in den Krieg fallen.
Deshalb findet am Samstag, den 18. März, ein weltweiter Aktionstag anlässlich des 3. Jahrestages des Überfalls auf den Irak gegen einen drohenden Irankrieg statt. In München rufen das Münchner Bündnis gegen Krieg und Rassismus sowie das Münchner Friedensbündnis zu einer Protestkundgebung "Gegen Folter, Krieg und Besatzung - Stoppt den drohenden Krieg gegen den Iran" auf. Sie findet am Samstag, den 18. März, um 14 Uhr auf dem Marienplatz statt. Hauptredner ist Bahman Nirumand, der bekannte Autor und Publizist aus dem Iran.
Die DKP München unterstützt diese Protestkundgebung und alle Rundbrief-LeserInnen sind aufgerufen, sich für die Forderungen der Protestkundgebung mit einzusetzen:
"Schluss mit den Kriegsdrohungen und Kriegsvorbereitungen gegen den Iran.
Keinerlei deutsche Unterstützung oder Beihilfe zum Krieg gegen den Iran; d.h. ein verbindliche, dem Völkerrecht entsprechende Erklärung der Bundesregierung, die den USA und anderen kriegführenden Staaten Überflugrechte und die Nutzung ihrer Militärbasen verweigert.
Verhandlungen für Atomwaffenfreie Zone im Nahen und Mittleren Osten; Abrüstung und die weltweite Beseitigung aller Atomwaffen."


DKP München mit erster Auswertung zur "Sicherheitskonferenz"

Der Verlauf der NATO-Kriegstagung in München war Hauptthema einer KreisvertreterInnenversammlung der DKP München am 6. Februar. Walter Listl sprach einleitend darüber, dass das wahre Thema der Tagung, nämlich Kriegsvorbereitung, diesmal noch deutlich als in den Vorjahren geworden sei. Ganz unverblümt sei im Zeichen der Vorbereitung eines Krieges gegen den Iran als Hauptthema formuliert worden, "Wie sichern wir unsere Energiequellen?" - wobei "unsere" bedeutet, dass die NATO die Energieressourcen der nicht zu ihr gehörenden Länder für sich beansprucht und - auch gerne kriegerisch - für sich "sichern" will. Daher der inszenierte Karikaturenstreit, die "zufällige" neue Botschaft bin Ladens, die passenden Fernsehbilder brennender Konsulate - die ganze Palette der psychologischen Kriegsvorbereitung eben. Die Gegenveranstaltungen waren alle voll oder überfüllt, auf der Demo seien realistisch 2500 bis 3000 Leute gewesen, so dass wir etwa 5000 Menschen erreicht und ein beachtliches Presseecho erzielt hätten. Aber auch die Brutalität der Polizeieinsätze habe eine neue Qualität erreicht. Kritisch sprach Walter Listl die offensichtliche Schwierigkeit an, mit einer in politisch unterschiedliche Blöcke segmentierten Demo unsere politischen Botschaften zu vermitteln, zumal wenn teilweise ein unrealistischer Maulhelden-Tenor vorherrsche "Wir greifen den Kapitalismus an". Leo Mayer wies vor allem auf die Rede Merkels hin, die eine Verstärkung des Schulterschlusses mit den USA forderte, während Rumsfeld klagt, dass die europäischen Länder zu wenig für die Rüstung ausgeben - die USA gehen dieses Jahr mit dem "guten Beispiel" eines Rüstungshaushaltes von 470 Milliarden US-$ voran. Claus Schreer führte den allgemeinen Jubel, auch aus den USA, für Angela Merkel darauf zurück, dass mit ihren Auftritten die BRD die führende Rolle im Konfrontationskurs gegen den Iran übernommen habe. Auf der "Sicherheitskonferenz" sei die "Energiesicherung" als DIE wesentliche Aufgabe der NATO definiert worden. Für die Zukunft hielt auch er eine bessere Struktur in der Demovorbereitung für nötig, um das Erscheinungsbild zu verbessern. Abschließend orientierte er auf den 18. März, den weltweiten Aktionstag zum Jahrestag des Irakkrieges gegen einen drohenden Irankrieg. JüKö.

"NATO soll Ölplattformen und Pipeleines schützen", mit diesem Aufmacher berichtete die Süddeutsche Zeitung am Montag, 6.2.2006, über die Münchner Sicherheitskonferenz.
Die Konferenz wurde ihrem schlechten Ruf gerecht: Kriegsdrohungen gegen den Iran und unverhohlene Ansprüche auf den ungehinderten "Zugang zu erschwinglicher Energie" (Frank-Walter Steinmeier, deutscher Außenminister), das waren die Hauptthemen.
Außenminister Steinmeier: "Die Endlichkeit fossiler Energieressourcen lässt befürchten, dass Probleme im Zugang zu erschwinglicher Energie immer häufiger auch Quelle von Auseinandersetzungen werden. Für mich ist deshalb klar: Globale Sicherheit im 21. Jahrhundert wird untrennbar auch mit Energiesicherheit verbunden sein. Und die deutsche Außen- und Sicherheitspolitik, das verstehen Sie, muss sich dieser strategischen Herausforderung stellen. Wir sind ein rohstoffarmes Land. (..) Energie-Außenpolitik, wenn Sie das so nennen wollen, wird jedenfalls als neue Kategorie, da bin ich mir sicher, in das öffentliche Bewusstsein einrücken, .."
Angela Merkel nutzte das Forum, um den Schulterschluss mit den USA - wie im Koalitionsvertrag vereinbart - zu festigen. "Für uns in Deutschland sind die europäische Einigung auf der einen Seite und die transatlantische Partnerschaft auf der anderen die Pfeiler unserer Außen- und Sicherheitspolitik."
Alle Reden unter http://www.securityconference.de


Es stand in der UZ - wo sonst?

Bei den hessischen Kommunalwahlen am 26. März konnten linke Bündnislisten in verschiedenen Formen fast flächendeckend in die Parlamente einziehen. Die UZ vom 31. März berichtete über eine Reihe dieser Ergebnisse, wir bringen eine Auswahl:

Landkreis Groß-Gerau: Die Linkspartei. Offene Liste 4,6%, 3 Sitze (2001: 1,8%)
Alsfeld: Alternative Liste Alsfeld 5,6% , 2 Sitze (2001: -)
Frankfurt am Main: Die Linke.WASG 6,6%, 6 Sitze (2001: 2,3%)
Gießen: Die Linke 5,9%, 4 Sitze (2001: 3,8%)
Hanau: Die Linke 5,2%, 3 Sitze (2001: -)
Kassel: Kasseler Linke.ASG 6,8%, 5 Sitze (2001: 3,2%)
Marburg: Marburger Linke 8,8%, 5 Sitze (2001: 6,4%)
Mörfelden-Walldorf: DKP/Linke Liste 11,6 %, 5 Sitze (2001: 8,3%)
Offenbach: Die Linke 5,3 %, 4 Sitze (2001: 2,8%)
Rüsselsheim: Die Linke/Liste Solidarität 5,6%, 2 Sitze (2001: 2,6%)
Reinheim: DKP 14,7%, 5 Sitze (2001: 9,2%)

Die UZ (Unsere Zeit) ist die Wochenzeitung der DKP. Sie kostet jährlich 98,50 Euro, ermäßigt 65 Euro. Pro-Abo-Service, Postfach 1407, 48237 Dülmen, Tel.: 0201-2486482. www.unsere-zeit.de


Eine andere Welt, eine friedliche Welt ist möglich!
Nein zum Krieg gegen den Iran!
Abrüstung statt Sozialabbau!
Für Frieden und eine gerechte, soziale Weltordnung!

Samstag 15. April 2006, Ostermarsch München 2006
9:45 Uhr Ökumenischer GOTTESDIENST, St. Johanneskirche, Preysingplatz
10: 45Uhr AUFTAKTKUNDGEBUNG am Orleansplatz (vor dem Ostbahnhof)
mit Clemens Ronnefeldt Internationaler Versöhnungsbund
11:15 Uhr DEMONSTRATIONSZUG vom Orleansplatz (Ostbahnhof) zum Marienplatz
12:15 Uhr KUNDGEBUNG auf dem Marienplatz
mit Jürgen Wagner, Informationsstelle Militarisierung Tübingen
Grussworte:
Gina Gillig, Veranstalterkreis .20 Jahre Tschernobyl - nie wieder
Franz Schätz, ver.di-Jugendsekretär, Bezirk München
11:15 . 15:00 Uhr MUSIK auf dem Marienplatz
mit wildwuxx und Willie-le-Truc
STRASSENTHEATER und INFOMARKT mit Ständen
Veranst.: Münchner Friedensbündnis und Friedensüro e.V.
Montag, 17.4., Ostermarsch draussen:
"Friede in den Bergen - Kriegsideologen nach Hause schicken!"
Die traditionelle familienfreundliche Friedenswanderung fährt heuer am
Ostermontag nach Garmisch-Partenkirchen. Im Brennpunkt der Panoramarundwanderung
liegt das Marshall-Center, das "Europäische Zentrum für Sicherheitsstudien"
des US-Verteidigungsministeriums.
Treffpunkt Hauptbahnhof München 9:15 (! wg. Bayernticket) vor Gleis 30
(Starnberger Bf.) . Begrüssung/Auftakt 11 Uhr am Zugspitzbahnhof in Garmisch.
Informationen unter _www.bifa-muenchen.de_ (http://www.bifa-muenchen.de/) oder
Tel. 089/181239. Anmeldung nicht erforderlich aber willkommen (Gehzeit 2 1/h
Std. + reichlich Pausen/Picknick).


Sozialismus neu denken - Harald Neubert in München

Prof. Dr. Harald Neubert, bis 1990 Direktor des Instituts für internationale Arbeiterbewegung an der Akademie für Gesellschaftswissenschaften in Berlin/DDR und einer der wichtigsten marxistischen Wissenschaftler in Deutschland, spricht und diskutiert am Donnerstag, den 4. Mai in München: "Sozialismus neu denken - Was ist gescheitert? Was bleibt? Welche Konsequenzen? Neue Wege - neue Kräfte? Kontrastpunkte eines künftigen Sozialismus zum gescheiterten Realsozialismus"
Erste Veranstaltung einer Reihe "Marxismus im Dialog", die marxistisch Interessierte über Parteigrenzen hinaus ansprechen soll - siehe Termine, Tipp der Redaktion!


Schmutziger Krieg in Kolumbien:
KP-Führungsmitglied Arturo Díaz García ermordet!


Arturo Díaz García

Nachstehend dokumentieren wir eine Meldung von http://www.nuevacolombia.de:
"Während die Regierung des kolumbianischen Präsidenten Uribe durch heuchlerische Friedensbekundungen und Verhandlungen mit der Guerrillaorganisation ELN versucht, die Öffentlichkeit zu täuschen, geht der schmutzige Krieg gegen die demokratische Bewegung Kolumbiens weiter. Eines der jüngsten Opfer des Terrors gegen jede Opposition wurde am 21. Dezember in Toche eine der Führungspersönlichkeiten der Kolumbianischen Kommunistischen Partei (PCC), Arturo Díaz García, Opfer eines Mordanschlags. Der am 1. Oktober 1962 in El Líbano Tolima geborene Genosse, der lange Jahre führende Funktionen in der Kommunistischen Jugend (JUCO) ausgeübt hatte und sich aktiv bei der Verbreitung der kommunistischen Presse engagiert hatte, war bereits seit langer Zeit von den rechtsextremen Paramilitärs bedroht und von den staatlichen Organen verfolgt und zeitweilig verhaftet worden.

Erste Kampferfahrungen hatte er bereits im Alter von 15 Jahren beim legendären nationalen Generalstreik 1977 gesammelt. Die Genossen erinnern sich an ihn als einen unermüdlich lernenden und nachfragenden Genossen, der tief in die Wissenschaft des Marxismus-Leninismus eingedrungen war. Auch wenn die genauen Details seiner Ermordung noch nicht ermittelt werden konnten, deutet die Vorgeschichte der Bedrohungen und Verfolgungen sowie die faktische Doppelherrschaft von Paramilitärs und Staatsmacht in Toche deutlich auf die Urheber des Verbrechens hin. Bekannt ist mittlerweile, dass am 21. Dezember gegen 15 Uhr zwei männliche Personen das bescheidene Büro von Arturo Díaz García betraten und ihn daraus in Richtung auf die Strasse Salento Quindío verschleppten. Etwas später hörte man zwei Schüsse. Gegen 18 Uhr wurde der leblose Körper des Genossen aufgefunden, der deutliche Folterspuren aufwies. So scheinen die Mörder mit dem Kopf ihres Opfers regelrecht Fussball gespielt zu haben, die Finger und Zehen waren gebrochen, der gesamte Körper von Schlägen gezeichnet.

Die alternative kolumbianische Nachrichtenagentur ANNCOL hat eine Chronologie der Warnungen und Anzeigen über die Bedrohungen gegen Arturo Díaz García zusammengestellt. So wurde der Genosse erst am 26. Juni 2005 von der kolumbianischen Polizei unter dem Vorwurf verhaftet, die Guerrilla FARC-EP zu unterstützen. Obwohl die Anklage nicht bewiesen werden konnte und der Genosse drei Tage später wieder freigelassen werden mußte, gilt eine solche Anklage den Paramilitärs als Todesurteil. In diesem Sinne ist auch die fortgesetzte Hetze der Tageszeitung "Nuevo Día" zu bewerten, die auch nach der Freilassung fortfuhr, Arturo Díaz García, die Kommunistische Partei und den Gewerkschaftsbund CUT mit der Guerrilla in Verbindung zu bringen. Mehrere kolumbianische Gewerkschaften warnten bereits seit Monaten vor Todeslisten der Todesschwadronen und forderten Schutz durch die Behörden.

Der Tod von Arturo Díaz García ist ein schwerer Verlust für die Kolumbianische Kommunistische Partei, die kolumbianischen Gewerkschaften und die internationale fortschrittliche Bewegung. Seine Mörder haben Namen, einer von ihnen: Álvaro Uribe Vélez."

 


"Die Reaktionäre spielen ein gefährliches Spiel mit den nationalen Interessen des Iran"

(aus dem Leitartikel in "Nameh Mardom", dem Zentralorgan der Tudeh Partei des Iran, Nr. 731 vom 2. Februar 2006 www.tudehpartyiran.org):

"Wochen internationaler Spannungen, imperialistischer Einschüchterung und Drohungen auf der einen Seite und schlecht beratener Staatskunst der reaktionären Führer des Iran auf der anderen Seite haben sich schließlich zu der Zustimmung der Vertreter der Europäischen Union zugespitzt, Irans Nuklearakte dem Sicherheitsrat der Vereinten Nationen zu berichten. Laut Presseberichten haben nach der Sitzung der fünf ständigen Mitglieder des Sicherheitsrates drei die EU repräsentierende europäische Länder, Großbritannien, Frankreich und Deutschland, die Führung der Internationalen Atomenergieagentur (IAEA) aufgefordert, dem Sicherheitsrat der vereinten Nationen einen Bericht über die Teile des iranischen Atomprogramms vorzulegen, die militärischen Zwecken dienen könnten. Laut diesen Presseberichten stimmen Russland und China dieser Entscheidung zu. Die britische Zeitung ‚Guardian' hat berichtet, dass Russlands Zustimmung unter zwei Bedingungen erfolgt ist: Erstens einer einmonatigen Atempause, in der Russland und China mit dem Iran verhandeln können und zweitens, dass die IAEA einen Bericht für den Sicherheitsrat vorbereiten soll, statt offiziell den Fall Iran vorzulegen. Es ist dann berichtet worden, dass russische und chinesische Delegationen in den Iran gereist sind.

Manouchehr Mottaki, der iranische Außenminister, hat einen Unterschied zwischen einem Bericht und der Überweisung der iranischen Atomakte an den Sicherheitsrat gemacht. Mottaki hat erklärt, dass eine "Überweisung" bedeutet, dass die IAEA sich zurückzieht und der Sicherheitsrat selbst direkt berät und entscheidet, wie mit dem Iran verfahren werden soll. "Berichten" hingegen würde beinhalten, dass nach einer Sitzung des Sicherheitsrates zu diesem Thema die Akte der IAEA zur Entscheidungsfindung zurückgegeben würde.

Die herrschende Reaktion hat den europäischen Ländern und den USA provokativ damit gedroht, den Iran aus bisherigen Abmachungen herauszunehmen. Die Presseagentur "Emrouz" hat berichtet, dass zum Ende der offenen Sitzung des iranischen Parlaments am 1. Februar ein von 212 Parlamentariern unterschriebenes Statement über die jüngste Entwicklung der iranischen Nuklearakte verlesen wurde: "Eine der wichtigsten Forderungen der Weltgemeinschaft beseht darin, dass die Rechte aller Nationen auf den internationalen Prinzipien basieren und ohne Drohungen und Druckausübung seitens der Großmächte respektiert werden. Friedliche atomare Aktivitäten innerhalb des Rahmens des Nuklearen Nicht-Weiterverbreitungsvertrages, Sektion 3 und 4 der Verfassung der IAEA sind das eindeutige Recht aller Länder, die Mitglieder dieser zwei wichtigen internationalen Körperschaften sind. Wir, die Vertreter der großen Nation Iran, warnen die Regierung: Sie hat weder das Recht, mit irgendeiner Macht über die unverzichtbaren Rechte des iranischen Volkes zu verhandeln, noch sich irgendwelchen Einschüchterungen zu beugen. Sollte der Regierungsrat einen solchen Schritt Richtung Kompromiss unternehmen, ist die Regierung auf der Basis der Entscheidungen der Islamischen Konsultativen Versammlung (Parlament) verpflichtet, alle freiwilligen Beschränkungen aufzuheben und alle friedlichen nuklearen Aktivitäten wieder aufzunehmen." Ahmadinejad, der sorgsam ausgewählte Präsident der Reaktion, hat außerdem erklärt: "Wir werden unsere Rechte nicht weggeben. Wenn Irans Akte an den Sicherheitsrat überwiesen wird, wird die Islamische Republik Iran, gemäß den vom Parlament verabschiedeten Gesetzen, alle freiwilligen Zusätze des Protokolls aufheben müssen."

Während der letzten Wochen hat die Tudeh Partei Iran vor den gefährlichen Konsequenzen der Spiele, die die Reaktionäre mit unseren nationalen Interessen spielen, gewarnt. Wir haben betont, dass die iranischen nationalen Interessen daran, eine friedliche nukleare Fähigkeit zu entwickeln, nicht durch provokative Politik und leere Drohungen verteidigt werden können. Wir haben auch darauf hingewiesen, dass das Ziel der Reaktionäre, wenn sie eine solche Strategie verfolgen, darin besteht, eine künstliche Krise zu erzeugen, um die Drohungen seitens fremder Mächte dazu zu nutzen, die Unterdrückung der freiheitsliebenden und friedlichen Kräfte unseres Landes zu rechtfertigen. Die bösartigen Angriffe auf die Fahrer der staatlichen Buskompanie, die Verhaftungen hunderter Arbeiter und Gewerkschaftsaktivisten und die zunehmende Aggression gegen die Studentenbewegung demonstrieren alle klar und deutlich die Politik und Taktik der herrschenden Reaktion. Wie wir schon vorher festgestellt hatten, wäre die Überweisung der iranischen Akte an den Sicherheitsrat gegen die nationalen Interessen unseres Landes und könnte auf lange Sicht gravierende Konsequenzen haben. Den imperialistischen Ländern, deren militärische Streitkräfte in unseren Nachbarländern stationiert sind, eine Begründung zu liefern ist eine grundsätzlich antipatriotische und selbstzerstörerische Politik. Wir befürchten, dass die aus der Verfolgung einer solchen Politik resultierenden Härten ausschließlich von den Menschen unseres Landes getragen werden müssen. Die Erfahrung der schrecklichen Politik "Krieg, Krieg bis zum Sieg!" während des Iran-Irakkrieges in den 80 er Jahren brachte endlose Katastrophen, wie die Hunderttausenden Toten und Verletzten Iraner, als nach der Wiedereroberung von Khoramshahr (einer iranischen Stadt im Südwesten an der Grenze zum Irak) das iranische Regime ihre Forderungen gegenüber der besiegten irakischen Armee durch eine ausgehandelte Regelung hätte durchsetzen können. Die jetzige Politik erinnert an die alles andere als weise und antipatriotische frühere und jetzige Politik der Führer des Regimes - es ist eine Politik, die den Iran wiederum in eine katastrophale und gefährliche Konfrontation verstricken kann. Die Fortführung der provokativen Politik der Reaktionäre kann nur der extremen Rechten in der Bush-Administration, der rechten israelischen Regierung und allen anderen rechten und kriegstreiberischen Kräften nützen. Eine solche Politik schützt nicht nur nicht Irans Recht, eine friedliche nukleare Fähigkeit zu entwickeln, sondern schwächt auch noch Irans diplomatischen Status bezüglich späterer Verhandlungen, indem sie die öffentliche Weltmeinung gegen den Iran aufbringt. In dieser angespannten und gefährlichen Situation kann nur die Rückkehr zu Verhandlungen und vertrauensbildenden Maßnahmen die nationalen Interessen des Landes schützen, sein legitimes Recht zu verfolgen, friedliche Atomenergie zu entwickeln.

Unzweifelhaft bedeutet die augenblickliche Politik eine ernsthafte Bedrohung für unser Volk und die nationalen Interessen des Iran. Begründungen zu schaffen um Konfrontationen zu provozieren wird nur die Aufgabe noch schwieriger machen, die Politik zu ändern und zum Verhandlungstisch zurückzukehren. Das Problem kann nur durch die Wiederaufnahme von Verhandlungen mit der IAEA gelöst werden. Zur Zeit sind viele der nichtpaktgebunden und sogar einige Europäische Länder bereit, Irans Recht auf friedliche nukleare Entwicklung zu unterstützen, wenn die iranische Regierung eine sensible Politik betreibt. Thabo Mbeki, der Präsident Südafrikas, erklärte in seinen Gesprächen mit Ahmadinejad bezüglich der Haltung Südafrikas und anderer nichtpaktgebundener Länder in dieser Sache: "Wir unterstützen das Recht der Islamischen Republik auf Zugang zu friedlicher Nukleartechnologie. Deswegen haben wir auch versucht, andere Länder zu überzeugen, eine friedliche Lösung ohne jede Konfrontation zu erreichen."

Die Rückkehr an den Verhandlungstisch muss ernst gemeint sein, kein Trick, um Zeit zu gewinnen. Das ist der einzige Weg, die Spannungen zu verringern und geeignete Mittel zu finden, Irans nationale Interessen zu fördern. Wir dürfen den Reaktionären nicht erlauben, durch eine solche gefährliche Politik den nationalen Interessen des Iran ernsten Schaden zuzufügen."

Übersetzung: Jürgen Köster


Protest gegen die EU-Dienstleistungsrichtlinie "Bolkestein"

Flugblatt "Mit Einstein gegen Bolkestein"

Am Samstag, den 11. Februar 2006 findet in Straßburg vor dem EU-Parlament eine europaweite Demonstration gegen die sogenannte Bolkesteinrichtlinie statt, die die EU-Parlamentarier der konservativen und der liberalen Fraktion so absegnen wollen. Die Sozialdemokraten schwanken und wollen kosmetische Verbesserungen.
Lediglich die Fraktion der Vereinigten Europäischen Linken/Nordisch Grüne Linke (GUE/NGL) ist konsequent gegen die EU-Dienstleistungsrichtlinie.
Kern dieser Richtlinie ist das sogenannte Herkunftslandprinzip. Dieses besagt, das Firmen in Zukunft nicht mehr die sozialen Standards (Entlohnung, Arbeitsschutz, soziale Absicherungen) garantieren müssen, die in den Ländern gelten, wo sie produzieren oder Dienstleistungen anbieten, sondern die in dem Land gelten, wo sie ihren Hauptsitz haben.
Sollte die Bolkesteinrichtlinie durchkommen, wird sie eine für die arbeitende Bevölkerung Europas katastrophale Spirale nach unten auslösen, was Löhne, Arbeitsschutz und soziale Absicherungssysteme betrifft! Dem Lohndumping wird Tür und Tor geöffnet.
Eine Firma für Computerdienstleistung kann beispielsweise ihren Hauptsitz nach Polen verlagern, eine Zweigstelle in München eröffnen und den KollegInnen in München polnisches Lohnniveau zahlen!

Deshalb mobilisieren Gewerkschaften, Sozialforen, Erwerbsloseninitiativen, Bündnisse gegen Sozialabbau, linke Parteien und Gruppen aus ganz Europa für den 11. Februar 2006 zu einer zentralen Demonstration gegen diese Richtlinie vor das
Europaparlament in Straßburg.

Gleichzeitig mobilisieren der DGB und die Einzelgewerkschaften für eine Demo am 11. Februar 2006 gegen die EU-Dienstleitstungsrichtlinie nach Berlin.

Am Dienstag, den 14. Februar 2006 - einen Tag vor der Lesung im EU-Parlament - findet eine weitere Demo in Strasbourg statt, zu der der Europäische Gewerkschaftsbund, DGB und Einzelgewerkschaften aufrufen.

Samstag, den 11.Februar 2006

Die Münchner Gewerkschaftlinke stellt nach ihren Möglichkeiten Mitfahrgelegenheiten für Straßburg zur Verfügung. Da die Anzahl der
Plätze begrenzt ist, bitten wir um frühzeitige Anmeldung. Anmeldeschluß ist Mittwoch, der 08. Februar 2006.
Anmeldung unter: MGL-Info@yahoogroups.com (Vorname, Gewerkschaft und
e-mail Adresse bzw. Telefonnummer genügen)
Abfahrt: Samstag, 11. Februar 2006 um 7.30 Uhr beim Gewerkschaftshaus, Schwanthalerstr. 64, U4/5 Theresienwiese
Kosten: 40.- Euro pro Person

Dienstag, 14.02.2006

Abfahrt in München ca. 6.00 Uhr(morgens)
Ankunft in Strasbourg ca. 10.00 Uhr
Rückfahrt nach Demo und
Ankunft in München ca. 22.00 bis 24.00 Uhr
Abfahrt / Ankunft: DGB-Haus München

Für Gewerkschaftsmitglieder ist die Fahrt kostenlos.

Flugblatt "Mit Einstein gegen Bolkestein"


Dokumentiert:

Presseerklärung von Oskar Lafontaine und Sahra Wagenknecht:

"Protest notwendiger denn je - Fauler Kompromiss bei
Dienstleistungsrichtlinie
Zum angeblichen Verhandlungserfolg der sozialdemokratischen
Berichterstatterin zur Dienstleistungsrichtlinie im Europäischen Parlament,
Evelyne Gebhardt, beim Aushandeln eines Kompromisses zwischen
konservativer und sozialdemokratischer Fraktion erklären Oskar Lafontaine,
Vorsitzender der Fraktion "Die Linke." im Deutschen Bundestag, und Sahra
Wagenknecht, Europaabgeordnete der Linkspartei und Berichterstatterin zur
Richtlinie im Wirtschafts- und Währungsausschuss des Europäischen
Parlaments:
Der als großer Erfolg verkündete Kompromiss von Konservativen und
Sozialdemokraten in der Frage des Herkunftslandprinzips ist nichts anderes
als ein weitgehendes Einknicken der Sozialdemokraten auf die Linie der
Konservativen. Der Begriff Herkunftslandprinzip wird getilgt - die
Grundausrichtung der Richtlinie bleibt jedoch unverändert.
Von der Intention bis hin zum Titel "Freizügigkeit für Dienstleistungen"
entspricht der "Kompromiss" in vieler Hinsicht dem, was die Konservativen
als Antrag in den Binnenmarktausschuss eingebracht hatten und dort - gegen die
weiter gehenden Vorschläge der Sozialdemokraten - durchgesetzt haben. Zwar
wird jetzt nicht mehr pauschal festgelegt, dass grenzüberschreitende
Unternehmen nur noch den Gesetzen des Landes unterliegen, in dem sie
niedergelassen sind. Aber den Mitgliedstaaten werden gravierende
Einschränkungen bei der Anwendung der eigenen Gesetze auferlegt. Gesetze
zur Bekämpfung von Scheinselbständigkeit oder zur gesetzlichen Regulierung
von Leiharbeit dürften damit ebenso hinfällig werden wie bestimmte Umwelt-
und Arbeitsschutzauflagen. Was den Text vom Kommissionstext hauptsächlich
unterscheidet, ist die Schwammigkeit und Ausdeutbarkeit der Formulierungen.
Die Konzernlobby sollte damit bestens leben können, da in letzter Instanz
der Europäische Gerichtshof zur Klärung angerufen werden kann und dieser, wie
vergangene Entscheidungen zeigen, im Zweifel selten zu ihren Lasten urteilt.
Der von den Sozialdemokraten gefeierte Durchbruch ist deshalb vor allen
Dingen ein Durchbruch, was die eigenen Reihen betrifft. Der öffentlich
vorgekaukelte Spagat zwischen Matthias Platzeck, der zur Demonstration
aufruft, und Martin Schulz, der auf Konsens mit den Konservativen setzt, ist
pünktlich zur Abstimmung beendet worden.
Es bleibt zu hoffen, dass die Beschäftigten und die ebenfalls von der
Richtlinie in ihrer Existenz bedrohten Klein- und Mittelunternehmen sich nicht von den
präsentierten Lügen und Fehlinformationen blenden lassen. Weiterhin muss
Widerstand geleistet werden gegen die Große Koalition der Sozialabbauer und
Verfechter eines neoliberalen Europa! Die Richtlinie ist nicht substanziell
verändert oder eingeschränkt worden. Sie ist auch mit den angeblichen
Kompromissen das, was sie immer war - ein Freibrief für Sozialabbau,
Lohndumping und ungehemmte Profite der Großkonzerne. Mächtige
Demonstrationen gegen die Dienstleistungsrichtlinie sind deshalb jetzt
dringender nötig denn je!

Oskar Lafontaine, MdB
Sahra Wagenknecht, MdEP
Brüssel/Berlin, den 09. Februar 2006"

Flugblatt "Mit Einstein gegen Bolkestein"


 


Leonel Búcaro (FMLN representative in Europe, fmln-europa@beta.telenordia.se):
SUPPORT THE FMLN IN THE ELECTIONS OF MARCH 2006!!

Decades of repression and lack of liberty. 12 years of war. 70 000 dead. Finally, a peace accord in 1992, only possible after hard pressures on the right wing government and massive manifestations of strength of FMLN.

In October 2005, FMLN celebrated its 25th anniversary and in January 2006, 14 years have gone by since the signing of the peace accord. The two most important victories have been the demilitarization of the Salvadoran society and the successful results of FMLN in the parliamentary and municipal elections. The largest disappointments have been the lack of socio-economic improvements and the use of violence and fraud of the right wing forces during the electoral campaigns in 2003 and 2004. Especially the presidential election in 2004 caused a lot of frustration among many persons; it also served as a warning lamp. The polls and the support manifested in the streets created high hopes that a victory for the left was possible. An evaluation of the results, as well as the incidents during the campaign, shows very clearly the existence of fraud and illegal methods in the electoral campaign. For many Salvadorans, this has brought back the memories of the frauds during the elections in the 70ies and 80ies. Some groups have also argued that the electoral processes in 2003 and 2004 showed the limitations of the political system.

Therefore, the parliamentary and municipal elections in 2006 are especially important for us in the FMLN, both in terms of voting results and the population’s expectations on the political system. It is important that the party maintain its position as the largest party in the parliament and defend its position as mayor of the most populated and important municipalities. The right must understand that they cannot manipulate the political system without a high cost for themselves and the society.

In this situation we address the international solidarity, you comrades, to ask for your support in two things. One is economic support, and the second is an invitation to electoral observers. Due to the irregularities in the electoral processes in 2003 and 2004, it will be very important for us to be able to count on the support of a large number of electoral observers from Europe in order to contest a possible repetition of what happened during the two earlier processes.

All contributions are welcome to the following account in the Swedish bank Nordea:

Plusgiro 446 18 34-6, FMLN campaign "VICTORIA 2006"


Rosa Luxemburg und der Sozialismus

Wir dokumentieren einige zentrale Aussagen zur Sozialismusdiskussion aus der Rede ( Komplette Rede) von Walter Listl am 21.01.06 bei der Gedenkveranstaltung aus Anlass der Ermordung Rosa Luxemburgs auf dem Rosa Luxemburg Platz in München. Listl hatte, anknüpfend an Rosa Luxemburgs Alternative "Sozialismus oder Barbarei" zunächst anhand aktueller Fakten den heutigen Kapitalismus als barbarisch charakterisiert und sprach dann über heutige Sozialismusvorstellungen. Sie "müssen schlüssige Erklärungen beinhalten, warum frühsozialistische Modelle zwischen 1917 und 1989/90 gescheitert sind. ... So sehr Rosa Luxemburg mit der Revolution in Russland verbunden und inspiriert war, so sehr hat sie doch auch in solidarischer Weise in ihrem Disput mit Lenin auf Probleme aufmerksam gemacht, die heute im geschichtlichen Rückblick zur historischen Niederlage des realen Sozialismus beigetragen haben. Der Hauptmangel des realen Sozialismus lag vor allem in seiner Unfähigkeit gesellschaftliche Prozesse so zu organisieren, dass die Menschen sich als Akteure des gesellschaftlichen Lebens hätten erleben können. Trotz formeller Überführung der Produktionsmittel in gesellschaftliches Eigentum haben Menschen Arbeitsverhältnisse und soziale Beziehungen in vielen Punkten als fremdbestimmt erlebt. Was den realsozialistischen Gesellschaften fehlte, war eine dem historischen Entwicklungsstand entsprechende Teilhabe der Menschen an gesellschaftlichen Lenkungs- und Entscheidungsprozessen.
Gerade weil die sozialistischen Länder zivilisatorische Leistungen erbracht haben, die weltgeschichtlich beispiellos sind, gerade weil ein gegenüber dem Kapitalismus überlegenes Zivilisationsniveau erreicht wurde, musste das verbreitete Gefühl der Gängelung und Bevormundung zu Passivität, Resignation und letztlich zur Kapitulation führen.
Wenn Sozialismus - wie Marx schreibt - alle Verhältnisse umstoßen soll, in denen der Mensch ein erniedrigtes, ein geknechtetes, ein verlassenes und verächtliches Wesen ist, dann muss Sozialismus eine sozialistische Zivilgesellschaft hervorbringen, in der nicht die Partei, sondern die arbeitenden Menschen die reale Macht ausüben, in der die führende Rolle einer Partei nicht verordnet, sondern im politischen Wettstreit um die Hegemonie immer neu errungen werden muss. Nicht in erster Linie in der Fähigkeit etwas mit Macht zu erzwingen, sondern im Konzept demokratischer, emanzipatorischer (d.h. beteiligungsfähiger) Gesellschaftstrukturen muss der Wesensinhalt eines neues Sozialismus liegen.
Ob es für eine solche demokratische Form des Sozialismus jemals eine historische Chance gibt, hängt davon ab, welche historischen Bedingungen ein solches Projekt zur Voraussetzung hat. Aber nicht nur. Es hängt auch von uns ab.
Ob wir die Analyse heutiger Verhältnisse mit der Imperialismusanalyse der vorletzten Jahrhundertwende vornehmen - so richtig sie damals war und so vieles sie uns noch bis heute zu sagen hat - oder ob wir darauf aufbauend unsere Strategie von den heutigen Imperalismusstrukturen ableiten, in der eben kapitalistische Globalisierung oder Neoliberalismus allein mit Leninzitaten nicht hinreichend erklärbar sind. Und ob wir uns damit zufrieden geben, die ehemaligen realsozialistischen Verhältnisse als Blaupause künftiger sozialistischer Gesellschaften zu sehen, oder über sie hinausgehende Vorstellungen entwickeln, weil wir verstehen müssen, dass der vergangene real existierende Sozialismus in seiner damaligen Ausprägung ein Fakt der Vergangenheit ist und keine Option für die Zukunft.
Es lohnt nicht, weissagende Prognosen über ein neues historisches Projekt Sozialismus und seine Ausgestaltung abzugeben.
Nur soviel scheint sicher: Ein Übergang zum Sozialismus wird sich nicht in der Form der Diktatur des Proletariates vollziehen, sondern er wird das Produkt des Kampfes vieler Schichten und Klassen sein. Er wird die Einbeziehung größerer Massen von Menschen zur Voraussetzung haben müssen, als dies in bisheriger Geschichte möglich war.
Und dieses revolutionäre Subjekt entsteht in den heutigen Kämpfen gegen Krieg, für die sozialen Interessen der Arbeitenden, im Kampf um solche Reformen, die die herrschende Kapital-Logik angreifen, dass der Profit Maßstab allen Wirtschaftens sei und nicht die Bedürfnisse der Menschen."

Walter Listl ist u.a. Sprecher der DKP Südbayern


 

1.-4. Februar: Wieder NATO-Kriegstagung in München - Massive Proteste geplant

Auch in diesem Jahr soll in München wieder eine NATO-Kriegstagung stattfinden. Doch es hat sich ein "Aktionsbündnis gegen die NATO-Sicherheitskonferenz" gebildet, dem zahlreiche Organisationen, Gewerkschaften und Parteien angehören, so attac, der Bayerische Flüchtlingsrat, die DKP, die GEW, die Linkspartei PDS, das Münchner Bündnis gegen Krieg und Rassismus, die Gewerkschaft ver.di und die WASG. Gemeinsam rufen sie unter dem Motto "Für Frieden und soziale Gerechtigkeit weltweit - Nein zu Krieg und Militarisierung" zu Protesten auf: "Bei der jährlich stattfindenden sogenannten Sicherheitskonferenz geht es nicht um internationale Sicherheit, sondern um Kriegsvorbereitung. ... Wir wenden uns gegen ein System, das sich ausschließlich am Profit orientiert und das sowohl in Friedens- wie in Kriegszeiten über Leichen geht. ... Militarisierung nach außen und die Zerstörung der Sozialsysteme sind zwei Seiten einer Medaille. ... Wir erklären den NATO-Strategen: Eurer Politik setzen wir weltweit Widerstand entgegen."

zur Sonderseite SIKO 2006


Insbesondere wird gefordert:
"- Stoppt die weltweite Kriegs- und Besatzungspolitik der NATO-Staaten
- Für ein soziales Europa - Keine EU-Militärmacht
- Keine Auslandseinsätze der Bundeswehr - Gegen jegliche deutsche Kriegsunterstützung
- Internationale Solidarität gegen Ausbeutung, Unterdrückung und Rassismus
- Öffnung der Grenzen statt Stacheldraht und Lager - Fluchtursachen bekämpfen
- Abrüstung und Umverteilung von oben nach unten statt sozialer Demontage."

Am 1. und 2. Februar wird eine Alternativkonferenz stattfinden. Am Freitag, den 3. Februar ist um 17 Uhr eine Protestkundgebung am Marienplatz; um 19.30 Uhr findet die Internationale Friedenskonferenz statt. Am Samstag, den 4. Februar beginnt dann um 12 Uhr am Lenbachplatz die Grossdemonstration mit der Schlusskundgebung um 15 Uhr auf dem Marienplatz.

zur Sonderseite SIKO 2006

Der eigentliche Skandal

Auszüge aus der Rede von Claus Schreer auf der Münchner Demonstration gegen einen Naziaufmarsch am 14.1.:

"Was wir heute hier erleben,ist kaum noch zu überbieten. 1000 Polizisten zum Schutz der Nazis, AntifaschistInnen werden eingegittert und von der Polizei in Schach gehalten, damit sich die Nazis ungestört von Protesten frei bewegen und präsentieren können. Eine unerträgliche Zumutung ist das, die offen zur Schau gestellte Komplizenschaft zwischen den Staatsorganen und den Nazis. ... Kreisverwaltungsreferent Blume Beyerle sagte gestern in einem Zeitungsinterview: Das Recht auf Meinungs- und Versammlungsfreiheit gelte auch für Neonazis. Im Grundgesetz (im Artikel 139) steht allerdings etwas ganz anderes, nämlich: dass die 1945 zur Befreiung vom Nationalsozialismus erlassenen Rechtsvorschriften immer noch gültig sind. Und das heißt, dass jede Art der Propaganda, die dazu dient, den Geist des Nationalsozialismus wieder zu beleben oder zu fördern, verboten ist! Es gibt kein Recht auf Nazipropaganda. Wir werden das niemals akzeptieren! ... Der eigentliche Skandal - gerade hier in München - ist dieses Zusammenspiel zwischen den Staatsorganen und dem braunen Sumpf. ... Mit Rechtsstaat und Demokratie hat das rein gar nichts zu tun. Herr Blume Beyerle hat uns für heute den Ratschlag gegeben, wir sollten die Nazis einfach ignorieren und mit Nichtbeachtung strafen. Noch naiver kann man kaum noch sein. Genau das haben vor 1933 Millionen Deutsche getan - und wir alle wissen, wohin diese Haltung geführt hat. ..."

Claus Schreer, seit vielen Jahren in München als Organisator von Widerstand gegen rechte, rassistische und Kriegspoltik bekannt, ist auch Mitglied im Kreisvorstand der DKP München


Samstag, 21. Januar 2006:
Gedenkveranstaltungen zum 87. Jahrestag der Ermordung von Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht


Rede von Walter Listl am 21.01.06 bei der Gedenkveranstaltung aus Anlass der Ermordung Rosa Luxemburgs auf dem Rosa Luxemburg Platz in München

Will man an solch einem Tag R.L. gerecht werden, muss man über Sozialismus reden.

So abwegig und weit her geholt dieses Thema heute scheint - es war der Leitgedanke ihres Lebens, der Gedanke für den sie gelebt hat aber auch gestorben ist, genauer gesagt ermordet wurde.

Von diesem Ziel scheinen wir heute weiter entfernt als in jenen Tagen, als sie im November 1917 in einem ihrer Briefe aus dem Gefängnis an die Frau von Karl Liebknecht schrieb, was so passend ist für die heutige Zeit:

"Ich habe das Gefühl, dass dieser ganze moralische Schlamm, durch den wir waten, dieses große Irrenhaus, in dem wir leben, auf ein mal ins Gegenteil umschlagen kann und - wenn der Krieg noch lange dauert - umschlagen muss ....
Ich glaube fest daran, dass sich schließlich nach dem Kriege alles zum Richtigen wendet, aber wir müssen offenbar erst durch eine Periode der schlimmsten unmenschlichsten Leiden waten..."

Diese Vorahnung kommender Katastrophen teilen wir heute mit ihr, aber vielleicht nicht mehr so sehr die Zuversicht einer dann folgenden Wende zum Besseren. [...]

Komplette Rede von Walter Listl am 21.01.06

 


Aufruf zur Teilnahme an der Demonstration im Rahmen der Liebknecht-Luxemburg-Ehrung am 15. Januar 2006 um 10.00 Uhr vom U-Bhf. Frankfurter Tor zur Gedenkstätte der Sozialisten


Wir dokumentieren den Berliner Aufruf:
"Vor 87 Jahren wurden Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht ermordet. Auch durch revolutionäre Arbeiter und Soldaten in Deutschland war der Weltkrieg gerade beendet worden. "Schlagt ihre Führer tot" - hetzte die Konterrevolution.

Die Revolution unterlag. Die Reaktion sammelte sich. Der Mord an Luxemburg und Liebknecht war ein Schritt hin zum Faschismus. Wir wissen, wie es weiterging.

Heute dominieren Kapitalinteressen wieder ganz Deutschland. Im Normalfall einmal in vier Jahren kann das Volk entscheiden, unter welcher Regierung es den Kapitalinteressen dienen darf. Die Agenda 2010 und Hartz IV stehen für diese Feststellung. Ob es die Leute nun so wollten oder nicht - die Patt-Situation vom 18. September 2005 kennzeichnete schon, dass soziale Interessenvertretung weder von den Einen noch von den Anderen erwartet wird. Protest auf der Straße ist nötiger denn je und die auf der Straße brauchen die parlamentarische Unterstützung der Linken wie das tägliche Brot.


Archivbild: LL-Ehrung Berlin 2005

Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht ehrend, wenden wir uns gegen imperialistische Kriege und gegen US-amerikanische Weltherrschaftspläne. Wir demonstrieren gegen jegliche direkte und indirekte Kriegsbeteiligung Deutschlands, gegen alle aggressiven Bestrebungen der EU und der NATO. Wir demonstrieren gegen den untrennbar mit horrenden Rüstungsausgaben verbundenen rapiden Sozialabbau. Hartz IV muss weg!

Wir wehren uns gegen Demokratieabbau und gegen faschistoide Tendenzen.

Wir demonstrieren gegen Nazis, Rassismus, Antisemitismus und Nationalismus.

Wir werden zeigen, dass wir dem Antifaschismus, der internationalen Solidarität und dem Humanismus auf besondere Weise verpflichtet sind.

Wir - Linke unterschiedlicher Strömungen - werden am 15. Januar 2006 friedlich unsere Standpunkte und Forderungen bekunden.

Wir rufen zu einem breiten Bündnis auf.

Berlin, 20.09.2005"


5. Jahrestag des Nazi-Überfalls an der Zenettistr. -
Kein Neonazi-Marsch durch München am 14. Januar 2006!


Immer häufiger versuchen Neo-Nazis, öffentlich unter einem scheinbar harmlosen Motto faschistische Gedenktage und die Jahrestage ihrer brutalen Überfälle zu feiern. So sieht es auch am 14. Januar 2006 in München aus: Angeblich wollen die Neonazis aus dem Umfeld der Autonomen Nationalisten/AN gegen Polizeirepression demonstrieren - in Wirklichkeit werden sie den 5. Jahrestag des Anschlags auf den Griechen Artemios T. in der Zenettistr., bei dem dieser von Neonazis der Gruppe um Martin Wiese verprügelt und schwer verletzt wurde, auf ihre Weise begehen.

Wir werden nicht zulassen, dass die Nazis in München ihre grausamen Taten auch noch öffentlich feiern. Deshalb rufen wir alle Münchnerinnen und Münchner auf, sich diesem Treiben entgegenzustellen und deutlich zu machen, dass in dieser Stadt kein Platz für nazistische Aktivitäten ist.

Es gibt kein Recht auf Nazipropaganda!
Wir überlassen unsere Stadt nicht den Nazis! Wir sind präsent!
Faschismus ist keine Meinung, sondern ein Verbrechen!
Kundgebung am 14. Januar 2006
um 14.00 Uhr am Sendlinger-Tor-Platz


Unterzeichner: Angela und Ernst Antoni * Arbeitsgemeinschaft für ArbeitnehmerInnenfragen (AfA) München Süd * Siegfried Benker, Stadtrat, Fraktionsvors. Bündnis 90/Die Grünen - Rosa Liste * Hans und Maxi Besold * Christian Blume, SPD * Falko Blumental, SDAJ * Christiaan Boissevain, RSB/ 4. Internationale * Axel Bornemann, BA 11/SPD Olympiadorf * Simone Burger, stv. Juso-Bundesvors. * Günther Dichtl, Referatspersonalrat LHS München * Ernst Dill, SPD-Fraktion BA Sendling * Andrea Dumberger, MLPD München * Udo Filthaut, Münchner Gewerkschaftslinke * Yasar Oemer Fincan, Stadtrat SPD * Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) Stadtverband München * Nikolaus Gradl, Stadtrat SPD * Joachim-Peter Graf, Geschäftsführer GEW München * Ernst Grube, Präsidiumsmitglied der Lagergemeinschaft Dachau * Marlene Hafner, Naturfreunde, Deutschlands OG Wintersport * W. Hanseder, SPD OV Harlaching * Martin Heigl, Vors. Jusos München * Peter Hillesheim, SPD, Vors. Bewohnerrat Siedlung an der Nordheide e.V. * Marina Karbowski, Jusos München/Commit to Partnership e.V. * Nikolaus Kollien, SPD-OV Sendling-Westpark * Landesvorstand Links! WASGeht Bayern * Walter Listl, DKP * Martin Löwenberg, Landesvorstand Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes/Bund der Antifaschisten * Elisabeth Mahabat Bahar, stv. Vors. SPD Unterhaching * Max Mannheimer, Vorsitzender der Lagergemeinschaft Dachau * Barbara Marc, SPD Neuhausen-Nymphenburg * Dr. Bettina Marquis * Brigitte Meier, Stadträtin SPD * Friedbert Mühldorfer, Sprecher VVN/BdA Bayern * Christian Neureiter, AfA München Süd * Doris Niemann, BA 9/SPD * Tom Nikolai * Corinna Poll, stv. Landesvors. Freidenkerverband Bayern * Harald Pürzel, Vorsitzender ver.di Bezirk München * Jolanda Putz, P.Rif.Com. - ANPI (Ass. naz. Partigiani Italiani) * Florian Ritter, MdL SPD * Adelheid Rupp, MdL SPD * Michael Sack * Dr. Manuela Sauer, Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen (AsF) München * Eberhard Schinck, Landesvorsitzender Freidenker Bayern * Kathrin Schmitt, FDJ * Claus Schreer, Bündnis gegen Krieg und Rassismus * Wolfgang Schulz, SPD-OV-Vors. * Dr. Heiko Tammena. SPD-UB-Vorstand München * Hans Taschner, ehem. Dachau-Häftling * Claudia Tausend, Stadträtin SPD * Jan Tepperies, Sprecher Linkspartei.PDS München * ver.di Bezirk München * ver.di AK Aktiv gegen Rechts * Günther Wangerin, ver.di AK gegen Rechts * Walter Wehner, SPD, Tabakwaren Bahnhof Pasing * Brigitte Wolf, Stadträtin Linkspartei.PDS

 



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