Schwierige Suche nach Kompromissen
Kreismitgliederversammlung der DKP München debattiert
Parteiprogramm
54 Mitglieder der DKP München und vier Gäste
aus Augsburg trafen sich am 17. Dezember im EineWeltHaus,
um im Rahmen einer Kreismitgliederversammlung Anträge
Münchner Gruppen zum neuen Parteiprogramm der DKP zu
beraten, das im April verabschiedet werden und den Kommunisten
nach Jahren der Diskussion eine neue programmatische Grundlage
geben soll - das bisherige Programm stammt aus dem Jahr
1978. 13 teils sehr umfangreiche Anträge hatten die
Münchner Gruppen erarbeitet und standen zur Diskussion.
Auf Vorschlag des Kreisvorstandes einigte man sich zu Beginn
(bei nur zwei Gegenstimmen und zwei Enthaltungen) darauf,
die Anträge zwar zu debattieren, aber nicht abzustimmen.
Da die Gruppen direkt an den Parteitag antragsberechtigt
sind, liegen ihre Anträge sowieso vor und eine Abstimmung
auf Kreisebene sei daher zwar möglich, aber nicht nötig.
Man wolle die inhaltliche Diskussion nicht durch Kampfabstimmungen
in München belasten. Ernste Meinungsunterschiede wurden
in der dann folgenden etwa fünfstündigen Diskussion
auch sehr schnell deutlich. Zunächst ging es im Themenkomplex
"Imperialismus" um einen ausführlichen Antrag
der Betriebsgruppe Siemens "Die ökologische Katastrophe"
(A 1). Der Antrag versucht, das Um- und Neudenken in der
DKP seit der Atomkatastrophe von Tschernobyl 1986 in die
Programmatik einzuarbeiten: Die ökologische Katastrophe
wird beschrieben, als Ursache "die ungezügelte
Entwicklung der menschlichen Zivilisation unter dem Diktat
des neoliberalen Kapitalismus" herausgearbeitet, die
Atomtechnologie wird als "nicht beherrscht" eingestuft,
der "schnelle Profit mit genmanipulierten Lebensmitteln
und menschlichen Ersatzteillagern" kritisiert und geschlussfolgert:
"Ökologische Katastrophen in Kombination mit neoliberaler
Politik führen zu einer Zivilisationskrise der gesamten
Menschheit", so dass die Kommunisten aufgefordert seien,
sich im Widerstand "gegen Zerstörung ökologischer
Systeme, Beherrschung der Energievorräte durch die
Monopole, Verschwendung von Ressourcen, Klimakatastrophe
und Risikotechnologien wie Atom- und Gentechnik" zu
engagieren. Wer erwartet hatte, dies sei in der DKP Konsens,
sah sich getäuscht. Ein Redner wandte sich explizit
dagegen, dass ein solcher Abschnitt ins Parteiprogramm aufgenommen
werde, der die Atomkraft verteufle ("Wir reklamieren
Einstein für uns, sind aber Gegner der Atomenergie?
Wie soll das gehen?") Man dürfe auch nicht jede
Genforschung ablehnen, Gentechnologie könne für
die Landwirtschaft in der 3. Welt nützlich sein. "Wir
dürfen uns nicht jeder Bewegung anschließen,
auch wenn sie rückwärts gewandt ist." Andere
Diskussionsteilnehmer äußerten sich daraufhin
"entsetzt". Nach Tschernobyl habe die DKP mühsam
lernen müssen, dass es Dinge gibt, die der Mensch tun
kann, aber er könne sich auch dafür entscheiden
könne, sie nicht zu tun - egal in welcher Gesellschaftsordnung.
Produktivkraftentwicklung sei doch kein Wert an sich; ein
Kernproblem des Sozialismus sei gewesen, dass er es nicht
geschafft habe, eine eigene, umweltverträgliche Produktivkraftentwicklung
anzustoßen, sondern die kapitalistische einfach übernommen
habe.
Anschließend wurde über einen Antrag des Betriebsaktivs
diskutiert, den Absatz "Transnationales Kontrollregime"
in dem Programmteil "Imperialismus heute" ganz
zu streichen. Es ging da um eine Aussage wie "Für
die transnationale Monopolbourgeoisie wird es zu einem objektiven
Erfordernis, ein transnationales Kontrollregime zu schaffen,
das in der Lage ist, ihre politische Macht auf regionaler
und tendenziell auf globaler ebene zu konsolidieren. Für
sie ist der Aufbau einer Gewaltmaschinerie zur Sicherung
ihrer Herrschaft, zur Bändigung der ungeheuren Krisenpotentiale
der kapitalistischen Weltwirtschaft und zur Regulierung
zwischenimperialistischer Widersprüche unverzichtbar."
Eine Richtung in der DKP, die in diesem Antrag auf Streichung
zum Ausdruck kam, glaubt an keine Regulierung zwischenimperialistischer
Widersprüche, sondern beruft sich auf Lenin in der
Betonung dieser Widersprüche, die sich bis hin zu möglichen
zukünftigen Kriegen zwischen den imperialistischen
Hauptländern zuspitzen könnten. Die andere Richtung
in der DKP hält ein solches Szenario angesichts von
Globalisierung, Verflechtung und gegenseitiger Durchdringung
für extrem unwahrscheinlich und sieht die heutige Welt
eher durch mehr oder weniger gemeinsame imperialistische
Kriege gegen alle, die sich den Interessen der transnationalen
Konzerne nicht bedingungslos unterwerfen wollen, geprägt.
Diese Fragestellung hat sich als ein Grundkonflikt der DKP-Programmdiskussion
in den letzten Jahren herausgeprägt. So wurde in der
Diskussion gefragt, ob denn dieses transnationale Kontrollregime
überhaupt existiere oder ob dies ein "Vorschlag"
(der Siemens-Betriebsgruppe an den Imperialismus) sei. In
der Antwort wurde, teils genervt, gefragt ob man noch nie
von Weltbank oder WTO oder der Ministerpräsidententagung
der EU gehört habe und noch nie ein isw-Heft gelesen
habe.
Diese Konfrontation prägte auch die folgende Diskussion
über den Antrag A 3 (Betriebsgruppe Siemens), die Abschnitte
über den Imperialismus aus dem Entwurf im Wesentlichen
unverändert zu belassen, denn: "Angesichts der
Debatte und der Meinungsverschiedenheiten in der Partei
zu dieser Frage halten wir es ... für notwendig - und
politisch akzeptabel - Kompromisse in der vorliegenden Form
zu suchen, um die Einheit der Partei nicht zu gefährden."
Von Seiten des Betriebsaktivs wurde zugestimmt, dass die
Imperialismuspassagen im Programmentwurf Kompromisscharakter
zwischen den verschiedenen Richtungen tragen, aber der Abschnitt
über den deutschen Imperialismus sei zu verwässert
und deshalb wurde ein Antrag begründet, den Abschnitt
durch einen ausführlichen neuen Text des Betriebsaktivs
vollständig zu ersetzen (Antrag A 5). "Seit der
Einverleibung der DDR ist der deutsche Imperialismus bemüht,
die Fesseln, die die Niederlage im zweiten Weltkrieg und
v.a. das Potsdamer Abkommen der Anti-Hitler-Koalition ihm
auferlegten, abzustreifen und seine alten Großmachtbestrebungen
zu realisieren." Der Versuch, hier einen Text ganz
auf der Linie einer Richtung (Betonung des Kampfes gegen
den "deutschen" Imperialismus) in der Partei durchzusetzen,
wurde in der Diskussion als "Kurs auf Spaltung"
bezeichnet: "Wenn ihr ein Interesse habt, dass die
Einheit der Partei erhalten bleibt, dann zieht diesen Antrag
zurück." Die Emotionen gingen hoch und manche
Nerven lagen blank.
Nach der Mittagspause ging es wie verabredet um den Themenkomplex
"Sozialismus", was erwartungsgemäß
kein Ende des Meinungsstreits bedeutete. Es lagen ausführliche
Anträge der Betriebsgruppe Siemens vor, so "das
sozialistische Ziel" (A 7) und "Die Erfahrungen
des realen Sozialismus" (A 10). Die Anträge versuchen,
wesentliche Ergebnisse aus 15 Jahren Diskussion über
Ursachen des Zusammenbruchs des Sozialismus in Europa in
die DKP-Programmatik einzubringen. Es geht darum, dass der
zukünftige Sozialismus nur als gemeinsames Projekt
ganz verschiedener Kräfte denkbar sei, als Ergebnis
der Erringung der "Hegemonie" ( im Sinne Gramscis)
vor und nach der Revolution. Die weltweite Erfahrung beim
Aufbau des Sozialismus habe klar gemacht, "dass die
sozialistische Macht demokratisch sein muss. In ihrem partizipativen
demokratischen Charakter und nicht in der puren Fähigkeit
etwas zu erzwingen liegt für die revolutionäre
Macht die Garantie, auch angesichts einer sich restaurierenden
Konterrevolution zu überleben." Es gehe nach der
Revolution um den Aufbau einer sozialistischen Zivilgesellschaft.
Eine Avantgarderolle könne nur immer wieder neu erarbeitet,
aber nicht verordnet werden. Im Kapitalismus erkämpfte
demokratische Rechte müssten im Sozialismus weiterentwickelt,
aber niemals eingeschränkt werden. Tiefste Ursache
für die Niederlage des Sozialismus seien "Fehlentwicklungen,
die sich unter der Führung Stalins herausgebildet hatten."
Der 20. Parteitag habe zwar mit dem Personenkult, den Verbrechen
und dem Terror gebrochen, aber nicht mit den Strukturen
und Verhaltensweisen, die zu diesen Deformationen des Sozialismus
geführt hatten. Nur so sei es schließlich auch
möglich geworden, dass zum Schluss revisionistische
Kräfte (Stichwort Gorbatschow) fast ohne Widerstand
von oben die Sowjetunion und die anderen sozialistischen
Länder Europas zerstören konnten.
Solche programmatischen Ansätze stießen in der
Diskussion sowohl auf überzeugte Zustimmung als auch
auf grundsätzliche Ablehnung. Eingewandt wurde u.a.,
eigentliche Ursache für die Niederlage sei die "Abkehr
von marxistisch-leninistischen Prinzipien" (so im Verhältnis
von Markt und Plan), die "innere und äußere
Konterrevolution", "nicht aber stalinistische
Strukturen". Die Sowjetunion habe sich 1945 auf dem
Höhepunkt ihres Ansehens befunden. Unschuldige seien
leider bei jeder Revolution gestorben. Die Moskauer Prozesse
seien durch den Machtantritt des Faschismus in Deutschland
verständlich, als Kriegsvorbereitung.
Deutlich wurde auch, dass ein Teil sich positiv auf den
"Marxismus-Leninismus" bezieht, den der Siemens
Antrag A 10 demgegenüber als von Stalin durchgesetztes
dogmatisches Theorieverständnis definiert, "das
zur Erstarrung der Theorie im Verhältnis zur sich ständig
verändernden Realität führte" und somit
zu den stalinistischen Deformationen des Sozialismus gehört,
die schließlich zu seiner (vorläufigen) Niederlage
führten.
Eine heftige Diskussion entwickelte sich auch über
die Aussage (Antrag A 7), dass "ein Durchbruch zum
Sozialismus mit großer Wahrscheinlichkeit nur im Zusammenwirken
mit gleichgerichteten Kämpfen in unseren Nachbarländern
und anderen Teilen der Welt möglich" sein wird.
Also eine Absage an die Vorstellung, der zukünftige
Sozialismus werde isoliert in einem Land wie Deutschland
aufgebaut werden können (im Kampf gegen den "deutschen
Imperialismus"). Auch hier lassen sich die Differenzen
auf die grundsätzliche Frage zurückführen,
inwieweit die Globalisierung die Welt im Vergleich zu 1914
grundsätzlich verändert hat.
Keine harmonische Veranstaltung! In Programmdiskussionen
geht es "ums Eingemachte"; Meinungsunterschiede
in der DKP haben sich in grundlegenden programmatischen
Fragen gefährlich verfestigt. Ein gemeinsames Parteiprogramm
wird nur bei größtmöglicher gegenseitiger
Kompromissbereitschaft möglich sein. Dies wäre
wünschenswert, denn eine Partei, in der immerhin die
grundsätzliche Gegnerschaft zum kapitalistischen System,
die weltanschauliche Grundlage des Marxismus und das Ziel
einer sozialistischen und kommunistischen Gesellschaft unumstritten
ist, gibt es sonst in Deutschland nicht und wird gebraucht!
Jürgen Köster
Programmatische Debatte
der DKP:
Anträge der Gruppen der DKP München an den
Parteitag
DKP München diskutiert ihren Programmentwurf
Nach Jahren innerparteilicher Diskussion will die DKP im
April nächsten Jahres ein neues Parteiprogramm verabschieden,
das das Mannheimer Programm von 1978 ablösen soll.
Neoliberalismus, Globalisierung, Zusammenbruch der früher
von der DKP als vorbildhaft betrachteten sozialistischen
Länder Europas - vieles musste und muss weiterhin aufgearbeitet
werden, damit die Kommunisten wieder ein Programm auf der
Höhe der Zeit haben. Meinungsverschiedenheiten sind
dabei unvermeidlich, entsprechend schwierig hat sich die
innerparteiliche Diskussion gestaltet. Die Münchner
DKP diskutiert den vorgelegten Entwurf und Änderungsanträge
der Münchner Parteigruppen auf ihrer Kreismitgliederversammlung
am Samstag, den 17.12., ab 10 Uhr im EineWeltHaus. Alle
Mitglieder sind im November-Rundbrief herzlich eingeladen
worden.
Die eingegangenen Änderungsanträge werden von
der hierzu gebildeten Antragskommission in einen Entwurf
eingearbeitet, den dann der Parteivorstand als aktualisierten
Text dem Parteitag vorlegen wird. Die Münchner Gruppen
sind direkt antragsberechtigt; ihre Anträge müssen
also nicht unbedingt auf der Kreismitgliederversammlung
abgestimmt, beschlossen oder verworfen werden. Der Kreisvorstand
wird deshalb der KMV vorschlagen, im Interesse der Vertiefung
der Diskussion statt unnötiger Kampfabstimmungen die
Anträge aus München zu diskutieren, aber nicht
abzustimmen. Ähnlich ist in Baden-Württemberg
verfahren worden; Ergebnis war eine sehr gute und solidarische
Diskussion. Auf ein einführendes Referat wollen wir
verzichten und stattdessen sofort über den Text und
die Anträge diskutieren. Kommunistische Programmdiskussion
live als Beitrag zur aktuellen Neuformierung der linken
Szene - kommt alle!
JüKö (für den Kreisvorstand)
Bundesregierung versucht Rundreise irakischer Gewerkschafter
zu verhindern
Wenn vom Widerstand im Irak die Rede ist, denken die meisten
von den herrschenden Medien "informierten" Menschen
an bärtige Terroristen mit Turbanen, Selbstmordattentäter
und Anschläge. Nun soll eine Rundreise irakischer Gewerkschafter,
die auf Veranstaltungen in Deutschland über ihren demokratischen
Kampf gegen die Privatisierung der nationalen Reichtümer
und gegen die Besatzung berichten, dieses verzerrte Bild
klären. Zum Beispiel in München am 11.11., wo
Organisationen wie ver.di, die Gewerkschaftslinke, DKP,
Linkspartei.PDS und DKP gemeinsam ins EineWeltHaus einladen
(siehe Termine).
Das scheint die Bundesregierung, egal ob vor oder nach dem
Frisurenwechsel im Bundeskanzleramt, nicht auszuhalten.
Die deutsche Botschaft in Bagdad hat den beiden Gewerkschaftern
unter haarsträubenden Vorwänden - so sei die Deckungssumme
für die Krankenversicherung nicht hoch genug - die
Visumsvergabe bisher verweigert. Ein Skandal, wie hier die
Bundesregierung versucht, gewerkschaftliche und politische
Information aus einem völkerrechtswidrig besetzten
Land zu verhindern! Ob es dabei bleibt und ob die Veranstaltung
oder eine Ersatzveranstaltung stattfinden kann, war bei
Redaktionsschluss noch nicht bekannt. JüKö
Martin Löwenberg mit der Hans-Böckler-Medaille
ausgezeichnet
In "Anerkennung für langjährige gewerkschaftliche
Tätigkeit im Interesse der Arbeitnehmer" wurde
unser lieber Freund und Genosse Martin Löwenberg, mit
der höchsten gewerkschaftlichen Auszeichnung des DGB
geehrt: Am 12. Oktober wurde Martin die Hans-Böckler-Medaille
im Rahmen einer feierlichen Veranstaltung im DGB-Haus überreicht.
Der DGB begründete die Ehrung damit, dass Martin, der
KZ-Überlebende, Gewerkschafter und Antifaschist, eine
"historische Persönlichkeit ist, die Antifaschismus
und den Kampf um soziale Rechte" stets verknüpft
hat.
In einem Interview in der jungen Welt stellte Martin fest,
dass wir weiter den je von der Verwirklichung des Schwurs
der Überlebenden von Buchenwald entfernt seien, sah
aber dennoch positive Entwicklungen: "Das Bewusstsein
dafür, dass auch wirtschaftliche Verhältnisse
sich grundlegend ändern müssen, ist gewachsen.
Oder wie wir damals formuliert haben: Die Demokratisierung
der Wirtschaft ist die Voraussetzung für eine demokratische
Gesellschaft. Das bewegt mich, heute noch aktiv zu sein.
Und ich freue mich, dass besonders junge Menschen dieses
Thema aufgreifen und sagen: Der Kapitalismus kann nicht
das Ende der Geschichte sein."
Die DKP Kreis München gratuliert Martin herzlich zur
Ehrung und wünscht ihm Kraft und Gesundheit für
unseren gemeinsamen Kampf für eine Welt ohne Faschismus
und Krieg.
Streik bei Infineon in München Neuperlach - Jetzt
aktive Solidarität üben -
Kommt morgens an die Werkstore und unterstützt die
Streikposten
Die Lage im Perlacher Chipwerk ist auch am dritten Streiktag
unverändert. Die Produktion steht.
Infineon bewirkte zwar inzwischen eine einstweilige Verfügung,
laut der die Streikenden den Zugang auf das Betriebsgelände
für arbeitswillige Infineon-Mitarbeiter Streikbrecher
sicherstellen müssen, das aber war ohnehin schon
von Anfang an die gängige Praxis. Während die
Streikposten besonnen, aber sehr bestimmt an den Eingängen
zum Firmengelände in Perlach mit jedem einzelnen, der
das Firmengelände betreten will diskutieren - und versuchen
Infineon Kollegen davon zu überzeugen, dass der Streik
sinnvoll ist und kein Infineon-Mitarbeiter diesen brechen
sollte, scheint die Firmenleitung bereits das rechte Maß
zu verlieren. Am gestrigen Dienstag, dem zweiten Tag des
unbefristeten Streiks, hatte der Fertigungsleiter Jochen
Hanebeck die zahlreich anwesenden Polizisten im Befehlston
angewiesen, den Weg für 15 Ingenieure freizumachen,
was diese dann auch taten. Die Folgen: die besagten Ingenieure,
die sich naturgemäß mit den praktischen Aspekten
der Produktion im Werk wenig auskennen, haben beim Versuch,
die stehende Fertigung anzufahren, durch einen Bedienungsfehler
einen Schaden von rund 200.000 Euro verursacht.
Eine große Herausforderung für die Streikposten
entsteht jeden Morgen zwischen 7:30 und 9:00 Uhr, wenn an
den zehn Werkstoren unter Tausenden von Siemensbeschäftigten,
die die Werkstore passieren, die Infineon-Mitarbeiter gebeten
werden, sich dem Streik anzuschließen oder zumindest
das für den Zutritt von Infineonmitarbeitern vorgesehen
Werkstor zu benutzen.
Da brauchen die Kolleginnen und Kollegen von Infineon Unterstützung.
Täglich kommen Metallerinnen und Metaller von BMW,
MAN, MTU, Siemens und vielen anderen Münchner Betrieben,
sogar aus Erlangen, Nürnberg, Fürth, Ingolstadt,
Landshut, ... mit Bussen, um den Streikenden an die Seite
zu treten. Mitglieder von ver.di, der GEW und anderen Gewerkschaften
beteiligen sich ebenfalls.
Also: ab morgen den Wecker stellen. Die Infineon Belegschaft
erwartet Euch (falls Ihr nicht schon sowieso seit Montag
dabei seid) !!
Solidaritätserklärung der DKP München: 25. Oktober 2005
Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen,
wir, die Mitglieder der Deutschen Kommunistischen Partei
in München, wünschen Euch viel Erfolg in Eurem
Kampf zur Verteidigung Eurer Arbeitsplätze und damit
Eurer materiellen Existenzgrundlage.
Wenn es eines Beispieles bedarf, was kapitalistische Profitwirtschaft
bedeutet, dann wird es von Infineon geliefert. Infineon
will das Werk in Perlach schließen. Nicht weil der
Konzern am Rande des Ruins steht, nicht weil Eure Arbeit
unrentabel oder unproduktiv ist, sondern weil die Verlagerung
der Produktion einen noch höheren Gewinn verspricht.
In diesem Rennen um den global höchsten Profit spielen
Konzerne wie Infineon die Standorte und Belegschaften gegeneinander
aus. Alles was sich die Arbeiter und Angestellten in Jahrzehnten
erkämpft haben, droht im Irrsinn eines grenzenlosen,
weltzerstörerischen Konkurrenzkampfes unterzugehen.
Die Standortkonkurrenz ist eine Spirale ohne Ende.
Es wird Zeit, wieder an das Grundgesetz der Bundesrepublik
Deutschland zu erinnern: "Eigentum verpflichtet. Sein
Gebrauch soll zugleich dem Wohle der Allgemeinheit dienen.
(..) Eine Enteignung ist nur zum Wohle der Allgemeinheit
zulässig. (..) Grund und Boden, Naturschätze und
Produktionsmittel können zum Zwecke der Vergesellschaftung
.. in Gemeineigentum oder in andere Formen der Gemeinwirtschaft
überführt werden." (Artikel 14 und 15)
Euer Kampf um Eure Arbeitsplätze und einen Sozialtarifvertrag
ist ein Beispiel, das weit über München hinaus
von Bedeutung ist. Ihr zeigt wie heute gegen die Vernichtung
von Arbeitsplätzen und für die Verteidigung der
materiellen Rechte der Belegschaften gekämpft werden
muss. Und Ihr weist mit Eurem Kampf gegen die Macht der
Konzernleitung auch schon in eine Zukunft, in der die Menschenwürde
der Arbeitnehmer nicht mehr der Profitlogik des Kapitals
unterworfen wird.
Wir wünschen Euch viel Erfolg
Mit solidarischen Grüßen
Leo Mayer
Sprecher der DKP München
Tolles Fest der Solidarität
Ein linkes Sommerfest auf dem Rotkreuzplatz Ende September,
eine Woche nach der Bundestagswahl, das muß doch ins
Wasser fallen? Im Gegenteil - herrlichstes Spätsommerwetter,
beste Stimmung den ganzen Tag, sehr großer Zuspruch
der Neuhauser Bevölkerung; dazu eine hervorragende,
eingespielte Organisation. Entsprechend begeistert war der
langjährige Organisator Claus Schreer in einer ersten
Auswertung des Festes im Kreisvorstand der DKP München
am darauffolgenden Montag. Sowohl Auf- als auch Abbau klappten
hervorragend. Höhepunkte waren sicherlich die Auftritte
von Pedro Soriano mit Musik aus Lateinamerika, die Lieder
von "Quergesang" und die abschließenden
Rockoldies mit "Flashback". Der Linke Infomarkt,
der Bücherbazar und der Flohmarkt stießen auf
großes Interesse, am Nachmittag kamen immer mehr Leute,
um nach einer Radtour oder den samstäglichen Besorgungen
einfach mal über den Platz zu schlendern und sich zu
informieren, was die Linken so anzubieten haben. Das Fest
der Solidarität 2005 war sicherlich eines der bestbesuchten
und schönsten in der langjährigen Geschichte dieser
öffentlichkeitswirksamen linken Aktion, die traditionell
vor allem von der DKP organisiert und gemeinsam mit anderen
Linken und linken Organisationen jedes Jahr durchgeführt
wird. Einen herzlichen Dank allen Genossinnen und Genossen,
allen Helferinnen und Helfern, die diesen Erfolg möglich
machten!
Erfolgreicher Jugendaustausch
Neun cubanische Jugendliche und fünf Begleiter aus Hamburg
besuchten Ende September eine Woche München und Umgebung
Wie immer war der Ausflug auf die Zugspitze, diesmal gleich
zu Beginn, ein absolutes Highlight. Endlos Schnee, strahlender
Sonnenschein über einer dichten Wolkendecke im Tal.
Fast genauso begeistert waren die Jugendlichen vom Besuch
in den Produktionshallen von BMW mit ihren riesigen Roboter-
und Montierstraßen, wobei sie sich immer wieder fragten,
warum in diesem Land so viele Menschen für Dinge arbeiten,
die sie sich niemals leisten können. Weniger mit Begeisterung
als Betroffenheit, aber mit höchstem Interesse, nahmen
sie die Führung durch die KZ-Gedenkstätte in Dachau
auf. Daneben besuchten wir zwei Bauernhöfe, machten
einen Stadtrundgang durch München, lernten einiges
im Museum Mensch und Natur, besuchten das Oktoberfest und
nicht zu vergessen unsere Fiesta mit Juan und Ricardo, die
wir mit Unterstutzung der Gewerkschaftsjugend organisieren
konnten und auf der die cubanischen Jugendlichen mit Gesang
und Tanz begeisterten.
Und da wir im nächsten Jahr ins 10. Jahr des Jugendaustausches
mit Bayamo gehen noch folgender Hinweis: Jugendliche die
Interesse haben, 2006 für ca. 4 Wochen Gäste des
Kulturhauses in Bayamo und der dortigen Jugendlichen zu
sein, sollen sich bei mir melden. Sie sollten zwischen 18
und 22 Jahre alt sein, möglichst in oder um Hamburg
oder München wohnen und voraussichtlich im Juli Ferien
oder Urlaub haben. Sobald die genauen Daten feststehen,
verschicke ich einen Flyer.
Wolfgang Smuda
Wo.Smuda@t-online.de
Es stand in der UZ - wo sonst? Es hat sich gelohnt!
Unter dieser Überschrift dokumentiert die UZ vom 30.9.
Auszüge des Referates von Rolf Priemer auf der DKP-Parteivorstandstagung
vom 24./25.9., die u.a. die Bundestagswahl auswertete. "Wir
haben neue Kontakte und solidarische Beziehungen zu anderen
Linken hergestellt. Die DKP und die auf den offenen Listen
der Linkspartei kandidierenden Genossinnen und Genossen
haben bundesweit Beachtung und unter Bündnispartnern
Anerkennung und Respekt gefunden. Die Linken sind in Deutschland
stärker geworden. Auch die DKP und ihre Zeitung UZ.
Unser Engagement hat sich also gelohnt. ... Und wie u.a.
die bundesweite Beachtung, die unsere Mitarbeit in der Linkspartei
und ihre Kandidaten fanden, zeigte, ist das Argument widerlegt,
dass nur durch eine eigenständige Kandidatur die DKP
Beachtung und Wahrnehmung in den Massenmedien finden sowie
nur dadurch eine Profilierung von Kommunistinnen und Kommunisten
erfolgen könne ..."
Die UZ (Unsere Zeit) ist die Wochenzeitung der DKP. Sie
kostet jährlich 98,50 Euro, ermäßigt 65
Euro. Pro-Abo-Service, Postfach 1407, 48237 Dülmen,
Tel.: 0201-2486482. www.unsere-zeit.de
Neue DKP Materialien
Einigers ist im Wahlkampf erschienen, so der "linksblick",
die Stadtzeitung der DKP München Nr 79 mit dem Schwerpunkt
"Linkspartei wählen! Was sonst?" Auch die
gemeinsam mit der Gruppen KAZ herausgebrachte Betriebszeitung
"Auf Draht" erschien am 13. September mit den
Aufmachern "Infineon Perlach - Wir sind streikbereit"
und einer Auseinandersetzung mit der CDU/CSU-Programmatik
"Ein Programm gegen uns".
Unser Genosse
Hermann Gruber
hat uns fast 77-jährig verlassen, lebenslang
unserer Partei treu verbunden und immer mit seinem
eigenen Kampfbeitrag - Stichworte Frieden und Kultur.
Viele Jahre wirkte er mit im Münchner Friedensbündnis
und in der von ihm gegründeten FI Neuperlach,
die auf seine Initiative mit anderen zusammen eine
in mehreren Schulen gezeigte 24-Tafel-Ausstellung
Miteinander Leben erstellte. Aus dem Kabarett Münchner
Sati(e)rschutzverein ist Hermanns jahrelange Mitarbeit
als Darsteller und Textautor nicht wegzudenken. Die
Kulturzeitung Agitprop gab er einige Jahre heraus.
In den letzten 15 Jahren wirkte er mit beim Kulturforum
Neuperlach und im Trägerverein PEPPER des Kulturhauses
Ramersdorf-Neuperlach. Jahrelang organisierte Hermann
die Stadtteilfeste für Ausländer und Deutsche
mit. Seine bescheidene, aber beharrliche Art der Mitwirkung
so viele Jahre lang bleibt in unserer Erinnerung.
DKP Kreis München
DKP Gruppe München Ost-Neuperlach
Rundbrief-Interview - September 2005 zur Bundestagswahl
Claus Schreer Direktkandidat
im Wahlkreis München West-Mitte
Rundbrief (Rb): Hallo Claus. Du bist ja nun Direktkandidat
der Linkspartei für den Münchner Westen. Warum
hast du dich dazu breitschlagen lassen? Claus: Es wäre doch eine
mittlere Katastrophe, wenn es nur die Wahl zwischen miserabel
und hundsmiserabel gäbe. Alle anderen Parteien sind
schließlich voll auf neoliberaler Linie, nach dem
Motto: Die Reichen sollen noch reicher werden und alle anderen
sollen den Gürtel enger schnallen. Außerdem halte
ich so einen Wahlkampf für eine gute Gelegenheit, wenigstens
ein paar der dicksten Lügen zu entlarven.
Rb: An was denkst du da zum Beispiel? Claus: Vor allem an die dümmliche
Behauptung: "Es ist kein Geld da. Wir haben über
unsere Verhältnisse gelebt!". Tatsache ist, dass
das deutsche Bruttoinlandsprodukt Jahr für Jahr steigt.
Seit 1991 um 45 Prozent! Arbeitsproduktivität und Exportüberschüsse
waren noch nie so hoch wie heute. Aber die abhängig
Beschäftigten haben kaum was davon. Gleichzeitig wächst
von Jahr zu Jahr die Zahl der Arbeitslosen, die jetzt mit
ALG-II auskommen müssen.
Rb: Und wo ist das Geld geblieben,
wenn die Löhne stagnieren, Renten und Lohnersatzleistungen
z.T. drastisch zusammengestrichen worden sind?
Claus: Es wäre falsch zu sagen: Bei den Unternehmen!
Denn jährlich 40.000 Pleiten mittelständischer
Betriebe zeugen von Auftragsrückgang und Kostendruck.
Aber die Fettschicht der Unternehmen, die transnationalen
Konzerne und ihre Großaktionäre schwimmen im
Geld. Allein die Senkung der Gewinnsteuern hat dem Staat
in den letzten vier Jahren über 100 Milliarden Euro
Verluste gebracht. Das ist der Grund für die enorme
Staatsverschuldung und für den Rückgang der kommunalen
Investitionen um fast ein Drittel. Das kostet Arbeitsplätze
- nicht der Kündigungsschutz!
Rb: Und was ist das Gegenkonzept
der Linkspartei?
Claus: Zu allererst: Die Konzerne, die heute kaum noch zur
Kasse gebeten werden, müssen wieder wirkungsvoll besteuert
werden. Ebenso müssen die Steuersenkungen und die Streichung
der Vermögensteuer für die 756.000 Euromillionäre
rückgängig gemacht werden. Das hat nämlich
dazu geführt, dass dieses knappe ein Prozent der Bevölkerung
nahezu zwei Drittel des gesamten Geldvermögens besitzt.
Das sind 2.500 Milliarden Euro - eine schier unvorstellbare
Summe. Wenn diese Herrschaften nur die Hälfte ihres
jährlichen Geldzuwachses, also z.B. aus Zinsen und
Dividenden, abführen müssten, dann hätten
die öffentlichen Haushalte mehr als 50 Milliarden zusätzlich
zur Verfügung. Zum zweiten muss die Wochenarbeitszeit,
die im Augenblick erpresserisch ohne Vergütung überall
verlängert wird, radikal auf 30 Stunden verkürzt
werden. Nur so kommen mehr Menschen in Arbeit und Lohn.
Gleichzeitig muss ein gesetzlicher Mindestlohn wie in anderen
Ländern garantieren, dass jeder von einem Vollzeitarbeitsverhältnis
auch menschenwürdig leben kann. Ein gesetzlicher Mindestlohn,
der nicht unterschritten werden darf und der für alle
gilt, die hier arbeiten, wäre das wirkungsvollste Instrument
gegen Lohndumping, z.B. auch gegen die Ausbeutung ausländischer
Arbeitskräfte.
Rb: So ein grundlegender Politikwechsel
soll durch die Wahl im September erreicht werden?
Claus: Das zu glauben, wäre eine Illusion. Die vorgezogene
Wahl zwingt dazu, die logische Reihenfolge zu verlassen.
Eigentlich hätten zuerst starke, außerparlamentarische
Protestbewegungen - gegen Lohnabbau, Rentenklau, Betriebsverlagerung,
ebenso wie gegen Bildungsnotstand, Hartz IV und Aufrüstung
- das Land in Bewegung bringen müssen. Aus diesem Klima
wäre vernünftigerweise dann eine Wahlinitiative
entstanden. Nun ist die Reihenfolge umgekehrt: Wir werden
zuerst im Parlament einziehen. Aber eine starke Linke wird
auf der parlamentarischen Ebene allein keinen Politikwechsel
herbeiführen. Der lässt sich nur gemeinsam mit
einer starken außerparlamentarischen Bewegung, mit
den Gewerkschaften und den Belegschaften in den großen
Betrieben durchsetzen. Entscheidend sind die realen Gegenkräfte
und ihre Bereitschaft, der Herrschaft des Kapitals und dessen
politischem Personal Grenzen zu setzen. Sonst bleibt alles
beim Alten.
Rb: Hast du nicht das leise Gefühl,
dass dann die Konzerne aus Deutschland abhauen?
Claus: In der öffentlichen Debatte wird das gerne als
eine Bedrohung dargestellt - ist es aber nicht. Sollen sie
doch gehen, die Großaktionäre und Konzernvorstände.
Die Produktionsanlagen können sie schlecht mitnehmen.
Die Ackermänner und die anderen Millionäre zahlen
eh kaum noch Steuern - wozu brauchen wir sie also.
Als Kommunist und DKP-Mitglied ist mir völlig klar,
dass die berechtigten Forderungen, die die Linkspartei stellt,
nicht gemeinsam mit den Konzernen, sondern nur gegen sie
durchsetzbar sind. Aber wir sind im Vorteil, denn: Bank-
und Konzernbosse können nicht existieren ohne uns -
wir aber können sehr viel besser leben ohne die Herrschaft
des Kapitals.
Es stand in der UZ - wo sonst? Die
DKP und das Wahlbündnis
Die UZ vom 15. Juli dokumentierte die "Position der
DKP zur Bundestagswahl 2005" im Wortlaut, die auf der
jüngsten Parteivorstandssitzung verabschiedet wurde.
Es heißt darin u.a.: "Ein Politikwechsel wird
nicht im Parlament durchgesetzt, sondern in den Betrieben
und auf der Straße ... Deshalb steht für die
DKP die Entwicklung des außerparlamentarischen Kampfes
und der sozialen Bewegungen im Mittelpunkt. Wir brauchen
eine linke Opposition im Bundestag
* Die Impulse für die außerparlamentarische Bewegung
geben kann.
* Die beitragen kann Mut zum Widerstand, Mut zur Veränderung,
zum Vertrauen in die eigene Kraft zu entwickeln.
* Die dazu beitragen kann, die Resignation zu überwinden
und einen Aufbruch für eine neue Politik zu befördern.
Eine linke Opposition im Bundestag braucht die außerparlamentarische
Bewegung. Sonst wird sie in den Parlamentarismus integriert
und verliert ihr Profil. Deshalb stehen im Zentrum für
die Durchsetzung einer anderen Politik nicht der Zusammenschluss
von PDS und WASG, sondern die Entwicklung der Bewegung und
die Schaffung eines gemeinsamen Projektes der Bewegungen
und linker Parteien. Deshalb ist das Wahlbündnis keine
Angelegenheit, die in traditionalistischer Art und Weise
von PDS und WASG in kleinen Parteizirkeln ausgehandelt werden
kann, sondern dieses Bündnis ist eine Angelegenheit
der sozialen Bewegungen, der Friedensbewegung, der antifaschistischen
und antirassistischen Bewegung, der linken Gewerkschafter,
der Linken insgesamt - alle müssen sich jetzt vor Ort
einmischen und neue formen der Zusammenarbeit finden. In
diesem Zusammenhang unterstützen wir Kommunistinnen
und Kommunisten in der DKP auch den Einzug von 'Die Linkspartei'
mit einer Fraktion in den Bundestag."
Die UZ (Unsere Zeit) ist die Wochenzeitung der DKP. Sie
kostet jährlich 98,50 Euro, ermäßigt 65
Euro. Pro-Abo-Service, Postfach 1407, 48237 Dülmen,
Tel.: 0201-2486482. www.unsere-zeit.de
Sprecher der DKP München auf Platz 10 der Landesliste
"Die Linkspartei.PDS Sachsen" Presseerklärung der DKP München
vom 13.7. 2005
Bereits vor dem Bundesparteitag hat sich der Landesverband
der PDS Sachsen auf einem außerordentlichen Parteitag
in "Die Linkspartei. PDS Landesverband Sachsen"
umbenannt. Mit der Wahl der Landesliste hat sich die neue
Linkspartei auch gleich für den Wahlkampf aufgestellt.
Auf Platz 10 der Landesliste wurde das Mitglied des DKP-Parteivorstandes
und Sprecher der Münchner DKP, Leonhard Mayer, gewählt.
Mayer war bis zum Frühjahr 2004 stellvertretender Betriebsratvorsitzender
bei Siemens München Hofmannstraße. Er kandidierte
bereits bei den Europawahlen in den Jahren 1994 und 1999
für die PDS.
Die Liste wird angeführt von der 27-jährigen
Katja Kipping, stellvertretende Bundesvorsitzende der PDS
und Abgeordnete im sächsischen Landtag. Ihr folgt das
Bundesvorstandsmitglied der WASG Axel Troost. Auf den aussichtsreichen
ersten zehn Plätzen befinden sich neben Mitgliedern
der PDS die erst kürzlich aus der SPD ausgetretene
Sabine Zimmermann und Monika Knoche, Gründungsmitglied
und ehemalige Bundestagsabgeordnete der Grünen.
"Die Linkspartei. PDS" steht für die Bündelung
unterschiedlichster linker Kräfte aus den verschiedensten
Spektren in Ost und West", erklärten die stellvertretende
Bundesvorsitzende Katja Kipping und die PDS-Landesvorsitzende
Sachsens Dr. Cornelia Ernst.
15 Jahre Rundbrief!
Im August 1990 erschien der erste Rundbrief der DKP München;
eine Nullnummer war bereits am 2. Juli herausgekommen. "Seit
etwa zwei Monaten wird innerhalb der Linken der BRD und
der DDR die Frage eines sozialistischen Wahlbündnisses,
einer Kandidatur links von der SPD und den Grünen unter
Einschluß der PDS für die gesamtdeutschen Wahlen
diskutiert." So begann damals der Artikel "Zum
Wahlbündnis Linke/Liste / PDS". Über einen
Auftritt Wolfgang Gehrckes (Ex- SDAJ Bundesvorsitzender,
Ex- DKP Bezirksvorsitzender und Präsidiumsmitglied,
damals wie auch 2005 noch führender PDS-Politiker)
in München am 2. August berichtete der Rundbrief: "Gehrcke
lehnte jede offene Unterstützung von KommunistInnen,
insbesondere aus der DKP, ab." Es ging damals der PDS-Führung
darum, die DKP aus dem Wahlbündnis auszugrenzen. Mit
dieser "vollständig gescheiterten Restgurkentruppe",
wie damals in Münchner Bündnisveranstaltungen
vor allem von Exkommunisten zu hören war, wollte man
nichts zu tun haben. Schnee von gestern!
Heute sieht es anders aus, siehe die Presseerklärung
in diesem Rundbrief. Dass die DKP München heute ein
geachteter und wichtiger Partner innerhalb der Münchner
Linken ist, daran hat sicherlich der Rundbrief einen Anteil.
178 Ausgaben bedeuten 178 Monate Information darüber,
was die DKP München meint, gemacht hat und vorhat,
was sie wichtig findet und wofür sie wirbt und sich
einsetzt. In diesen 178 Monaten wurden nicht nur die Mitglieder
darüber informiert, sondern auch eine wachsende Zahl
von Interessenten an unserer Politik. Heute werden gut 600
Exemplare jeden Monat verteilt und mit der Post verschickt
- die Mehrheit der Rundbriefe geht an interessierte Nichtmitglieder.
15 Jahre, 178 Monate sprechen für Kontinuität,
für Beharrlichkeit in der politischen Arbeit. Die erste
Redaktion bildeten Conny, Jürgen und Monika, alle von
der Gruppe Neuhausen. Claus machte mit, denn die ersten
Redaktionssitzungen fanden bei Claus & Monika statt.
Später kam Evi hinzu, immer noch alle aus Neuhausen.
Dann übernahm Christiane von Monika die Formatierung
und Gestaltung der Texte, später auch von Jürgen
das Drucken des fertigen Rundbriefes. Schließlich
entlastete Bernd seine Christiane von der Formatierung.
Heute schreibt weiterhin Jürgen die meisten Texte,
schickt sie an Bernd zur Ergänzung, zur Beseitigung
von Fehlern und zur Formatierung sowie an Christoph fürs
Internet, Christiane druckt dann, Jürgen bereitet den
zentralen Versand vor, Gudrun verschickt dann alles, was
nicht über die Gruppen geht. 15 Jahre Kontinuität
- alle genannte MitarbeiterInnen aus diesen 15 Jahren sind
nach wie vor in der DKP München aktiv, drei davon im
aktuellen Kreisvorstand des Jahres 2005. Eine Beharrlichkeit,
die ein Beispiel für die Stabilität der DKP München
ist, die in dieser Zeit erarbeitet wurde.
JüKö
Information über Ludwig Stark
Gen. Peter Willmitzer hat auf unseren Artikel "Wie
die Kommunisten im Priesterheim des Asamhauses arbeiteten"
im Juli-Rundbrief reagiert und uns zusätzliche Informationen
zukommen lassen:
STARK, LUDWIG
geb. am 25. Januar 1911 in München, Nat.:Deutsches
Reich, Deutscher letzter Wohnort: München Beruf: Maurer
Haft-Nr.: 7907 Haftart: Schutzhäftling
Zugangsdatum: 07. August 1935
Weitertransport am 29. Mai 1936
2. Haftzeit, Häftlingsnummer: 93531, Zugangsdatum:
26. August 1944
weiteres Schicksal: überführt am 14. September
1944 nach Mauthausen
Quelle: Archiv KZ-Gedenkstätte Dachau.
Ab 1939 war S.in der Wehrmacht. Siehe dazu Interview in
Otto-Huber-Broschüre.
S. stellte in einer kommunistischen Widerstandsgruppe die
illegale "Neue Zeitung" her.
Quelle: google.
S. begleitete viele Jahre unermüdlich Besucher durch
die Gedenkstätte Dachau.
Soweit zu Ludwig Stark, den brauche ich gerade zu einer
Dokumentation. Zu den anderen habe ich nicht recherchiert.
Rote Grüße, Peter
Widerstand gegen den neonazistischen
"Hess-Marsch" im fränkischen Wunsiedel:
"Unsere Städte sind bunt - nicht braun!"
Sternfahrt von München nach Wunsiedel am Samstag,
20. August um an den antifaschistischen Aktionen teilzunehmen.
Von München fahren Busse
nach Wunsiedel:
um 3.00 Uhr früh
(Bus der Gewerkschaftsjugend) - kostenlos
Weitere Informationen in Kürze auf dieser
Seite oder telefonisch bei der Gewerkschaftsjugend: 089-59977-9215
um 7.30 Uhr (Bus
Bezirksauschuß Maxvorstadt) ab Elisenstraße
/ Alter Botanischer Garten, Fahrpreis 15 Euro,
Anmeldung per Fax: 089 22802674 - Kontonummer
für Buskarte: HypoVereins. BLZ 70020270,
Konto Bezirksauschuß Maxvorstadt 6591100967,
Stichwort "Sternfahrt Wunsiedel"
Bereits eine Woche vor dem Bundesparteitag des PDS hat
die PDS Sachsen auf ihrem außerordentliche Landesparteitag
am 9. Juli der Umbenennung in "Die Linkspartei. PDS
Landesverband Sachsen" mit überwältigender
Mehrheit zugestimmt. Nur ein Delegierter votierte dagegen.
"Wir haben den Weg freigemacht für ein starkes
Linksbündnis und eine künftige gesamtdeutsche
Linkspartei ... Die Linkspartei. PDS" steht für
die Bündelung unterschiedlichster linker Kräfte
aus den verschiedensten Spektren in Ost und West",
erklären die stellvertretende Bundesvorsitzende Katja
Kipping und die Landesvorsitzende Dr. Cornelia Ernst zu
diesem Beschluss.
Die sich direkt an den Landesparteitag anschließende
LandesvertreterInnenversammlung der PDS Sachsen stand vor
der schwierigen Aufgabe diesen Anspruch bei der Aufstellung
der sächsischen PDS-Landesliste zu den Bundestagswahlen
2005 zu realisieren. Für Turbulenzen hatte im Vorfeld
gesorgt, dass der vorgesehene Spitzenkandidat Peter Sodan,
bekannt als Kommissar Ehrlicher aus Polizeiruf 110, kurzfristig
seine Kandidatur zurückgezogen hatte. Der Mitteldeutsche
Rundfunk hatte ihm im Falle seiner Wahl in den Bundestag
mit Berufsverbot gedroht.
Jetzt wird die Landesliste von der 27-jährigen Landtagsabgeordneten
und stellvertretenden PDS-Vorsitzenden Katja Kipping angeführt,
gefolgt von dem WASG-Bundesvorstandsmitglied Axel Troost.
Auf Platz drei folgt die aus der SPD ausgetretene DGB-Vorsitzende
von Zwickau, Sabine Zimmermann. Auf den Platz sieben wählten
die Delegierten die ehemalige Bundestagsabgeordnete der
Grünen, Monika Knoche. Sie hatte sich mit ihrer Partei
wegen deren Kriegspolitik überworfen und gegen den
Afghanistan- Einsatz der Bundeswehr gestimmt. Auf Platz
10 wurde das Mitglied des Parteivorstandes der DKP, Leo
Mayer, gewählt. Bei der für die Plätze 11
bis 30 durchgeführten Gruppenwahl konnte das DKP-Mitglied
Iris Kala aus Dresden soviel Stimmen auf sich vereinigen,
dass sie auf Platz 21 der Landesliste gewählt wurde.
Die Liste, mit der die PDS Sachsens zur Bundestagswahl
antritt widerspiegelt die deutsche Linken in ihrer Pluralität:
linke Sozialdemokraten, linke Grüne, linke Gewerkschafter,
Sozialisten und Kommunisten. Die sächsische PDS hat
Zeichen gesetzt.
Die Liste der zehn Spitzenkandidaten:
Katja Kipping, Axel Troost, Sabine Zimmermann, Jörn
Wunderlich, Barbara Höll, Ilja Seifert, Monika Knoche,
Michael Leutert, Silke Teubner, Leo Mayer
DKP-Volksfest wieder größtes
Fest der Linken in Deutschland
Erneut über 50 000 Teilnehmer in Dortmund
"Riesenandrang beim UZ-Pressefest"
So titelte die "junge welt" am 27.
Juni, und auch das "Neue Deutschland"
berichtete, wenn auch nur in einer Kurzmeldung,
dass "rund 50000 Menschen in den Dortmunder
Revierpark Wischlingen gekommen" sind,
um mit den Kommunisten das diesjährige
UZ-Fest zu feiern. Ob "rund" oder
"weit mehr als" 50 000, wie die JW
meint auf jeden Fall hat die DKP wieder
einmal das schönste und größte
Fest der Linken in Deutschland veranstaltet.
Und das in einer hochbrisanten politischen Situation,
in der sich für mögliche Bundestagswahlen
am 18. September eine gemeinsame linke wahlpolitische
Alternative zu organisieren beginnt. Darüber
diskutierten auch hochkarätige Vertreter
von PDS und WASG auf dem UZ-Fest. Die DKP machte
ihre Haltung klar, wie das "ND" unter
der Überschrift "DKP appelliert an
Linksbündnis" berichtete: "Der
Vorsitzende der Deutschen Kommunistischen Partei,
Heinz Stehr, hat am Wochenende an PDS und Wahlalternative
WASG appelliert, die Chance zur Bündelung
der linken Kräfte nicht zu gefährden.
Beim traditionellen Pressefest der DKP-Zeitung
UZ sagte Stehr, gerade der außerparlamentarische
Widerstand könne dadurch 'einen enormen
Impuls bekommen'."
Dabei musste witterungsbedingt zeitweise durchaus
um das Fest gezittert werden. Nach hochsommerlicher
Hitze waren gerade für Samstag Abend, also
für den Höhepunkt des Festes, nicht
nur Regen, sondern auch mögliche Unwetter
prognostiziert worden. Wenn man Samstag früh
auf der Hinfahrt im Radio hörte, dass ein
Musikfest vom Gewittersturm regelrecht abgeräumt
wurde, konnte einem schon mulmig werden. Tatsächlich
gab es in Dortmund am frühen Samstag Nachmittag
ein kleines Gewitter mit etwas Regen, bevor
sich die Atmosphäre wieder beruhigte, die
Leute auf das Gelände strömten und
das Fest ungestört gefeiert werden konnte,
am Sonntag sogar wieder unter dem Motto "Sommer,
Sonne, Sozialismus".
Auch bei den Südbayern war immer eine
Menge los; wir haben mit Speis & Trank,
Diskussionsforen, Kultur und Literatur sicherlich
zu einem UZ-Fest beigetragen, das nicht so schnell
vergessen wird und unsere Partei gestärkt
hat. Eine kleine Partei kann so etwas nur leisten,
wenn viele Genossen der Partei viele Arbeitsstunden
schenken einen herzlichen Dank an alle,
die diesen Erfolg möglich gemacht haben:
während der Planung in der Pressefestkommission,
beim Ein- und Ausladen des Lkws, beim Aufbau,
beim Abbau, während der Schichten auf dem
Fest, als Spender ... Das hat hin gehauen! JüKö
"Wie die Kommunisten im Priesterheim des Asamhauses
arbeiteten / Zuchthausstrafen für Hochverräter und
Gefängnis für ihre Helfershelfer"
So lautet die Überschrift eines Artikels im "Völkischen
Beobachter"/Münchener Beobachter, Ausgabe 136 vom
16. Mai 1934, den uns Gen. Manfred Eger als Kopie und Schreibmaschinenabschrift
zukommen ließ. Herzlichen Dank, denn der Artikel ist
hochinteressant, bietet er doch einen spannenden Einblick
in den antifaschistischen Widerstandskampf der Münchner
KPD. "Im Oktober vorigen Jahres wurde, wie noch erinnerlich
sein dürfte, von der politischen Polizei in einem Priesterheim
in der Sendlingerstraße eine kommunistische Redaktionsstube
entdeckt, die dort ohne Wissen der Verwaltung des Priesterheimes
von dem 35jährigen kommunistischen Funktionär Georg
Frühschütz von München und dem 20jährigen
Hugo Scheurer, ebenfalls von München, eingerichtet worden
war. Die geheime Redaktion war im sog. Bibliothekszimmer des
Asamhauses aufgemacht worden. Die Polizei fand in dem Raum,
der unmittelbar in den Speicherraum eingebaut war, eine große
Menge kommunistischer Druckschriften." Der Hauptangeklagte
Georg Frühschütz, "der bereits in der Spartakistenzeit
im Jahre 1919 in München eine üble Rolle spielte",
wurde schließlich wegen "Vorbereitung zum Hochverrat"
zu zwei Jahren und drei Monaten Zuchthaus verurteilt. Mit
dem Wissen, wie es weiterging, erstaunt eher dieses vergleichsweise
milde Urteil aus der Frühphase des deutschen Faschismus.
Erwähnt werden außerdem die ebenfalls verurteilten
Genossen Franz Schneider (21), Sebastian Steer (34), Ludwig
Stark (23), Franz Peter (21), Johann Reisch (29) und Bruno
Freund (38), alle aus München. Weiß jemand etwas
über das weitere Schicksal dieser Genossen? Der Artikel
befindet sich bei mir und kann bei Interesse gerne kopiert
werden. JüKö
PS: In der "Wiedergefundenen Liste" kommt dieser
"Vorgang" ebenfalls kurz vor. Es gibt die Broschüre
im KommTreff für 5 Euro. CK
Wir trauern um unsere Genossin
Lotte Schmid.
Eine gestandene Frau und Kommunistin ist nicht
mehr. Seit ihrer Jugend war sie aktiv in der kommunistischen
Bewegung - FDJ, KPD - in der sie nach der Befreiung
1945 die komplizierte Funktion der Schiedskommission
mit viel Einfühlung und auch Humor sehr gut erfüllte.
Später kamen ihr diese Eigenschaften in der Gruppenleitung
der Wohngebietsgruppe Laim und in der Friedensbewegung
zugute.
Jahrelang war sie in der Revisionskommission der DKP-Südbayern
tätig. Mit ihrer Solidarität und Hilfsbereitschaft,
ihrer menschlichen Wärme, ihrer Freundlichkeit
und Zuverlässigkeit auch in schwierigen Zeiten
wie der 12-jährigen Illegalität unter Adenauer,
wird sie uns fehlen.
Wir werden sie nicht vergessen!
Die DKP Südbayern lädt ein zum Seminar
Alte Partei mit neuem Programm
Samstag, 16.07.2005, 10.00 bis gegen 17.00; Otto-Huber-Hütte,
Breitbrunn am Ammersee
Imperialismus heute
Der deutsche Imperialismus
Der Sozialismus
Für eine Wende zu demokratischem und sozialem Fortschritt
Die Kräfte des Widerstands und des Fortschritts
DKP Partei der Arbeiterklasse
Und so wollen wir vorgehen: Diskussion von exakt einer Stunde
über jedes der 6 Kapitel des DKP-Programmentwurfs.
Jedes Diskussionskapitel wird eingeleitet durch ein Impulsreferat
von nicht länger als 10 Minuten. Die Diskussionsstunden
werden unterbrochen durch Mittagspause und Kaffeepause.
Unkostenbeitrag für warmes Mittagessen, Kaffee und
Kuchen und Hüttenmiete: 7,50 Euro pro TeilnehmerIn.
Kinder können gern mitgebracht werden (See, Wiese).
Ebenso freuen wir uns über mitgebrachten und gestifteten
selbst gebackenen Kuchen.
Wer kommt mit der S-Bahn? Die S5 fährt ab München
Hbf. 8.27, Ankunft in Herrsching 9.15. Wir holen aus Herrsching
ab, bitten aber um Anruf, wer abgeholt werden möchte.
Nach Seminarschluss, spätestens gegen 18.00, Fete
für alle Helferinnen und Helfer beim UZ-Pressefest
in Dortmund (24. - 26.6.2005). Mit Grill, Brotzeit und Getränken.
Rückfragen und Anmeldung (sehr erwünscht vorher
für bessere Übersicht und Planung) bei Jörg
Högemann, Kellerstraße 28, 81667 München,
Telefon: 089/4470242
Für das gemeinsame Handeln der Linken DKP München
plant die nächsten zwei Jahre
Am 11. Juni fand im EineWeltHaus die diesjährige Kreismitgliederversammlung
der DKP München statt. 51 Mitglieder bilanzierten die
Arbeit der letzten zwei Jahre und verabschiedeten einstimmig
einen Arbeitsplan für 2005/2006 mit den Schwerpunkten
1. Antimilitarismus/Frieden, 2. Generalangriff auf soziale
und tarifliche Rechte, 3. Abbau demokratischer Rechte
Gefährdung der bürgerlichen Demokratie, 4. Bündnispolitik,
5. Die DKP konsolidieren und stärken. In der Diskussion
kamen, anders als in früheren Jahren, viele Berichte
aus den Gruppen, in denen eine große Bandbreite an Aktivität
ebenso sichtbar wurde wie der Verweis auf unübersehbare
Schwächen. Die DKP München verfügt heute über
168 Mitglieder, ist stolz auf eine schnell wachsende Jugendorganisation
SDAJ und zeigte sich auf der KMV als eine beachtenswerte und
handlungsfähige linke Kraft in München. Bezüglich
der möglichen Bundestagswahl kamen die Beiträge
der Sprecher der PDS München, Jan Tepperies und Jule
Gilles, die als Gäste an der Konferenz teilnahmen, sehr
gut an. "Wenn einem Sozialdemokraten zulaufen, ist es
auch gut, wenn man Kommunisten an seiner Seite weiss",
sagte Jule Gilles und lud die DKP ein, sich an der Formierung
des Linksbündnisses zur Bundestagswahl zu beteiligen.
Auf Antrag des Kreisvorstandes beschloss die KMV einstimmig,
in diese Richtung zu gehen, denn: "Bei dieser Bundestagswahl
besteht die Chance, dass bei einem Zusammenwirken der Linken
die Forderungen nach einer anderen Politik und die Ablehnung
des neoliberalen Gesellschaftsumbaus eine auch parlamentarisch
wirksame Stimme erhalten kann." ...
"Bei diesen Bundestagswahlen muss ein Schritt zur
Herausbildung eines gesellschaftlichen und politischen Blockes
gegen den Neoliberalismus und zur Bildung eines progressiven
Reformblockes getan werden. Wir appellieren an PDS und an
die WASG, organisationsspezifische Interessen zurück
zu stellen, ein verhängnisvolles Gegeneinander bei
der Bundestagswahl zu vermeiden und die linken Kräfte
zu bündeln. Dieses Bündnis sollte auch für
andere linke Kräfte offen sein. ...
Die DKP München würde dieses Wahlbündnis
im Wahlkampf unterstützen. Gleichzeitig würden
wir unsere eigenen antikapitalistischen Inhalte einbringen.
Eine Eigenkandidatur der DKP in irgendeiner Form zu dieser
Bundestagswahl lehnen wir unter diesen politischen Bedingungen
ab."
Keine Überraschungen brachten die Wahlen für
den Kreisvorstand: Sprecher werden wieder Leo Mayer (44
Stimmen) und Renate Münder (43 Stimmen) sein, zu weiteren
Mitgliedern wurden Kassiererin Solveig, Conny, Claus, Bernd,
Christoph und Jürgen gewählt, die alle zwischen
42 und 48 Stimmen erhielten. JüKö
Unser lieber Freund und Genosse Martin Löwenberg ist
80 geworden.
Gerade haben wir seinen sehr persönlichen, anrührenden,
frei vorgetragenen Beitrag auf der Befreiungsfeier zum 8.
Mai im EineWeltHaus gehört. Auf beeindruckende Weise
verband er authentische Gefühle des aus Zwangsarbeit
und KZ Befreiten mit dem heutigen Wissen um politische und
gesellschaftliche Zusammenhänge.
Auf diesen Erfahrungen ist Martins unbedingtes Bestehen auf
der einheitlichen Aktion aller Humanisten, Antifaschisten
und Linken gegen Gleichgültigkeit, Gemeinheit und Barbarei
gegründet. Diese von Toleranz auf der einen Seite und
Unduldsamkeit auf der anderen gekennzeichnete Haltung hat
ihm die Hochachtung und Sympathie weiter Kreise eingetragen
- und die Verurteilungen Münchner Gerichte!
Wir sind stolz und froh, Martin in unserer Mitte zu wissen.
Wir hoffen, dass er trotz Alter und gesundheitlicher Beschwerden
noch lange an unserem Kampf um eine bessere Welt teilhaben
wird.
Am Samstag, den 11. Juni von 16 bis 22 Uhr feierten alle seine
Freunde und Freundinnen seinen 80. Geburtstag im DBG-Haus.
"Mittenwald 2005
Endlich weg damit!
Pfingsten 2005: Eine Woche zuvor jährt sich der Tag
der Befreiung vom deutschen Faschismus zum 60. Mal. Etliche
aber wurden damals nicht befreit sondern besiegt und diese
Niederlage steckt ihnen 60 Jahre später noch in den
Knochen. Und so werden sich auch dieses Jahr zu Pfingstenüber
tausend ehemalige Wehrmachtssoldaten, gegenwärtige
Bundeswehrsoldaten und ihre GesinnungsgenossInnen aufmachen
zu einer Gedenkveranstaltung der ganz anderen Art: Nach
Mittenwald, zum Ehrenmal der Gebirgsjäger
am Hohen Brendten, wohin der Kameradenkreis der Gebirgsjäger
seit 48 Jahren lädt, damit sie dort ihrer
Toten aus zwei Weltkriegen gedenken.
Wir finden: Sie müssen sich ihrer Täterschaft
erinnern und der Opfer gedenken. Darum sind die Gebirgsjäger
seit 2002 bei ihrer widerlichen Veranstaltung nicht mehr
ungestört: Vor drei Jahren enterte eine Gruppe AntifaschistInnen
das traditionelle Schweinebratenessen von Gebirgsjägern
imPostkeller in Mittenwald und forderte eine
Gedenkminute für die Opfer der Verbrechen der Gebirgsjäger.
(...)"
aus dem Aufruf des AK Angreifbare Traditionspflege (Landesverbände
Hamburg, NRW, Hessen, Berlin-Brandenburg, Bayern, Bremen,
Schleswig-Holstein)
8. Mai 2005:60 Jahre Befreiung
vom Faschismus
Veranstaltung der DKP München zum Jahrestag der Befreiung
vom Faschismus am Dienstag, 10.5. um 19.30 Uhr im Eine-Welt-Haus
Erfolgreiches Betriebsarbeitertreffen
"Arbeit gegen Kapital - deutsche und ausländische
Kollegen gemeinsam. Wie lässt sich in der Krise erfolgreich
kämpfen?", so hatte der Bezirk Südbayern
zum Betriebsarbeitertreffen am 9.4. eingeladen. Unter
den 21 Teilnehmern waren auch Genossen der griechischen
Kommunistischen Partei KKE und der DIDF - Föderation
der Demokratischen Arbeitervereine (aus der Türkei)
vertreten.
Renate Münder referierte zum Thema "Krise der
Gewerkschaften - oder Kapitulation der Gewerkschaftsführung
vor Kapitaloffensive?" Die These, dass es bei den
Abschlüssen von Siemens, Daimler, Opel VW u.a. um
eine typisch sozialdemokratische Krisenbewältigung
geht, wo die Gewerkschaftsführungen unter dem Druck
des Kapitals tarifliche Rechte in großem Umfang
preisgaben, wurde von den Anwesenden geteilt. Standortsicherungsabkommen,
angeblich zur Rettung der Arbeitsplätze abgeschlossen,
werden schnell zu Makulatur bei "wesentlichen Änderungen
der Grundannahmen und der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen"
(VW-Abkommen).
Auch der Abschluss im öffentlichen Dienst, der den
Beschäftigten die härtesten Verschlechterungen
seit Jahrzehnten gebracht hat, wurde unter dem Aspekt
der Arbeitsplatzsicherung und der Sicherung des Flächentarifvertrags
unterzeichnet. Doch kampflose Kapitulation macht die öffentlichen
Arbeitgeber genauso wie das private Kapital nur noch gieriger
und schützt nicht vor Privatisierung. So werden die
nächsten Angriffe gegen uns vorbereitet. Die Botschaft
heißt, dass die Gewerkschaften erpressbar sind.
Standortsicherungsabkommen entwaffnen die Kollegen und
verstärken zugleich die rassistische Hetze, so die
Referentin weiter. Die rassistische Hetze gegen den polnischen
"Billigarbeiter" oder ganz allgemein die "Niedriglohnländer"
wird nicht bloß von den Faschisten zum Hass auf
die ausländischen Kollegen gesteigert und arbeitet
der Kriegspolitik der Bundesregierung in die Hände.
Was nationale Standortsicherung heißt, haben wir
bereits zweimal unter dem Zeichen des Nationalismus und
Rassismus erlebt.
Einigkeit herrschte auch darüber, dass wir aus der
Defensive nur auf der Grundlage der Erkenntnis herauskommen,
dass Verzicht keine Arbeitsplätze sichert. Sicherheit
im Kapitalismus gibt es nicht! Allein die Aufhebung der
Konkurrenz unter den Arbeitern macht ihren Kampf gegen
das Kapital möglich.
Dass ein gemeinsamer Widerstand auf dieser Grundlage auch
in Zeiten der Krise möglich ist, das zeigen uns die
Massenstreiks in Frankreich, Italien, Griechenland, Spanien
usw., und auch der Kampf der europäischen Hafenarbeiter
gegen die Deregulierungsvorstöße der EU. Konzernweite,
branchenweite Zusammenarbeit, auch über die Grenzen
der Einzelgewerkschaften hinweg, muss von uns durchgesetzt
werden - internationale Solidarität ist das Gebot
der Stunde.
Wer sich dem Standortdenken ergibt, wird jedes Diktat
der Kapitalisten mitmachen und doch seinen Arbeitsplatz
nicht retten können. Machen wir die Gewerkschaften
zu einer Kampforganisation der Arbeiterklasse, die den
Kollegen den Blick für eine andere Gesellschaftsordnung
wieder öffnet, denn ohne das lässt sich nicht
kämpfen.
Auf diese Ausführungen folgte eine lebhafte Debatte
und der Wunsch, noch im Sommer wieder ein solches Treffen
zu arrangieren. Die Zusammenarbeit soll mit Solidaritätsaktionen
für die von Entlassung bedrohte Belegschaft von Infineon
beginnen. RM
Der Text des gesamten Referats ist unter www.dkp-muenchen.de
bei
Betriebsaktiv zu finden.
München am 2. April - massiver
demokratischer Protest gegen die Neonazis
8000 Münchnerinnen und Münchner erteilten den
wenigen hundert angereisten Neonazis eine überzeugende
Absage - in allen regionalen und überregionalen Medien
wurde so klar, dass diese Stadt durch das Engagement der
Menschen kein geeignetes Pflaster für Naziaufmärsche
mehr ist.
Dennoch bleibt es ein Skandal, dass die Behörden
eine Neonaziprovokation überhaupt ermöglichten.
Wir dokumentieren hierzu einen Leserbrief zu dem Artikel
"Machtvoller Protest gegen Neonazis" in der
SZ vom 4.4.05:
"OB Ude ist nur zuzustimmen, wenn er die Neonazis
als "Straftäter mit krimineller Energie"
bezeichnet. Um so unverständlicher, warum diese sich
unter polizeilicher Obhut auf der Theresienwiese versammeln
dürfen. Der laute und berechtigte Protest der Redner
auf dem Marienplatz über die Zusammenrottung dieser
kriminellen Straftäter sollte nicht vergessen machen:
Ohne den fürsorglichen Schutz der Polizei könnte
diese Zusammenrottung gar nicht stattfinden. Mit 25o Neonazis
würden die Demokraten dieser Stadt schon fertig werden.
Das Problem ist, dass Politiker und Justiz diese Zusammenrottungen
doch erst polizeilich ermöglichen. Nazis können
"friedlich" demonstrieren, die Gewalt übernimmt
die Polizei für sie. Es stimmt nicht, dass es keine
juristische Handhabe gäbe, die Zusammenrottung dieser
kriminellen Täter zu verhindern.
Nazipropaganda ist eindeutig nicht durch das Grundrecht
auf Meinungsfreiheit gedeckt. Faschismus ist keine Meinung,
sondern ein Verbrechen. Warum konnte denn eine Demonstration
gegen die NATO-Sicherheitskonferenz vor zwei Jahren verboten
werden, weil angeblich Informationen über anreisende
"Chaoten" vorlagen? Warum genießen Nazidemonstrationen
solch brachialen Schutz durch ein übermächtiges
Polizeiaufgebot? Nicht wegen Meinungs- oder Versammlungsfreiheit.
Nazis sind mit ihrer Propaganda nützlich für
diejenigen, die ohnehin dabei sind, die Achse der Politik
nach rechts zu verschieben. So lässt sich doch z.B.
Windschatten neonazistischer Ausländerfeindlichkeit
viel leichter das Asylrecht abbauen oder
"Ausländer" in Deutschland und Billiglöhne
in Osteuropa als Ursache für die Arbeitslosigkeit
propagieren. Von der Stadtverwaltung wird gesagt, ein
Verbot der Nazidemonstration hätte vor Gericht keinen
Bestand. Hat man es denn versucht? Der Widerstand gegen
die Nazis muss auf die Straße getragen werden, von
Justiz und Richtern ist er nicht zu erwarten, wie man
aus der deutschen Geschichte weiß. Sonja Schmid
/ Walter Listl"
13. isw-forum in München - 140 TeilnehmerInnen
debattieren zwei Tage über eine gesellschaftliche
Grundfrage
Nachdenken über die Zukunft
der Arbeit
Das diesjährige Forum des isw, Institut für
sozial-ökologische Wirtschaftsforschung München
e.V., am 15. und 16. April beschäftigte sich
mit der Zukunft der Arbeit, also mit einem Thema,
das angesichts von weiter wachsender Massenarbeitslosigkeit
und ungebremstem Sozialkahlschlag aktueller nicht
sein könnte.
140 zahlende TeilnehmerInnen, vorwiegend aktive GewerkschafterInnen
und links aktive Menschen, kamen am Freitagabend zu
Referat und Diskussion mit dem Soziologen Professor
Oskar Negt zum Thema "Arbeit und menschliche
Würde - Zur individuellen und gesellschaftlichen
Bedeutung der Arbeit".
Negt begann seine Analyse der heutigen Krise mit
der Benennung eines frappierenden Widerspruchs: Es
gab in den letzten 30 Jahren noch nie so wenige Fehltage
bei der Arbeit wie heute, während gleichzeitig
die psychischen Krankheiten in den letzten fünf
Jahren um 20% zugenommen haben. Die Krise, die zu
solchen Widersprüchen führt, benannte Negt
als "kulturelle Erosionskrise": Die alten
Werte gelten nicht mehr unbesehen, neue Werte sind
nicht da, werden aber gesucht. Gewerkschaften, Parteien,
Kirchen bekämen zu spüren, dass nur noch
der "Begriffshorizont betriebswirtschaftlichen
Denkens" gelte. "Drei falsche Strategien"
würden verfolgt: 1. Die "Polarisierung der
Gesellschaft", die z.B. darin zum Ausdruck komme,
dass heute bei uns jedes fünfte Kind unter Armutsbedingungen
aufwächst, während ein Herr Ackermann 10
Millionen € Gehalt im Jahr verdiene. Die Zentren
würden gestärkt, die Peripherien verarmten.
2. Die "Fragmentierung und Flexibilisierung":
Es entstehen, so Negt, "bindungslose Menschen",
ein Einfallstor für Naziideologie. Die immer
weiter getriebene Flexibilisierung führe zu einer
"Zerstörung des Charakters" der Menschen,
wie eine amerikanische Untersuchung im Original heißt,
die bei uns unter dem verharmlosenden Titel "Der
flexible Mensch" erschienen ist. Die dritte "falsche
Strategie" sei die "Abkopplung" ganzer
Bevölkerungsteile vom gesellschaftlichen Produktions-
und Lebensprozess. Negt sprach von einer "Drittelung
der Gesellschaft"; 1/3 gehe es gut, 1/3 lebe
zunehmend prekär, ein weiteres Drittel bilde
den abgeschriebenen Rest. Wie, so der Referent, geht
eine Gesellschaft mit ihrem Kreativitätspotential
um, wenn Menschen bis 28 ausgebildet werden und ab
45 schwer vermittelbar sind? Geht der Gesellschaft
wirklich die Arbeit aus? Das betreffe nur die warenproduzierende
Arbeit für den Markt; über den das Problem
nicht gelöst werden könne. Als Alternative
nannte Negt "Gemeinwesen-orientierte Arbeit",
"Gemeinwesen-Arbeitsplätze".
Die Arbeit, in der griechischen Antike einfach als
"Nicht-Muße" definiert, blieb früher
denen vorbehalten, die ihr nicht ausweichen konnten.
Noch im Mittelalter habe es 165 Feiertage im Jahr
gegeben. Mit der Entwicklung eines "Leistungsstolzes
im Bürgertum" habe die Arbeit dann ein Element
von Würde bekommen. Arbeitslosigkeit heute sei
ein Gewaltakt, eine Form der Enteignung, ein Angriff
auf die Integrität, die von einem unmenschlichen
Umgang mit Sprache ("Ich-AG") begleitet
sei.
Wer, wenn nicht die Gewerkschaften, seien in der Lage,
"von der lebendigen Arbeit ausgehend, die Gesellschaft
neu zu überdenken"? Negt verlangte "Vier
Erweiterungen des Mandats der Gewerkschaften":
1. "Erweiterung des Interessensmandats".
Auch klassische Tarifkämpfe seien nicht mehr
zu gewinnen, wenn keine positive gesellschaftliche
Atmosphäre geschaffen wird. Die Gewerkschaften
brauchen ein "Außerbetriebliches Standbein:
die gesamte Lebensumwelt".
2. "Kultur" werde für die Gewerkschaften
zunehmend von einer "weichen" zu einer "harten
Materie", müsse ins Zentrum rücken.
Wiederaufnahme eigener Zeitschriften, Medienpolitik;
diese Themen dürften nicht länger brach
liegen.
3. Ein "gesamtgesellschaftliches, politisches
Mandat". Aus der neoliberalen Politik steige
man nicht im Einzelkampf aus; Gegenkonzepte, gesellschaftliche
Utopien seien zu entwickeln, der betriebswirtschaftlichen
Logik müsse eine gesellschaftliche Logik entgegen
gestellt werden.
4. Gehe es um eine "Erweiterung des Arbeitsbegriffs".
Der bisherige sei kapitalfixiert und würde viele
Tätigkeiten, gerade von Frauen, nicht erfassen.
Würde habe, so Oskar Negt mit Kant abschließend,
keinen Preis. "Verantwortung für das Gemeinwesen"
sei der eigentliche Gegenpol zur "Kommerzialisierung
der Lebenswelt.
Der Vortrag wurde allgemein sehr gut aufgenommen und
führte zu einer lebhaften Diskussion. Die Internationalisierung,
insbesondere der Gegenwehr, sei im Referat zu kurz
gekommen (PDS-Stadträtin Brigitte Wolf). Die
Multis würden ja hervorragend mit den "falschen
Strategien" fahren; "Gemeinwesen-Arbeitsplätze"
setzten einen starken Staat mit den nötigen Finanzmitteln
voraus - dazu müsste das Kapital bekämpft
und Politik gegen die Multis entwickelt werden (Leo
Mayer). Negt sei der Globalisierung nicht gerecht
geworden - die Produktion sei tatsächlich globalisiert.
Es sei keine Drohung von Siemens, die Produktion zu
verlagern, sondern Realität (Conrad Schuhler,
isw). Heute gebe es keine kleinen Lösungen, ohne
die großen Zusammenhänge anzusprechen;
die Eigentumsfrage sei weiterhin das eigentliche Problem
(Walter Listl, DKP).
Oskar Negt wies in seinen Antworten auf diese Kritiken
darauf hin, dass es "verschiedene Wirklichkeitsschichten
der Globalisierung" gebe. Eigentlich sei wenig
globalisiert, nur die Finanz- und Handelsströme,
schon die Arbeit nicht. Der Staat müsse aufgefordert
werden, seine Souveränitätsrechte wahrzunehmen.
Der heutige Kapitalismus sei deshalb so wirksam, weil
er gar keine Barrieren mehr kenne, nicht weil er globalisiert
sei. Die globalisierungskritische Bewegung (attac)
könne nur wirksam werden, wenn sie sich in den
"nationalen Arbeitsgesellschaften" verankere,
sonst gebe es 20 Jahre lang Proteste, die dann wirkungslos
verpuffen. Mit der "Eigentumsfrage" sei
es angesichts des "Zusammenbruchs der östlichen
Gesellschaften" nicht mehr so einfach, man könne
"auch nicht mehr so einfach" von "Revolution"
sprechen, wenn nach 70 Jahren von der Oktoberrevolution
"so absolut nichts" mehr übrig sei.
In einem zweiten Diskussionsblock ging es um die
im Referat angesprochen Schlussfolgerungen für
die Gewerkschaftsbewegung. Kritisch wurde gefragt,
wieso "die gesamte Linke einem verengten Arbeitsbegriff
hinterherhechle". Vielleicht mache es gar keinen
Sinn, einen öden Siemens-Arbeitsplatz zu erhalten.
Was sei mit dem "Recht auf Faulheit" und
Muße? Klaus-Dieter Bornemann (Siemens-Betriebsrat)
wies in seiner Antwort darauf hin, dass Arbeitsplätze
schon deshalb verteidigt werden müssten, "weil
die Leute Geld brauchen". Arbeit sei außerdem
etwas Identitätsstiftendes für das eigene
Leben, nicht nur reiner Broterwerb. Es gehe auch um
Sinn und Inhalt der Arbeit; er erinnerte an die Diskussion
um Rüstungskonversion in den 80 er Jahren. Oskar
Negt betonte in der Diskussion zu diesem Block, dass
wir weiterhin in einer Arbeitsgesellschaft leben.
Die entscheidende Frage sei, warum die Menschen nicht
rebellierten. Eine kanadische Studie über die
Frage, was an der Arbeit wichtig sei, habe ergeben,
dass von den Befragten unter den zehn wichtigsten
Punkten nicht das Geld genannt wurde, sondern Fragen
der menschlichen Würde und der Anerkennung. Die
Gewerkschaften müssten an Fragen der Bildung
und Kultur ansetzen. 30 Millionen € gebe die
IG Metall jährlich für Bildung aus, habe
aber noch nicht geschafft, zu verhindern, dass die
Fremdenfeindlichkeit unter Gewerkschaftsjugendlichen
größer sei als im Durchschnitt der Bevölkerung.
Dennoch gebe es Gründe für Optimismus im
Sinne einer "wissenden Hoffnung" (Bloch).
Am zweiten Tag gab es in sieben Stunden vier die angesprochenen
Themen vertiefende Referate mit jeweils anschließendem
Diskussionsblock.
Prof. Dr. Dieter Sauer vom isf München (Institut
für sozialwissenschaftliche Forschung) referierte
zum Thema "Arbeit unter (Macht) Druck - eine
Zeitdiagnose". Im Gegensatz zu Negt sehe er immer
noch den Betrieb als zentrales Kampffeld. In den letzten
Jahren schien das Thema "Arbeit" nicht mehr
zu interessieren, Fördermittel seien gestrichen,
Lehrstühle abgeschafft worden. Gewerkschaftliche
Arbeitspolitik sei in die Defensive geraten, es fände
ein Ausverkauf mühsam erkämpfter Rechte
statt. "Gute Arbeit bedeutet heute nur noch,
sich gegen schlechte Arbeit zu wehren." Der größere
Zusammenhang sei der Zusammenbruch eines sozio-ökonomischen
Entwicklungsmodells. Der gesellschaftliche Umbruch
bestehe im Mitte der 70 er Jahre einsetzenden Bruch
mit dem Fordismus, wobei die 90 er Jahre die eigentliche
Umbruchsphase, die breitflächige Durchsetzungsphase
des neuen Modells darstellten. Zentrales Bezugspunkt
dabei: "Der Markt". Es fände eine "radikalisierte
Vermarktlichung" statt - Markt als Bezugspunkt
unternehmensinterner Prozesse, die Arbeitskraft als
abhängige Variable, der Markt als Motor permanenter
Reorganisation, die Entwicklung der Instrumente indirekter
Steuerung. Die Arbeit befinde sich dabei im Übergang:
Vertiefung branchenspezifischer Unterschiede, gespaltene
Belegschaften bei flexiblen Erwerbsformen, die Polarisierung
von Arbeitszeitmustern, das Verhältnis zwischen
selbstorganisierten und restriktiven Arbeitsformen
waren hier einige der Stichpunkte. Weiter sprach Sauer
über die daraus resultierende "Krise der
traditionellen Arbeitspolitik". Es handele sich
heute um eine "instabile und konfliktreiche Übergangsphase",
um eine Krise herkömmlicher Politikformen. Bei
dem Konflikt zwischen Arbeitsplätzen und allseitiger
Vermarktlichung stelle sich heraus, dass man mit dem
Markt nicht verhandeln kann. "Eine Arbeitspolitik,
die auf Anpassung an den Marktzwang setzt, hat von
vornherein verloren." Zur politischen Antwort
entwickelte Sauer das Verhältnis "zwischen
Abwehrkampf und strategischer Neuausrichtung".
Die Gewerkschaftsbewegung müsse zunächst
"schlechter Arbeit" Grenzen setzen und Widerstandslinien
aufbauen. Es gehe dann darum, sich einzumischen, Mitbestimmung
und Einflussmöglichkeiten auszubauen, Widersprüche
zuzuspitzen und Räume für Reflexionen zu
schaffen, so dass die Perspektive einer "eigensinnigen
Arbeitspolitik" deutlich werde: "Gegen einen
radikalisierten Markt hilft nur eine radikalisierte
Arbeitspolitik", so Sauer, der für "Widerstand
statt Anpassung" plädierte.
Einige Aspekte aus der Diskussion: Das heutige Referat
über den Marktdruck beweise, so Fred Schmid (isw),
dass Oskar Negt falsch liege, wenn er die Globalisierung
nur als Vorwand begreife und beispielsweise argumentiere,
dass das Kapital schon vor 120 Jahren den heutigen
Diskussionen um die Bezahlung von 5 Minuten Zigarettenpausen
vergleichbare Debatten geführt habe. "Er
vergisst dabei die 120 Jahre dazwischen - neu ist,
dass wir eben wieder auf diesen Stand zurückgedrängt
werden." Eine Kollegin aus Gera berichtete, dass
in ihrem Krankenhaus die Wäsche 50 km weit "outgessourct"
würde und die Belegschaft heutzutage aus Angst
um ihren Arbeitsplatz den Betriebsrat abschaffen wolle,
wenn er auf verbriefte Rechte bestehe. Heinz Schneider
nannte als zentrale Bezugspunkte der Gegenwehr "1.
Mindestlohn, 2. progressive Besteuerung, 3. ein einheitliches
soziales Sicherungssystem." Christian Stupka,
der beruflich Betriebsräte berät, bestätigte
die Richtigkeit der Analyse und brachte Beispiele
aus dem Verlagswesen. Verlage werden von aggressiven
Konzernen aufgekauft, neue Profitkennziffern werden
vorgegeben und offen als Ziel formuliert: "Streben
nach ständigem Sieg und Grenzenlosigkeit".
Widerstand sei nur möglich über den Kampf
um Inhalte der Arbeit: "Wie weit darf die Arbeitskraft
ausgepowert werden?" Dabei bilde ein Zusammenschluss
zwischen Konsumenten und Produzenten die "Schlachtordnung
der Zukunft". Walter Listl (DKP) ging es darum,
die "Bruchlinien im Bewusstsein der Kollegen"
zu finden. Anknüpfungspunkt sei sicherlich die
Verteidigung des Sozialstaates, gerade weil der vom
Kapital aufgekündigte Klassenkompromiss so tiefe
Spuren im Bewusstsein hinterlassen habe. Dabei stehe
sehr wohl die Eigentumsfrage in dem Sinne, dass große
Teile der Bevölkerung heute enteignet würden,
z.B. von ihrem Arbeitsplatz, dem Trinkwasser, der
Gesundheit. Insofern könne er Oskar Negts gestrige
"Verballhornung" des Themas Eigentum durch
einfachen Verweis auf die DDR nicht akzeptieren. Hans-Peter
Gatt (Sozialforum, IG Metall) sprach über die
Vielfalt der Widerstandspotentiale; so wehrten sich
prekär Beschäftigte anders als bereits Ausgegrenzte,
das müsse jede Gegenstrategie berücksichtigen.
Dieter Sauer verwies abschließend darauf, dass
die einen gar nicht mehr arbeiten, die anderen dafür
ohne Ende. Es müsse verhindert werden, dass die
Gewerkschaft nur noch Besitzstandwahrung bei den privilegiert
Beschäftigten betreibt; heute sei ein Denken
in Widersprüchen unverzichtbar. Vorrangig sei,
zu verhindern, dass die Menschen gegeneinander ausgespielt
werden.
Es folgte das Referat von Tatjana Fuchs (isw) über
"Perspektiven in der Arbeit - ". Die Soziologin
begann mit einer Bestandsaufnahme: In den letzten
10 Jahren sei der Anteil der in Vollzeit unbefristet
Beschäftigten mit Einkommen, von denen man auch
leben kann, auf 40% stark zurückgegangen; prekäre
Arbeitsverhältnisse seien heute fast überall
anzutreffen und reichten bis weit in die Mitte der
normal Beschäftigen hinein. Für die Beschäftigten
in Deutschland sei, ganz im Gegensatz zur von Oskar
Negt zitierten kanadischen Studie, ihr geringes Einkommen
ein zentrales Problem. Ebenso seien Angst und Unsicherheit
bedeutende Faktoren. Es gebe einen Riesenunterschied
zwischen der vertraglich vereinbarten und der tatsächlichen
Arbeitszeit; 35% würden inzwischen 43 oder mehr
Stunden arbeiten. Das Belastungsspektrum in der Arbeit
sei heute hoch und vielfältig; ¾ der Beschäftigten
leisteten z.B. stark verdichtete, immerhin noch 1/3
schwere körperliche Arbeit.
Unter "guter Arbeit" verstehen die Beschäftigten
an erster Stelle ein festes, verlässliches Einkommen
und zweitens die Sicherung des Arbeitsplatzes, bevor
sinnliche (wie Spaß, Würde und Sinn der
Arbeit) und soziale Merkmale wie Kollegialität
genannt werden. Ansatzpunkte für gewerkschaftliche
Arbeit sah die Referentin darin, dass trotz der vielen
Jahre neoliberaler Propaganda immer noch mehr als
¾ der Menschen für unbefristete Arbeitsverhältnisse
und Begrenzung der Einkommensunterschiede seien. Man
müsse die Existenzängste ernst nehmen und
Strategien zum Abbau der Angst entwickeln. "Prekarisierung
gerät ins Zentrum von Gewerkschafts- und Gesellschaftspolitik."
Es gehe darum, "untere Haltelinien" zu erkämpfen,
z.B. einen branchenübergreifenden Mindestlohn,
-Arbeitszeitunter- und Obergrenzen und einen besonderen
Schutz der befristet Beschäftigten und Leiharbeiter.
"Arbeitspolitik muss bei den Prekarisierten beginnen."
Das Bedürfnis nach sinnlicher Arbeit, nach Einfluss,
nach gesunden und persönlichkeitsfördernden
Arbeitsbedingungen müsse ernst genommen werden.
Es gehe auch darum, die Auswirkungen der Arbeitsbedingungen
auf den gesamten Lebenszusammenhang deutlich zu machen.
Gerade das Verbiegen der Menschen durch den Markt
sei Ausgangspunkt für eine Kritik des flexiblen
Kapitalismus. Arbeitsbedingungen, so Tatjana Fuchs
abschließend, waren immer umkämpft. Das
mühsam Errungene heute zu verteidigen sei auch
eine Verteidigung der Arbeits- und Lebensbedingungen
der nachfolgenden Generationen.
In der Diskussion wurde das Referat als äußerst
inhalts- und hilfreich sehr gelobt. Ein ver.di Betriebsrat
wies darauf hin, dass die Gewerkschaft heute im Betrieb
an die prekär Beschäftigten viel schlechter
herankomme als früher an die Stammbelegschaften.
Hans Keller (IG Metall) stellte zur Diskussion, dass
in der Forderung nach einem branchenübergreifenden
Mindestlohn auch die Gefahr liege, dass z.B. der IG-Metall
Mindestlohn auf das Niveau etwa des Gaststättengewerbes
herabgedrückt werden könnte. Sonja Schmid
(isw, Sozialforum) warb für die Verbindung von
Sozialforums- und Gewerkschaftsbewegung: "Die
Gewerkschaften haben auch eine Verantwortung dafür,
dass und wie Themen der Zukunft der Arbeit in der
Sozialforumsbewegung behandelt werden." Hubert
Thiermeyer (ver.di, isw) rief dazu auf, gerade angesichts
der riesigen Probleme - wenn sich z.B. Beschäftigte
gegen ihren Betriebsrat wenden, weil er auf Arbeitnehmerrechten
besteht - auch positive Beispiele erfolgreicher Gewerkschaftsarbeit
zu verbreiten, nicht nur das Negative zu betonen.
Ein solches Beispiel gab im folgenden Referat Klaus
Pickshaus (IG Metall), der über "Gute Arbeit"
sprach, ein über drei Jahre angelegtes Kampagnenprojekt
der IG Metall. Bezugspunkt des Projektes sei der Umbruch
der Arbeitsgesellschaft, angeknüpft werde an
frühere Kampagnen die "Humanisierung der
Arbeit". Der Umbruch werde deutlich anhand eines
programmatischen Artikels von Rainer Hank, (FAZ vom
3.7.2003): Die Arbeitskraft solle wieder eine Ware
wie jede andere werden; eine Welt ohne Gewerkschaft
sei wieder denkbar, der Arbeitsmarkt müsse ein
Markt wie jeder andere werden und für all dies
müsse die Politik die Voraussetzungen schaffen.
Oder, wie der Vorstandsvorsitzende von MAN es formuliert:
"Das Band kann schneller laufen, die Leute können
länger arbeiten, die Löhne sinken. Mehr
Möglichkeiten sehe ich nicht." Ziel des
Projektes "Gute Arbeit" sei demgegenüber,
Aktivitäten für eine humane Gestaltung der
Arbeitswelt anzustoßen, eine "Menschengerechte
Arbeitsplatzgestaltung" als Querschnittsaufgabe
zu verankern und die IGM als "Treiber" für
gute Arbeit zu profilieren. Gute Arbeit, so Pickshaus,
sei für eine Arbeiterin in einer Umfrage z.B.:
"Gesund alt werden und Spaß dabei haben".
Themen des Projektes seien 1. ein gesundes Maß
der Arbeit, also Arbeitszeit und Leistungsdruck begrenzen.
2. Alternsgerechte und lernförderliche Gestaltung
der Arbeit und 3. die Einschränkung prekärer
Beschäftigung. Sie belaste die Gesundheit und
in Betrieben mit solchen Beschäftigungsformen
würden die Arbeitsbedingungen für alle verschlechtert.
Sinn des Projektes sei die "Repolitisierung der
Arbeitsbedingungen"; die Qualität der Arbeit
solle zu einem gesellschaftspolitischen Thema gemacht
werden. Zweitens solle betriebspolitische Handlungsfähigkeit
entwickelt und drittens die "Verschränkung
von Arbeit und Leben" gefördert werden.
Es gehe darum, schlechter Arbeit Grenzen zu setzen
und statt Anpassung Widerstandslinien aufzubauen.
In diesem Sinne sei "Gute Arbeit" Widerstandskonzept,
Interventionschance und Zukunftskonzept. "Die
Ausrichtung an Wettbewerbskriterien führt zu
einer Anpassungsspirale nach unten. Demgegenüber
müssen die autonomen Interessen der Beschäftigten
gestärkt werden." In diesem Sinne entwickle
das Projekt die Gewerkschaft als Kraft und Treiber
für "Gute Arbeit" in den Augen der
Beschäftigten.
In der Diskussion wurde gefragt, wie sich das Projekt
in der Tarifpolitik auswirke. Ein Kollege aus Niederbayern
bezeichnete die Kampagne für menschenwürdige
Arbeitsbedingungen als "unseren Beitrag zur Leitkultur".
Leo Mayer berichtete, dass es im Kampf um die Massenentlassungen
bei Siemens gleichzeitig um die Überführung
von regulären in Leiharbeitsverhältnisse
ging. Prekäre Arbeitsverhältnisse habe es
auch in den 60 er Jahren gegeben (Gastarbeiter), aber
damals als Ausdruck von Rückständigkeit.
Heute sei es umgekehrt: Prekarität sei heute
Ausdruck der Modernität des Kapitalismus. Von
daher müsse man von der Kritik an der flexiblen
Arbeit im Kapitalismus zur Kritik am Kapitalismus
selbst kommen. Weiter wurde gefragt, ob denn z.B.
Arbeit in einem Rüstungsbetrieb "gute Arbeit"
sein könne.
Der Referent räumte in seiner abschließenden
Antwort ein, dass die Diskussion über den Sinn
bestimmter Arbeitsplätze in der IG Metall im
Vergleich zu den Debatten um Rüstungskonversion
in den 70 er Jahren stark zum Erliegen gekommen sei.
Das Projekt sei einbezogen in alle tarifpolitischen
Konferenzen der IG Metall, ein Riesenfortschritt.
Es werde auch versucht, zu diesem Thema europaweit
zu kooperieren, mit dem Ziel, "gute Arbeit"
zum Vorhaben des Europäischen Metallarbeiterbundes
zu machen.
Das letzte Referat hielt Margret Mönig-Raane
von der die Tagung mitveranstaltenden Gewerkschaft
ver.di. Sie berichtete unter dem Titel "Wem gehört
die Zeit" über die arbeitszeitpolitische
Initiative von ver.di. Ein Thema seien "Biografieorientierte
Lebensarbeitszeitkonten", die für die Beschäftigten
durchaus eine Chance seien, wenn die Konten z.B. gegen
Insolvenz gesichert seien, bei Arbeitsplatzwechsel
in einen anderen Betrieb mitgenommen werden könnten
und anderes mehr. Ein anderes Handlungsfeld sei das
Schnäppchenjägertum; zu kaufen, wo es am
billigsten ist, ohne nach den Bedingungen zu fragen,
unter denen produziert wurde. Wichtig sei der Flächentarifvertrag,
Mindestbedingungen müssten erhalten und gesichert
werden. Den Anknüpfungspunkt Existenzängste
müsse man ernst nehmen, aber ohne die Angst noch
zu vergrößern, was nur zu Resignation und
noch mehr Zugeständnissen führe. Das Schwierigste
und Wichtigste sei immer, sofort im Betrieb Handlungsalternativen
aufzuzeigen. "Je mehr wir anderen Macht zuschreiben,
desto mehr lähmen wir uns selbst", meine
Margret Mönig-Raane. Jeder Einzelne könne
in seinem Umfeld etwas tun, man müsse Selbstbewusstsein
entwickeln und nicht alle Probleme auf die Gewerkschaftsführung
schieben. "Jede Handlungsmöglichkeit offensiv
nutzen, keine 'Naturgesetze' akzeptieren, Bildung
entwickeln. Es gibt Aufs und Abs, aber wenn wir an
unsere Kraft glauben, können wir im Auf sein.
Es geht um ein lebenswertes Leben nicht erst in der
Rente, sondern jeden Tag. Alles ist möglich!",
schloss die Referentin optimistisch.
In der Diskussion problematisierte Tatjana Fuchs
die Lebensarbeitszeitkonten. Darin sehe sie mehrere
Gefahren, so dass in bestimmten Lebensphasen die tägliche
Arbeitszeit weit über 8 Stunden steigen müsse,
um Zeit anzusparen, was gesundheitspolitisch nicht
zu vertreten sei. Ein "Arbeitszeitkonto"
suggeriere eine falsche Gleichsetzung von Arbeit mit
Geld, denn Geld würde verzinst, geleistete Arbeitszeit
aber sei einfach weg. "Was ist, wenn die Leute
mit 50 sterben, weil sie zu viel Arbeitszeit auf ihr
Konto gehäuft haben?" Viel vorwärts
weisender sei der Kampf um die Beschränkung der
täglichen Arbeitszeit, der durch Lebensarbeitszeitkonten
nur behindert werde. Leo Mayer argumentierte in die
selbe Richtung und verwies auf die negativen Erfahrungen
aus der "Zeitsouveränitätsdebatte".
"In der Krise werden die Konten immer größer,
weil sich niemand die Zeit nimmt. Es geht in Wirklichkeit
um die Anpassung der Arbeitszeit an konjunkturelle
und Auftragsbedingungen." Hubert Thiermayer berichtete
über den Kampf bei Druck & Papier gegen die
Zurückdrängung der 35 St. Woche sowie um
die Auseinandersetzung im Einzelhandel bei Karstadt
und Kaufhof, die einzigen Bereiche, in denen Tariföffnungsklauseln
noch nicht durchgesetzt werden konnten. "Wenn
wir diese Positionen halten, können wir neue
Kraft schöpfen. Wenn Kollegen sagen, sie kaufen
nicht mehr bei Lidl ein, muss man so etwas verbreiten!"
Margret Mönig-Raane verwies in ihrer Antwort
auf weitere Beispiele, die Optimismus machten, so
auf die Vereinbarung von Telekom, wo 10 000 Arbeitsplätze
nicht abgebaut würden, weil die Beschäftigten
weniger arbeiten. Veränderungen der Arbeitszeit
seien heute im Vergleich zu 1999 sehr viel öfter
Verkürzungen, nur werde fast ausschließlich
über die Verlängerungen berichtet. Zur Frage
nach den Arbeitszeitkonten bzw. zur "Zeitsouveränitätsdebatte"
räumte sie ein, dass in solchen Konzepten immer
Gefahren lauerten, das mache ihren Doppelcharakter
aus. "Wenn wir aber einfach sagen, die Gefahr
des Missbrauchs sei zu hoch, werden solche Konzepte
eben ohne die Gewerkschaft eingeführt."
Zur internationalen Vernetzung, die in der Diskussion
ebenfalls angefragt wurde, verwies sie auf das Beispiel
des Konzerns Walmart, wo bisher nur in Deutschland
Betriebsräte erkämpft wurden, die internationale
Zusammenarbeit mit den ohne Vertretung im Betrieb
dastehenden KollegInnen in anderen Ländern aber
entwickelt werde.
Nach insgesamt 10 Stunden spannender Referate und
Diskussionen schloss Tatjana Fuchs das 13. isw-forum.
"Zukunft der Arbeit" sei das vielleicht
zentrale Thema der Gesellschaftspolitik. Wenn die
Maßlosigkeit der Kapitalbesitzer die Gesellschaft
spalte, sei es an der Zeit, sich zu widersetzen. Oskar
Negt habe am ersten Tag den Blick über die Erwerbsarbeit
hinaus erweitert, die Referate und Diskussionen des
zweiten Tages hätten die Ansprüche der Beschäftigten
im Betrieb für menschengerechte Arbeit formuliert.
Ein isw-forum, das deutlich machte, gegen wen jede
humane Arbeitspolitik durchgesetzt werden muss: Gegen
die maßlose und menschenfeindliche neoliberale
Marktlogik. Gerade auch in Betrieben und Gewerkschaften
beginnen sich die Gegenkräfte zu entwickeln und
Zukunftskonzepte zu erarbeiten. Das isw-forum "Zukunft
der Arbeit" hat hierzu einen wichtigen Beitrag
geleistet.
JüKö
Proteste gegen die NATO- "Sicherheitskonferenz"
am 11./12. Februar im München!
Wieder treffen sich im Februar NATO-Regierungsvertreter,
Militärstrategen, Generäle und Rüstungsexperten
in München, und wieder mobilisieren Kriegsgegner
dagegen, denn: "Die im Nobelhotel Bayerischer
Hof hinter verschlossenen Türen tagenden und
von einer gigantischen Polizeimacht geschützten
EU- und NATO-Repräsentanten behaupten, bei der
Konferenz gehe es um Frieden und internationale Sicherheit.
Das Gegenteil ist der Fall: Hier werden Militärstrategien
koordiniert, Pläne für gemeinsame Kriegseinsätze
abgesprochen und Kriegskoalitionen für Angriffskriege
geschmiedet. 1999 war es der NATO-Krieg gegen Jugoslawien,
2002 der sogenannte 'Krieg gegen den Terror', 2003
ging es um die Beteiligung am Angriffskrieg gegen
den Irak und 2004 stand die Besatzungsherrschaft im
Irak auf dem Programm", heißt es im Aufruf
des
Aktionsbündnisses gegen die NATO-Sicherheitskonferenz.
"Für Frieden und Gerechtigkeit weltweit
- Nein zu Militarisierung und Krieg!" - unter
diesem Motto findet am Samstag, dem 12. Februar ab
12 Uhr Marienplatz die Internationale Demonstration
gegen die Kriegstreiber statt.
Die geplante Teilnahme von Kofi Annan, Generalsekretär
der Vereinten Nationen, an der "Sicherheitskonferenz"
wird dieser Tage von den Veranstaltern um Horst Teltschik
genutzt, um vom wahren Charakter der Konferenz abzulenken.
Sie ändert aber, so das Aktionsbündnis,
"rein gar nichts am militärpolitischen Charakter
dieser NATO-Tagung". Und "wir wollen derartige
Kriegskonferenzen weder in München noch anderswo.
Und erst recht wollen wir nicht, dass notorische Kriegsverbrecher
wie Donald Rumsfeld und Condoleezza Rice in München
willkommen geheißen werden". Das Bündnis
München gegen Krieg hat am 13. Januar Kofi Annan
in einem Offenen Brief dringend von einer Teilnahme
abgeraten, denn "im Ergebnis würde Ihre
Teilnahme an dieser Konferenz ... als Billigung der
militär- und machtpolitischen Ziele der NATO
interpretiert werden ... dafür sollten Sie sich
nicht hergeben." Wenn in München die nächsten
US- und NATO-Kriege geplant werden - nach aktuellen
Presseberichten droht als nächstes eine US-Aggression
gegen den Iran - muß man auf die Strasse gehen.
"München leuchtet - im Grün der Uniformen"
betitelt die SZ am 13.1. ihren Vorbericht. 4800 Beamte
sollen die Warlords vor KriegsgenerInnen schützen.
Es wird darum gehen, wiederum deutlich zu machen,
dass München diese Treffen der Kriegstreiber
nicht will! Wir rufen alle Leserinnen und Leser auf,
sich an den Aktionen zu beteiligen. Wir sehen uns
um 12 Uhr auf dem Marienplatz!
Wir dokumentieren den Aufruf "Bündnis München
gegen Krieg":
Für Frieden und soziale Gerechtigkeit weltweit
-
Nein zu Krieg und Militarisierung
Die jährlich stattfindende so genannte
Sicherheitskonferenz in München ist ein Treffen
von Regierungsvertretern aus den NATO-Staaten, von
Militärstrategen, Generälen und Rüstungsexperten.
Die im Nobelhotel Bayerischer Hof hinter
verschlossenen Türen tagenden und von einer gigantischen
Polizeimacht geschützten EU- und NATO-Repräsentanten
behaupten, bei der Konferenz gehe es um Frieden und
internationale Sicherheit. Das Gegenteil ist der Fall:
Hier werden Militärstrategien koordiniert, Pläne
für gemeinsame Kriegseinsätze abgesprochen
und Kriegskoalitionen für Angriffskriege geschmiedet.
1999 war es der NATO-Krieg gegen Jugoslawien, 2002
der sogenannte "Krieg gegen den Terror",
2003 ging es um die Beteiligung am Angriffskrieg gegen
den Irak und 2004 stand die Besatzungsherrschaft im
Irak auf dem Programm.
Die wirtschaftlich und politisch Mächtigen
der Welt, insbesondere der USA, Deutschlands und der
anderen EU -Staaten beanspruchen für sich das
Recht "auf ungehinderten Zugang zu Märkten
und Rohstoffen in aller Welt". Sie wollen ihre
wirtschaftlichen Interessen und ihre globalen Machtansprüche
notfalls mit militärischer Gewalt gegen den Rest
der Welt durchsetzen. Folgen einer solchen Gewaltpolitik
sind globale Verarmung, Zerstörung demokratischer
und sozialer Rechte und die Vernichtung natürlicher
Lebensgrundlagen. Die Kriege der jüngsten Zeit
haben dies gezeigt.
Wir wenden uns gegen ein System, das
sich ausschließlich am Profit orientiert und
das sowohl in Friedens- wie in Kriegszeiten über
Leichen geht. Dazu gehören die hermetische Abschottung
der Außengrenzen der EU und der USA gegenüber
Flüchtlingen und MigrantInnen - und in Deutschland:
rassistische AusländerInnengesetze, die Abschaffung
des Asylrechts, Naziterror und Mord.
Seit Jahren ist der konsequente Aufbau
eines militärischen Drohpotentials Bestandteil
der EU-Politik. Dazu gehört unter anderem auch
die in der vorgesehenen EU-Verfassung festgeschriebene
Verpflichtung zur Aufrüstung: So werden in Deutschland
für neue Rüstungsprogramme in den nächsten
10 Jahren 150 Mrd. Euro veranschlagt. Bereits heute
ist Deutschland drittgrößter "Truppensteller"
bei internationalen Militäreinsätzen.
Militarisierung nach außen und
Demontage des Sozialsystems nach innen sind zwei Seiten
einer Medaille: Mit der Durchsetzung von "Agenda
2010" und "HartzIV" betreibt die Allianz
aus Unternehmern, Kapitaleignern und der großen
parlamentarischen "Reformkoalition" (CDU/CSU,
SPD, Grüne, FDP) mit dem Argument der globalen
Standortkonkurrenz Sozialkahlschlag.
Weltweiter Protest gegen diese menschenfeindliche
Politik der kapitalistischen Globalsierung hat sich
entwickelt, wo immer sich die neoliberalen Kriegs-
und Wirtschaftsstrategen trafen: in Seattle, Genua,
Prag, Davos, Barcelona und München, aber auch
durch die seit Porto Alegre entstandene Sozialforumsbewegung.
Wir erklären den NATO-Kriegsstrategen:
Euer Treffen ist in München und anderswo unerwünscht.
Eurer Politik setzen wir weltweit Widerstand entgegen.
Krieg und Sozialkahlschlag bedroht uns
alle: Arbeitslose und Beschäftigte, Jugendliche
und Rentner, Menschen mit oder ohne deutschem Pass.
Nur gemeinsam können wir wirksam Alternativen
durchsetzen, um eine friedliche und gerechte Welt
zu schaffen.
Wir sind ein breites Bündnis unterschiedlicher
Gruppen mit verschiedenen Vorstellungen von Protest
und Widerstand. Wir kritisieren aus unterschiedlichen
Positionen weltweite Ungerechtigkeit und staatliche
Gewaltpolitik. Diese Vielfalt ist unsere Stärke.
Stoppt die weltweite Kriegs- und Besatzungspolitik
der NATO-Staaten
Für ein soziales Europa - Keine EU-Militärmacht
Gegen jegliche deutsche Kriegsbeteiligung - Keine
Auslandseinsätze der Bundeswehr
Internationale Solidarität gegen Ausbeutung und
Unterdrückung
Statt sozialer Demontage und Aufrüstung - Umverteilung
von oben nach unten
No justice - no peace/ Ohne Gerechtigkeit kein Frieden
AK Aktiv gegen Rechts AK Internationalismus,
München AMS - Assoziation Marxistischer
StudentInnen AnarKoM - AnarchistInnen/RätekommunistInnen
attac München Bayerischer Flüchtlingsrat
BIFA - Münchner Bürgerinitiative
für Frieden und Abrüstung BUKO -
Bundeskoordination Internationalismus Bundesausschuß
Friedensratschlag Bündnis München
gegen Krieg Deutscher Freidenkerverband - München
DFG/VK - Deutsche Friedensgesellschaft Vereinige
Kriegsdienstgegnerinnen Landesverband Bayern
DIDF - Föderation der demokratischen Arbeitervereine
aus der Türkei Die Naturfreunde München-Süd
DKP - Deutsche Kommunistische Partei, München
FAU München fortsetzung folgt
Freundschafsgesellschaft BRD-Cuba München
Friedensaktion Palästina, München
Friedenstreiberagentur Düsseldorf GEW
- Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft - Stadtverband
München Initiative Emanzipation ad Humanum
IMI - Informationsstelle Militarisierung
Karawane für die Rechte der Flüchtlinge
und MigrantInnen München Libertad! Süd
Münchner Friedensbündnis Netzwerk
Selbsthilfe e.V. München Öffentliche
Aufforderung zum gewaltfreien Widerstand gegen Rüstung
und Krieg Ökumenisches Büro für
Frieden und Gerechtigkeit Pax Christi München
PDS - Partei des Demokratischen Sozialismus
München Revolutionär Sozialistischer
Bund/IV. Internationale SDAJ - Sozialistische
Deutsche Arbeiterjugend, Bayern solid Bayern
Sozialistische Aktion München (SAM)
ver.di - Vereinigte Dienstleistungsgewerkschaft Bezirk
München VVN/BdA - Vereinigung der Verfolgten
des Naziregimes / Bund der Antifaschisten
Das "Bündnis
München gegen Krieg" bittet Organisationen,
Gruppen und Initiativen den Aufruf zu unterstützen
und zu den Protesten zu mobilisieren - Zur Durchführung
brauchen das Bündnis großzügige Spenden.
Unterstützungserklärung
per E-Mail an: gegensiko@gmx.de
per Post an: Friedensbüro, Isabellastr. 6, 80798
München
per Fax an: 089/2715917
Unterstützungsbeitrag
(für einzl. Gruppen 50-100€) auf folgendes
Konto: Stichwort 'no-nato', Konto Martin Löwenberg,
Konto Nr. 28264802, BLZ 70010080, Postbank München
5-6000 in München gegen
Kriegstagung auf der Straße
Auch in diesem Jahr demonstrierten wieder
fast 6000 Menschen am 12. Februar gegen die NATO-Sicherheitskonferenz.
Claus Schreer, Sprecher des Aktionsbündnisses, erklärte
in seiner Eröffnungsrede den Grund: "Selbstverständlich
geht es weder den NATO-Kriegsministern, weder den hohen
NATO-Militärs noch den Topmanagern der weltweit größten
Rüstungskonzerne, die sich im Bayerischen Hof versammelt
haben, um Frieden, um Völkerverständigung oder
gar um soziale Gerechtigkeit auf dem Globus. Das ist gar
nicht ihr Job. Ihr Job ist der Krieg. Ihr Job ist die militärische
Absicherung der Profit- und Machtinteressen einer kleinen
Mehrheit gegen den Rest der Welt. Ihr Job ist es, den Zugriff
und die Kontrolle der Rohstoffe und Energieressourcen notfalls
mit Krieg durchzusetzen. Ihr Job ist die militärische
Absicherung eines Systems, das sowohl in Friedens- wie in
Kriegszeiten über Leichen geht." Die Auszeichnung
Kofi Annans mit einer Friedensplakette auf der Konferenz
seitens der Veranstalter, so Schreer, sei in etwa das gleiche,
als wenn sich die internationale Drogenmafia dazu entschließt,
eine Medaille "Keine Macht den Drogen" zu verleihen.
Von der Bundesregierung verlangte Schreer "wirkliche
Kriegsgegnerschaft", nämlich
"- Abzug aller im Ausland eingesetzten Bundeswehrtruppen;
- die Verweigerung jeglicher Kriegsunterstützung, jeder
Art Hilfsleistungen für die illegale Besatzungsherrschaft
im Irak und den von den USA geplanten Krieg gegen den Iran.
- Verweigerung von Überflugrechten
- und Verweigerung von Truppen- und Waffentransporten über
das Territorium der Bundesrepublik."
Internationale Friedenskonferenz
am 11.2. - OB Ude erpresst die Friedensbewegung!
Ein unerhörter Vorgang macht zur Zeit
auch bundesweit Schlagzeilen: Der Münchner Oberbürgermeister
Christian Ude (SPD) hat die Nutzung des Alten Rathauses
für die Internationale Friedenskonferenz am 11.2. und
eine finanzielle Unterstützung durch das Kulturreferat
von zwei Bedingungen abhängig gemacht, die unmittelbar
die Arbeit der 60 den Aufruf unterzeichnenden und im Trägerkreis
mitarbeitenden Organisationen zensieren:
Erstens musste eine Aufruf-Passage geändert
werden. Nicht irgendeine. Hieß es im Aufruf "Nach
den Kriegen GEGEN Jugoslawien, Afghanistan und den Irak
...", so heißt es nun, nach der Zensur: "Nach
den Kriegen IM EHEMALIGEN Jugoslawien, IN Afghanistan und
IM Irak...".Zwei, drei kleine Wörtchen machen
so aus völkerrechtswidrigen NATO- bzw. US-Angriffskriegen
gegen souveräne Staaten plötzlich Kriege "in",
teils ehemaligen Staaten, die offensichtlich irgendwie ausgebrochen
sind und von Unbekannten zu verantworten sind. Das Bündnis
München gegen Krieg hierzu treffend in einer Pressemitteilung:
"Wer aufgrund der Mitverantwortlichkeit seiner Partei
an diesen Kriegen die Wahrheit verdreht, tut das offensichtlich
mit der Absicht, Teile der Friedensbewegung von konsequenten
Positionen abzubringen und sie mit regierungsoffizieller
Politik kompatibel zu machen."
Die zweite Bedingung, ebenfalls ohne jedwede Begründung
ausgesprochen, lautete: Die DKP muss von der Unterstützerliste
gestrichen werden! Hierzu zitieren wir die Presseerklärung
von attac München: "Ihre Forderung, eine Unterstützergruppe
aus der Liste zu streichen, ist per se schon ein unerhörter
Vorgang. Dass die DKP getroffen werden soll, empfinden wir
als Rückfall in den Kalten Krieg. Wir können dazu
nicht schweigen. Dieser Akt der Ausschließung von
Kommunisten empört uns, weil Kommunisten in der Friedensbewegung
und im antifaschistischen Widerstand eine anerkannte Bedeutung
haben. Dieser Akt empört uns auch, weil er historische
Erinnerungen wachruft, die uns zutiefst berühren."
Ein Teil der Friedensbewegung hat die Kröten
geschluckt, die Friedenskonferenz wird stattfinden und hoffentlich
trotzdem durch klare Antikriegsaussagen zu einer glaubhaften
Gegenveranstaltung zur NATO-Kriegstagung im Bayerischen
Hof werden. OB Ude hat bewiesen, dass ihm trotz seiner klaren
Worte gegen die "Sicherheitskonferenz" im letzten
Jahr Regierungstreue und Antikommunismus wichtiger sind
als Friedenspolitik. Die Friedenskonferenz hat er geschwächt:
Aufgrund seiner Erpressung hat das Bündnis München
gegen Krieg seine Unterstützungsunterschrift zurückgezogen,
attac München hat den Trägerkreis der Friedenskonferenz
verlassen.
Carl-von-Ossietzky-Medaille
an Antifaschisten
Ehrung für Esther Bejarano, Peter Gingold,
Martin Löwenberg und Percy MacLean
Wie jedes Jahr verlieh die Internationale Liga für
Menschenrechte anlässlich des Tages der Menschenrechte
im Dezember die Carl-von-Ossietzky-Medaille an Personen,
die sich um Verteidigung, Durchsetzung und Fortentwicklung
der Menschen- und Bürgerrechte besonders verdient
gemacht haben sowie an Menschen, die vorbildliche antifaschistische
und antirassistische Arbeit leisten.
In diesem Jahr ging der Preis an den Berliner
Verwaltungsrichter Percy McLean und die bekannten AntifaschistInnen
jüdischer Herkunft Esther Bejarano, Peter Gingold,
Martin Löwenberg. Seit 1962 gibt es die die Carl-von-Ossietzky-Medaille.
Die Liste der bisherigen Preisträger liest sich wie
ein Who´sWho bundesdeutscher Geistesgeschichte.
Preisträger waren u. a. Günter Grass, Heinrich
Böll, Helmut Gollwitzer, Heinrich Albertz, Willi
Bleicher Gert Bastian, William Borm, Heinz Brandt, Martin
Niemöller, Günter Wallraff, Lea Rosh, Erich
Fried, Klaus Bednarz, Wolfgang Richter, Volker Ludwig
und das GRIPS-Theater Berlin, Hannes Heer für das
Team der Ausstellung "Vernichtungskrieg. Verbrechen
der Wehrmacht 1941 bis 1944" und im letzten Jahr
die Bürgerinitiative FREIe HEIDe und Gerit von Leitner
für ihren Kampf gegen Militarisierung, Krieg und
Rüstungsinteressen.
In der Begründung der diesjährigen
Verleihung beim Festakt am 12. Dezember in Berlin sagte
der Präsident der Liga für Menschenrechte Dr.
Rolf Gössner unter anderem: "Percy MacLean wird
für sein aufklärerisches Wirken und seine dem
Antidiskriminierungsgebot verpflichtete justizielle Tätigkeit
gewürdigt. Oft gegen starke Widerstände aus
Behörden und Politik hat er vor allem in Flüchtlingsfragen
klare menschenrechtliche Akzente gesetzt. Als erster Direktor
des ´Deutschen Instituts für Menschenrechte´
hat er sich dafür stark gemacht, nicht allein Menschenrechtsverletzungen
in fernen Ländern zu thematisieren, sondern auch
die Menschenrechtslage in Deutschland zu beleuchten -
etwa den Umgang mit Flüchtlingen. Das hat ihn letztlich
seine Stellung gekostet.
Esther Bejarano, Peter Gingold und Martin
Löwenberg stehen stellvertretend für viele,
die in der NS-Zeit aus politischen, häufig zugleich
aus ´rassischen´ Gründen verfolgt worden
waren, aktiv gegen das Naziregime gekämpft hatten
und dann in der Bundesrepublik wegen ihres antifaschistisch-sozialistischen
Engagements kriminalisiert, teils sogar inhaftiert wurden;
die sich aber trotz alledem weiter aktiv gegen Rassismus
und Neonazismus engagiert haben und, bis ins hohe Alter,
immer noch so engagieren - unter anderem in der ´Vereinigung
der Verfolgten des Naziregimes - Bund der Antifaschisten´
(VVN-BdA), der alle drei angehören. Heute noch stellen
sie sich Nazi-Aufmärschen in den Weg und sind als
kritische Zeitzeugen gerade für junge Menschen wertvolle
Gesprächspartner. - Indem wir den von allen vier
Preisträgern auf unterschiedliche Weise geführten
politischen und rechtlichen Kampf gegen Diskriminierung,
Rassismus und Neonazismus in dieser Gesellschaft ehren,
wollen wir ein Zeichen setzen gegen den fatalen Rechtsruck
hierzulande, gegen Antisemitismus, Islamophobie und rechte
Gewalt."
Die letztjährigen Preisträger
Gerit von Leitner und für die Bürgerinitiative
FREIe HEIDe Pfarrer Benedikt Schirge hielten die Laudationen
auf ihre Nachfolger. Pfarrer Schirge sagte über die
drei PreisträgerInnen aus den Reihen der VVN: "Die
Internationale Liga für Menschenrechte zeichnet heute
Menschen aus, die mit ihrem ganzen Leben für eine
zivile, für eine menschliche Gesellschaft stehen.
Die selber und mit ihnen ihre Familien die Grausamkeiten
des Nationalsozialismus erleben mussten und - das muss
man auch betonen - diese überleben konnten. Die gehofft
hatten: So etwas kann und wird nicht wiederkommen, und
die erleben mussten und müssen, dass das faschistische
Gedankengut nie ausstarb, sondern immer wieder Nährboden
fand und findet.
Es ist manches gelungen, was auf der Potsdamer
Konferenz im Jahre 1945 gefordert wurde, dass beispielsweise
die ´erfolgreiche Entwicklung demokratischer Ideen
möglich gemacht´ wurde. Dass die ´nazistischen
und militaristischen Lehren völlig entfernt´
wurden, wie es auch in den Grundsätzen steht, kann
man jedoch nicht behaupten. Dieses ist aber notwenig,
um allen Menschen ein Leben in Würde und mit gleichen
Rechten zu garantieren. Und die Sicherheitsdienste dieses
Landes sollten sich nicht nur schämen, wie sie mit
Verfolgten des Naziregimes in einer Demokratie umgegangen
sind und umgehen, nein, es muss ihnen endlich rechtlich
Einhalt geboten werden, als mögliche Extremisten
beobachtet zu werden. Extrem ist, was sie in ihrem Leben
durchmachen mussten."
Bewegende Worte fanden die Preisträger
in ihren Dankesreden. Die Ehrung setzt ein Zeichen, dass
es weit über das linke Lager hinaus eine neue Entschlossenheit
geben kann, dem braunen Spuk unserer Tage gemeinsam entgegenzutreten.
Die Liga für Menschenrechte hat sich ihres Namens
und ihres Gründungsvaters Carl von Ossietzky würdig
erwiesen.
"... sie wollten,
dass sie ohne Kampf in den Tod gehen"
Aus der Dankesrede von Esther Bejarano
Als 15-Jährige musste ich mich von
meinen Eltern und Geschwistern trennen. Es folgte das
Vorbereitungslager zwecks Auswanderung nach Palästina.
1941 Zwangsarbeitslager Neuendorf, bei Fürstenwalde/Spree,
dort leistete ich zwei Jahre Zwangsarbeit in einem Blumenhaus
und Gärtnerei in Fürstenwalde. Am 20. April
1943 fuhren alle Insassen des Arbeitslagers in Viehwaggons
ab Berlin, aus dem Sammellager in der Großen Hamburger
Straße mit über 1000 jüdischen Menschen
bei unmenschlichen Zuständen nach Auschwitz-Birkenau.
Vier Wochen lang, die mir wie vier Jahre vorkamen, musste
ich schwere Steine von einer Seite eines Feldes zur anderen
Seite schleppen. Am nächsten Tag musste ich die selben
Steine wieder zurückschleppen. Ich war am Ende meiner
Kräfte. Ich hatte großes Glück, dass in
dem Block, in dem ich übernachtete, eines Abends
Frau Tschaikowska, eine polnische Musiklehrerin, nach
Frauen suchte, die ein Instrument spielen konnten. Die
SS befahl ihr, ein Mädchenorchester aufzustellen.
Ich meldete mich, sagte, dass ich Klavier spielen könne.
Ein Klavier haben wir hier nicht, sagte Frau Tschaikowska.
Wenn du Akkordeon spielen kannst, werde ich dich prüfen.
Ich hatte nie zuvor ein Akkordeon in der Hand. Ich musste
alles versuchen, um nicht mehr Steine schleppen zu müssen.
Ich sagte ihr, dass ich auch Akkordeon spielen könne.
Sie befahl mir, den deutschen Schlager "Du hast Glück
bei den Frauen, Bel Ami" zu spielen. Ich kannte diesen
Schlager, bat sie um ein paar Minuten Geduld, um mich
wieder einzuspielen. Es war wie ein Wunder. Ich spielte
den Schlager sogar mit Akkordbegleitung und wurde gemeinsam
mit zwei Freundinnen in das Orchester aufgenommen.
Die Funktion des Mädchenorchesters
in Auschwitz-Birkenau war, am Tor zu stehen und zu spielen,
morgens, wenn die Arbeitskolonnen ausmarschierten und
abends, wenn sie ins Lager zurückkamen. Wir alle
hatten ein schlechtes Gewissen weil wir sozusagen halfen,
dass die Gefangenen im Gleichschritt marsch, marsch nach
unserer Musik marschieren mussten.
Aber es kam noch schlimmer. Die SS befahl
uns, am Tor zu stehen und zu spielen, wenn neue Transporte
ankamen in Zügen, in denen unzählige jüdische
Menschen aus allen Teilen Europas saßen, die auf
den Gleisen fuhren, die bis zu den Gaskammern verlegt
wurden, und die alle vergast wurden. Die Menschen winkten
uns zu, sie dachten sicher wo die Musik spielt, kann es
ja nicht so schlimm sein. Das war die Taktik der Nazis.
Sie wollten, dass all die Menschen ohne Kampf in den Tod
gehen. Wir aber wussten, wohin sie fuhren. Mit Tränen
in den Augen spielten wir. Wir hätten uns nicht dagegen
wehren können, denn hinter uns standen die SS-Schergen
mit ihren Gewehren.
Aus der Dankesrede von Peter Gingold
Doch gibt es auch für mich Hoffnung
in diesem Land. Denn ich erlebe immer wieder eine Jugend,
die nicht den Schlussstrich unter der Vergangenheit zieht,
die Auschwitz nicht vergisst, die den Neonazis nicht die
Straße freigibt, sich gegen alles stellt, was zu
einem Rückfall in eine ähnliche braune Barbarei
führen könnte, für das Menschenrecht auf
Leben in Frieden, nie wieder Faschismus und Krieg. Jugendliche
fragen mich oft, was ich empfehle, was man tun kann.
Da sage ich, ich habe keine Rezepte, aber
ich erzähle eine kleine Geschichte, die vor einiger
Zeit meine Tochter erlebt hat, die alltäglich vorkommen
kann. Meine Tochter, eines Abends in der S-Bahn von Duisburg
nach Essen. Ein schwarzer Junge, der offenbar nicht wusste,
dass das aus dem Automaten gezogene Ticket zu entwerten
ist. Er wird kontrolliert. Also Schwarzfahrer, 40 Euro.
Der Junge begriff nicht warum, versteht kaum deutsch,
hatte auch kein Geld. Meine Tochter zum Kontrolleur: "Sie
sehen, er ist hilflos, drücken sie doch bei ihm die
Augen zu."
Der Kontrolleur: "Gerade bei ihm nicht!"
Er hatte es ja mit einem Schwarzen zu tun. Eine junge
Frau neben dran, bekommt es mit, ruft die Insassen auf
zu spenden und sammelte das Geld. Die 40 Euro kamen zustande,
der Kontrolleur nahm es. Ich erzähle diese Geschichte
deshalb: Meine Tochter spürte Unrecht, sie machte
den Mund auf. Siehe da, sie engagierte die nebenstehende
junge Frau, die wiederum fast alle Insassen mobilisiert.
Also, wo Unrecht geschieht, jemand muss den Mund aufmachen!
Wenn du den Mund aufmachst, du wirst erfahren, du stehst
nicht allein, du findest die Unterstützung anderer
Menschen, die das Gleiche empfinden. Du riskiert nicht
das, was wir damals riskierten, wenn du heute den Mund
aufmachst. Aber mach ihn so rechtzeitig auf, wo auch immer
du Unrecht empfindest, so rechtzeitig, damit du morgen
nicht das zu riskieren hast, was wir damals riskierten.
Aus der Dankesrede von Martin Löwenberg
Nazis aller Schattierungen stehen für
mich außerhalb des Verfassungsrahmens. Jede nazistische
Betätigung muss deshalb unterbunden werden. Aus dieser
Pflicht entlasse ich niemanden, auch nicht den Staat,
seine Polizei und Justiz. Da ich natürlich weiß,
dass Verfassungsfragen vor allem Machtfragen sind und
staatliche Stellen den Marsch der braunen Mobs zunehmend
legitimieren, geradezu Verfassungsrang einräumen,
bei gleichzeitiger Diffamierung und Kriminalisierung demokratischer
Gegenaktivisten, sage ich: Für mich ist von ausschlaggebender
Bedeutung das entschlossene, gemeinsame Handeln vieler
demokratischer und antifaschistischer BürgerInnen.
Nur diese bilden einen stabilen Damm gegen alle Varianten
des Faschismus. Von dieser Stelle aus möchte ich
mich bei all jenen bedanken, die in allen Teilen Deutschlands
mitbauen an der Errichtung dieses Dammes. Besonders Hoffnung
und Kraft gibt mir dabei das Engagement, die Zivilcourage
vieler junger Menschen, die den Feinden der Demokratie
nicht die Straße und die Köpfe überlassen.
Und sich - gleich mir - vor dem Strafrecht nicht fürchten.
In absehbarer Zeit wird es keine antifaschistischen
Zeitzeugen der Nazizeit mehr geben. Meine Bitte, ja mein
Appell richtet sich insbesondere an die jungen Menschen:
Sorgt ihr dafür, dass aus der BRD ein dauerhaftes
humanes antifaschistisches Gemeinwesen wird, in dem Nazismus,
Rassismus, Nationalismus und Militarismus kein Raum mehr
gegeben wird.
Schaut nicht weg, wo Menschenrechte verletzt
werden; lasst euch nicht wegnehmen, was noch an demokratischen
und sozialen Errungenschaften vorhanden ist, erkämpft
von euren Eltern und Großeltern.
Festigt das Band der Solidarität mit
den Benachteiligen und Ausgegrenzten in aller Welt. Übernehmt
ihr den noch immer zu erfüllenden Auftrag des antifaschistischen
Widerstandes, wie er im Schwur von Buchenwald formuliert
ist: "Die Vernichtung des Nazismus mit seinen Wurzeln
ist unsere Losung, eine neue Welt des Friedens und der
Freiheit ist unser Ziel."
Gedenken
in Berlin an Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht
Mehr als 80 000 Menschen kamen zu den Gräbern
von Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht in Friedrichsfelde.
Polizeiattacke auf Demonstranten
Foto: rotbild.de
In der Gedenkstätte der Sozialisten Berlin-Friedrichsfelde
gedachten am Sonntag Zehntausende Menschen der vor 86
Jahren ermordeten Arbeiterführer Rosa Luxemburg und
Karl Liebknecht. Die Mitbegründer der Kommunistischen
Partei Deutschlands (KPD) waren am 15. Januar 1919 von
Freikorpsoffizieren umgebracht worden. Ein Sprecher des
Veranstalters PDS sprach von 70 000 Teilnehmern, die Polizei
zählte 10 000. Zur separaten Liebknecht-Luxemburg-Demonstration,
die am Frankfurter Tor begann und sich gegen Demokratieabbau,
Rassismus, Antisemitismus und Nationalismus richtete,
kamen nach Veranstalterangaben über 10 000 Menschen.
Neun Demonstranten wurden festgenommen.
An der Ehrung in der Gedenkstätte nahm auch die
US-Bürgerrechtlerin Angela Davis teil. Sie hatte
am Sonnabend auf der X. Internationalen Rosa-Luxemburg-Konferenz
von junge Welt, Cuba Sí und Gesellschaft zum Schutz
von Bürgerrecht und Menschenwürde (GBM) den
Menschenrechtspreis 2004 der GBM entgegengenommen. Die
PDS-Führung eröffnete den Gedenkzug. Gekommen
waren auch der ehemalige DDR-Staatsratsvorsitzende- und
SED-Generalsekretär Egon Krenz sowie der Vorsitzende
der Europäischen Linken, Fausto Bertinotti.
aus: Junge Welt
Der Bündnisaufruf:
"1919 wurden Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht ermordet.
Das Grauen des I. Weltkrieges hatte ihre ohnehin unversöhnliche
Feindschaft gegen jene vertieft, denen der Krieg bekam,
wie eine Badekur. Ein Vierteljahrhundert später begannen
die Kriegsprofiteure den II. Weltkrieg, dessen Beendigung
sich am 8. Mai 2005 zum 60. Mal jährt. Das ist das
historische Umfeld, in dem der Bundesverband der deutschen
Industrie vom Kanzler fordert: »Die Transformation
der Bundeswehr von einer klassischen Verteidigungsarmee
hin zu hochmobilen Interventionskräften ist zwingend
erforderlich«.
Foto: rotbild.de
Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht ehrend demonstrieren
wir gegen imperialistische Kriege als den aggressivsten
Ausdruck der kapitalistischen Globalisierung. Wir wehren
uns gegen US-amerikanische Weltherrschaftspläne;
ebenso gegen jegliche imperialistische Bestrebungen Deutschlands,
der EU und der NATO und lehnen nicht zuletzt deshalb den
vorliegenden europäischen Verfassungsentwurf ab.
Wir demonstrieren gegen den untrennbar mit horrenden Rüstungsausgaben
verbundenen rapiden Sozialabbau. Die Agenda 2010 ist Ausdruck
asozialer Politik.
Wir wehren uns gegen Demokratieabbau und gegen sich verfestigende
faschistoide Tendenzen. Wir demonstrieren gegen Nazis,
Rassismus, Antisemitismus und Nationalismus. Wir werden
zeigen, dass wir dem Antifaschismus, der internationalen
Solidarität und dem Humanismus auf besondere Weise
verpflichtet sind.
Wir - Linke unterschiedlicher Strömungen - werden
am 9. Januar 2005 friedlich unsere Standpunkte und Forderungen
bekunden. Der Protest auf der Straße ist nötiger
denn je. Wir rufen zu einem breiten Bündnis auf."