Gedenken an Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht
mit Protesten gegen den Krieg und die »Agenda 2010«
in
Berlin
Nato-"Sicherheits-"Konferenz 6./7.02.2004 in München
DKP-Veranstaltung zum Internationalen Frauentag
20. März 2004: Weltweiter Aktionstag gegen Krieg -
Jahrestag des Überfalls auf den Irak
Europäischer Aktionstag gegen Sozialkahlschlag
am 3.4.04: Mehr als eine halbe Million
Seminar am Ammersee 31. Juli 2004
Über den revolutionären Prozess in Venezuela:
Interview mit Dr. Carolus Wimmer, 6.8.04
Zentrale Demo in Berlin am 2.9.04 in Berlin gegen Sozialkahlschlag/Hartz
IV
100. Geburtstag von Richard Scheringer, Veranst. am 18.09.2004
Kreismitgliederversammlung am 24. September 2004: DKP
München bereitet Parteitag vor
Mahnwache am 26. September - 24. Jahrestag des faschistischen
Oktoberfestanschlags
Zur Lage im Irak - Veranstaltung mit Rashid Ghewielib,
Irakische Kommunistische Partei, 22. Oktober 2004
dazu Sonderseite auf DKP München: Zur aktuellen Situation
im Irak (November 2004)
Knapp 10.000 Menschen demonstrierten gegen Sozialraub,
Agenda 2010 und Hartz IV in Nürnberg am 6.11.04
Polizeigewalt gegen Antifaschisten am 10.11.2004
Carl-von-Ossietzky-Medaille an Antifaschisten
Ehrung für Esther Bejarano, Peter Gingold, Martin Löwenberg
und Percy MacLean
12. Dezember 2004
Carl-von-Ossietzky-Medaille
an Antifaschisten
Ehrung für Esther Bejarano, Peter Gingold,
Martin Löwenberg und Percy MacLean
Wie jedes Jahr verlieh die Internationale Liga für
Menschenrechte anlässlich des Tages der Menschenrechte
im Dezember die Carl-von-Ossietzky-Medaille an Personen,
die sich um Verteidigung, Durchsetzung und Fortentwicklung
der Menschen- und Bürgerrechte besonders verdient gemacht
haben sowie an Menschen, die vorbildliche antifaschistische
und antirassistische Arbeit leisten.
In diesem Jahr ging der Preis an den Berliner
Verwaltungsrichter Percy McLean und die bekannten AntifaschistInnen
jüdischer Herkunft Esther Bejarano, Peter Gingold,
Martin Löwenberg. Seit 1962 gibt es die die Carl-von-Ossietzky-Medaille.
Die Liste der bisherigen Preisträger liest sich wie
ein Who´sWho bundesdeutscher Geistesgeschichte. Preisträger
waren u. a. Günter Grass, Heinrich Böll, Helmut
Gollwitzer, Heinrich Albertz, Willi Bleicher Gert Bastian,
William Borm, Heinz Brandt, Martin Niemöller, Günter
Wallraff, Lea Rosh, Erich Fried, Klaus Bednarz, Wolfgang
Richter, Volker Ludwig und das GRIPS-Theater Berlin, Hannes
Heer für das Team der Ausstellung "Vernichtungskrieg.
Verbrechen der Wehrmacht 1941 bis 1944" und im letzten
Jahr die Bürgerinitiative FREIe HEIDe und Gerit von
Leitner für ihren Kampf gegen Militarisierung, Krieg
und Rüstungsinteressen.
In der Begründung der diesjährigen
Verleihung beim Festakt am 12. Dezember in Berlin sagte
der Präsident der Liga für Menschenrechte Dr.
Rolf Gössner unter anderem: "Percy MacLean wird
für sein aufklärerisches Wirken und seine dem
Antidiskriminierungsgebot verpflichtete justizielle Tätigkeit
gewürdigt. Oft gegen starke Widerstände aus Behörden
und Politik hat er vor allem in Flüchtlingsfragen klare
menschenrechtliche Akzente gesetzt. Als erster Direktor
des ´Deutschen Instituts für Menschenrechte´
hat er sich dafür stark gemacht, nicht allein Menschenrechtsverletzungen
in fernen Ländern zu thematisieren, sondern auch die
Menschenrechtslage in Deutschland zu beleuchten - etwa den
Umgang mit Flüchtlingen. Das hat ihn letztlich seine
Stellung gekostet.
Esther Bejarano, Peter Gingold und Martin
Löwenberg stehen stellvertretend für viele, die
in der NS-Zeit aus politischen, häufig zugleich aus
´rassischen´ Gründen verfolgt worden waren,
aktiv gegen das Naziregime gekämpft hatten und dann
in der Bundesrepublik wegen ihres antifaschistisch-sozialistischen
Engagements kriminalisiert, teils sogar inhaftiert wurden;
die sich aber trotz alledem weiter aktiv gegen Rassismus
und Neonazismus engagiert haben und, bis ins hohe Alter,
immer noch so engagieren - unter anderem in der ´Vereinigung
der Verfolgten des Naziregimes - Bund der Antifaschisten´
(VVN-BdA), der alle drei angehören. Heute noch stellen
sie sich Nazi-Aufmärschen in den Weg und sind als kritische
Zeitzeugen gerade für junge Menschen wertvolle Gesprächspartner.
- Indem wir den von allen vier Preisträgern auf unterschiedliche
Weise geführten politischen und rechtlichen Kampf gegen
Diskriminierung, Rassismus und Neonazismus in dieser Gesellschaft
ehren, wollen wir ein Zeichen setzen gegen den fatalen Rechtsruck
hierzulande, gegen Antisemitismus, Islamophobie und rechte
Gewalt."
Die letztjährigen Preisträger Gerit
von Leitner und für die Bürgerinitiative FREIe
HEIDe Pfarrer Benedikt Schirge hielten die Laudationen auf
ihre Nachfolger. Pfarrer Schirge sagte über die drei
PreisträgerInnen aus den Reihen der VVN: "Die
Internationale Liga für Menschenrechte zeichnet heute
Menschen aus, die mit ihrem ganzen Leben für eine zivile,
für eine menschliche Gesellschaft stehen. Die selber
und mit ihnen ihre Familien die Grausamkeiten des Nationalsozialismus
erleben mussten und - das muss man auch betonen - diese
überleben konnten. Die gehofft hatten: So etwas kann
und wird nicht wiederkommen, und die erleben mussten und
müssen, dass das faschistische Gedankengut nie ausstarb,
sondern immer wieder Nährboden fand und findet.
Es ist manches gelungen, was auf der Potsdamer
Konferenz im Jahre 1945 gefordert wurde, dass beispielsweise
die ´erfolgreiche Entwicklung demokratischer Ideen
möglich gemacht´ wurde. Dass die ´nazistischen
und militaristischen Lehren völlig entfernt´
wurden, wie es auch in den Grundsätzen steht, kann
man jedoch nicht behaupten. Dieses ist aber notwenig, um
allen Menschen ein Leben in Würde und mit gleichen
Rechten zu garantieren. Und die Sicherheitsdienste dieses
Landes sollten sich nicht nur schämen, wie sie mit
Verfolgten des Naziregimes in einer Demokratie umgegangen
sind und umgehen, nein, es muss ihnen endlich rechtlich
Einhalt geboten werden, als mögliche Extremisten beobachtet
zu werden. Extrem ist, was sie in ihrem Leben durchmachen
mussten."
Bewegende Worte fanden die Preisträger
in ihren Dankesreden. Die Ehrung setzt ein Zeichen, dass
es weit über das linke Lager hinaus eine neue Entschlossenheit
geben kann, dem braunen Spuk unserer Tage gemeinsam entgegenzutreten.
Die Liga für Menschenrechte hat sich ihres Namens und
ihres Gründungsvaters Carl von Ossietzky würdig
erwiesen.
"... sie wollten,
dass sie ohne Kampf in den Tod gehen"
Aus der Dankesrede von Esther Bejarano
Als 15-Jährige musste ich mich von meinen
Eltern und Geschwistern trennen. Es folgte das Vorbereitungslager
zwecks Auswanderung nach Palästina. 1941 Zwangsarbeitslager
Neuendorf, bei Fürstenwalde/Spree, dort leistete ich
zwei Jahre Zwangsarbeit in einem Blumenhaus und Gärtnerei
in Fürstenwalde. Am 20. April 1943 fuhren alle Insassen
des Arbeitslagers in Viehwaggons ab Berlin, aus dem Sammellager
in der Großen Hamburger Straße mit über
1000 jüdischen Menschen bei unmenschlichen Zuständen
nach Auschwitz-Birkenau. Vier Wochen lang, die mir wie vier
Jahre vorkamen, musste ich schwere Steine von einer Seite
eines Feldes zur anderen Seite schleppen. Am nächsten
Tag musste ich die selben Steine wieder zurückschleppen.
Ich war am Ende meiner Kräfte. Ich hatte großes
Glück, dass in dem Block, in dem ich übernachtete,
eines Abends Frau Tschaikowska, eine polnische Musiklehrerin,
nach Frauen suchte, die ein Instrument spielen konnten.
Die SS befahl ihr, ein Mädchenorchester aufzustellen.
Ich meldete mich, sagte, dass ich Klavier spielen könne.
Ein Klavier haben wir hier nicht, sagte Frau Tschaikowska.
Wenn du Akkordeon spielen kannst, werde ich dich prüfen.
Ich hatte nie zuvor ein Akkordeon in der Hand. Ich musste
alles versuchen, um nicht mehr Steine schleppen zu müssen.
Ich sagte ihr, dass ich auch Akkordeon spielen könne.
Sie befahl mir, den deutschen Schlager "Du hast Glück
bei den Frauen, Bel Ami" zu spielen. Ich kannte diesen
Schlager, bat sie um ein paar Minuten Geduld, um mich wieder
einzuspielen. Es war wie ein Wunder. Ich spielte den Schlager
sogar mit Akkordbegleitung und wurde gemeinsam mit zwei
Freundinnen in das Orchester aufgenommen.
Die Funktion des Mädchenorchesters in
Auschwitz-Birkenau war, am Tor zu stehen und zu spielen,
morgens, wenn die Arbeitskolonnen ausmarschierten und abends,
wenn sie ins Lager zurückkamen. Wir alle hatten ein
schlechtes Gewissen weil wir sozusagen halfen, dass die
Gefangenen im Gleichschritt marsch, marsch nach unserer
Musik marschieren mussten.
Aber es kam noch schlimmer. Die SS befahl
uns, am Tor zu stehen und zu spielen, wenn neue Transporte
ankamen in Zügen, in denen unzählige jüdische
Menschen aus allen Teilen Europas saßen, die auf den
Gleisen fuhren, die bis zu den Gaskammern verlegt wurden,
und die alle vergast wurden. Die Menschen winkten uns zu,
sie dachten sicher wo die Musik spielt, kann es ja nicht
so schlimm sein. Das war die Taktik der Nazis. Sie wollten,
dass all die Menschen ohne Kampf in den Tod gehen. Wir aber
wussten, wohin sie fuhren. Mit Tränen in den Augen
spielten wir. Wir hätten uns nicht dagegen wehren können,
denn hinter uns standen die SS-Schergen mit ihren Gewehren.
Aus der Dankesrede von Peter Gingold
Doch gibt es auch für mich Hoffnung in
diesem Land. Denn ich erlebe immer wieder eine Jugend, die
nicht den Schlussstrich unter der Vergangenheit zieht, die
Auschwitz nicht vergisst, die den Neonazis nicht die Straße
freigibt, sich gegen alles stellt, was zu einem Rückfall
in eine ähnliche braune Barbarei führen könnte,
für das Menschenrecht auf Leben in Frieden, nie wieder
Faschismus und Krieg. Jugendliche fragen mich oft, was ich
empfehle, was man tun kann.
Da sage ich, ich habe keine Rezepte, aber
ich erzähle eine kleine Geschichte, die vor einiger
Zeit meine Tochter erlebt hat, die alltäglich vorkommen
kann. Meine Tochter, eines Abends in der S-Bahn von Duisburg
nach Essen. Ein schwarzer Junge, der offenbar nicht wusste,
dass das aus dem Automaten gezogene Ticket zu entwerten
ist. Er wird kontrolliert. Also Schwarzfahrer, 40 Euro.
Der Junge begriff nicht warum, versteht kaum deutsch, hatte
auch kein Geld. Meine Tochter zum Kontrolleur: "Sie
sehen, er ist hilflos, drücken sie doch bei ihm die
Augen zu."
Der Kontrolleur: "Gerade bei ihm nicht!"
Er hatte es ja mit einem Schwarzen zu tun. Eine junge Frau
neben dran, bekommt es mit, ruft die Insassen auf zu spenden
und sammelte das Geld. Die 40 Euro kamen zustande, der Kontrolleur
nahm es. Ich erzähle diese Geschichte deshalb: Meine
Tochter spürte Unrecht, sie machte den Mund auf. Siehe
da, sie engagierte die nebenstehende junge Frau, die wiederum
fast alle Insassen mobilisiert. Also, wo Unrecht geschieht,
jemand muss den Mund aufmachen! Wenn du den Mund aufmachst,
du wirst erfahren, du stehst nicht allein, du findest die
Unterstützung anderer Menschen, die das Gleiche empfinden.
Du riskiert nicht das, was wir damals riskierten, wenn du
heute den Mund aufmachst. Aber mach ihn so rechtzeitig auf,
wo auch immer du Unrecht empfindest, so rechtzeitig, damit
du morgen nicht das zu riskieren hast, was wir damals riskierten.
Aus der Dankesrede von Martin Löwenberg
Nazis aller Schattierungen stehen für
mich außerhalb des Verfassungsrahmens. Jede nazistische
Betätigung muss deshalb unterbunden werden. Aus dieser
Pflicht entlasse ich niemanden, auch nicht den Staat, seine
Polizei und Justiz. Da ich natürlich weiß, dass
Verfassungsfragen vor allem Machtfragen sind und staatliche
Stellen den Marsch der braunen Mobs zunehmend legitimieren,
geradezu Verfassungsrang einräumen, bei gleichzeitiger
Diffamierung und Kriminalisierung demokratischer Gegenaktivisten,
sage ich: Für mich ist von ausschlaggebender Bedeutung
das entschlossene, gemeinsame Handeln vieler demokratischer
und antifaschistischer BürgerInnen. Nur diese bilden
einen stabilen Damm gegen alle Varianten des Faschismus.
Von dieser Stelle aus möchte ich mich bei all jenen
bedanken, die in allen Teilen Deutschlands mitbauen an der
Errichtung dieses Dammes. Besonders Hoffnung und Kraft gibt
mir dabei das Engagement, die Zivilcourage vieler junger
Menschen, die den Feinden der Demokratie nicht die Straße
und die Köpfe überlassen. Und sich - gleich mir
- vor dem Strafrecht nicht fürchten.
In absehbarer Zeit wird es keine antifaschistischen
Zeitzeugen der Nazizeit mehr geben. Meine Bitte, ja mein
Appell richtet sich insbesondere an die jungen Menschen:
Sorgt ihr dafür, dass aus der BRD ein dauerhaftes humanes
antifaschistisches Gemeinwesen wird, in dem Nazismus, Rassismus,
Nationalismus und Militarismus kein Raum mehr gegeben wird.
Schaut nicht weg, wo Menschenrechte verletzt
werden; lasst euch nicht wegnehmen, was noch an demokratischen
und sozialen Errungenschaften vorhanden ist, erkämpft
von euren Eltern und Großeltern.
Festigt das Band der Solidarität mit
den Benachteiligen und Ausgegrenzten in aller Welt. Übernehmt
ihr den noch immer zu erfüllenden Auftrag des antifaschistischen
Widerstandes, wie er im Schwur von Buchenwald formuliert
ist: "Die Vernichtung des Nazismus mit seinen Wurzeln
ist unsere Losung, eine neue Welt des Friedens und der Freiheit
ist unser Ziel."
Polizeigewalt gegen
Antifaschisten
18 AntifaschistInnen am 10.11.2004 bei Nazikundgebung
in München festgenommen. Darunter der Sprecher der
Sozialistischen Deutschen Arbeiterjugend (SDAJ) Bayern.
Am 10.11.2004 fand in München eine Nazikundgebung
statt, zu der 15 Teilnehmer kamen. Sie wurde organisiert
von Martin Bordin und Roland Wuttke. Martin Bordin ist Chef
der "Kameradschaft Süd". Sie gilt als gewaltbereit
und wurde zuvor von Martin Wiese angeführt, der momentan
wegen des geplanten Bombenanschlags auf die Grundsteinlegung
des neuen jüdischen Gemeindezentrums in Untersuchungshaft
sitzt. Bereits während der Versammlung hatte sich ca.
60 bis 70 Gegendemonstranten versammelt. Aus bis noch nicht
geklärten Gründen wurden 18 meist minderjährige
Münchner AntifaschistInnen von der Polizei festgenommen.
Laut Polizeiangaben soll es nach der Veranstaltungen zu
gewaltsamen Ausschreitungen ausgehend einer "Gruppe
der Linken" zwischen Nazis und Antifaschisten gekommen
sein. Die 18 Gefangenen blieben bis zum Nachmittag des nächsten
Tag eingekerkert. Während dieser Zeit soll es neben
massiven Einschüchterungsversuchen, auch zu gewaltsamen
Übergriffen seitens der Polizei gekommen sein. Da alle
18 in Einzelhaft saßen, wird dies aber wohl nie zu
beweisen möglich sein. Am 11.11. zwischen zwei und
drei Uhr nachts stürmten 9 Beamte des K-142 (politische
Polizei) die Wohnung des Sprechers der SDAJ und beschlagnahmten
den privaten Computer des derweil noch in Arrest sitzenden.
Sein Mitbewohner zu diesem Ereignis: "Es war ein Schock.
Ich hörte wie jemand durch die Wohnungstür kam
und dachte es wäre mein Mitbewohner. In der halbdunklen
Wohnung stand ich plötzlich einer bewaffneten Meute
gegenüber. Einer der Polizisten zielte mit seiner geladenen
und entsicherten Waffe auf mich." Derweil sind alle
AntifaschistInnen wieder auf freiem Fuß, aber es wird
weiter gegen sie ermittelt. Solidaritätsbekundungen
bitte an sdaj-muenchen@freenet.de senden.
"OLGA
BENARIO - ein Leben für die Revolution"
Semi-Dokumentation von Galip Iyitamir ab Dezember im Kino
Olga Benario
wird am 12. Februar 1908 als zweites Kind einer wohlhabenden
Akademikerfamilie in München geboren. Schon früh
zeigt sie Interesse an politischen und gesellschaftlichen
Ereignissen. Im Alter von 15 Jahren wird sie Mitglied der
KJ (Kommunistische Jugend). Bald lernt sie den KPD - Funktionär
Otto Braun kennen, verlässt 1925 ihm zuliebe und wegen
ihrer politischen Arbeit München. Gemeinsam ziehen
sie unter fremden Namen in den Berliner roten
Arbeiterbezirk Neukölln, wo Olga Benario im Alter von
18 Jahren die Agitations- und Propagandaleitung der KJ übernimmt.
Am 30. September 1926 werden sie und Otto Braun verhaftet
und wegen Vorbereitung zum Hochverrat angeklagt. Olga Benario
kommt durch das Engagement ihres Vaters, der ein renommierter
Rechtsanwalt ist, frei. Otto Braun, dem eine langjährige
Haftstrafe droht, wird in einer spektakulären Aktion
von Olga Benario und vier weiteren Leuten am 11. April 1928
aus dem Gefängnis Berlin Moabit befreit. Dieser
Coup sorgte für ungeheures Aufsehen, bringt sie in
die Schlagzeilen. Aus Sicherheitsgründen werden sie
anschließend von der KP in die Sowjetunion gesandt.
In der Ukraine lernt Olga Benario den Umgang mit Waffen,
ihre Beziehung mit Otto Braun zerbricht. 1931 ist sie im
Auftrag der Kommunistische Internationale in Frankreich
und Großbritannien unterwegs. Nach der Machtergreifung
Hitlers kehrt sie nach Moskau zurück. Dort wird sie
ausgewählt, an der Seite von Luiz Carlos Prestes die
Revolution in Brasilien einzuleiten. Prestes hatte zwischen
1925 und 1927 die legendäre Coluna Prestes
auf ihrem Marsch durch Brasilien angeführt, über
25.000 km und immer verfolgt von den brasilianischen Regierungstruppen.
Für die arme Bevölkerung des Landes galt Prestes
als der Ritter der Hoffnung. Getarnt als wohlhabendes
portugiesisches Ehepaar Vilar auf Hochzeitsreise reisen
Olga Benario und Prestes quer durch Europa und dann über
New York nach Brasilien. Als sie in Rio de Janeiro ankommen,
ist das, was zunächst nur eine Tarnung war, Wirklichkeit
geworden - sie sind ein Liebespaar. Nach fast einjähriger,
streng geheimer Vorbereitung beginnt am 23. November 1935
die Revolte und wird innerhalb weniger Stunden niedergeschlagen.
Olga Benario und Luiz Carlos Prestes werden verhaftet. Am
23. September 1936 wird Olga Benario hoch schwanger und
trotz einer internationalen Kampagne, die ihre Auslieferung
stoppen sollte, aus Brasilien ausgewiesen und von den Nazis
in das Berliner Frauengefängnis deportiert. Am 27.
November 1936 bringt sie dort ihre Tochter Anita Leocardia
zur Welt. Anfang 1938 wird sie von ihrer Tochter getrennt,
kommt in das Konzentrationslager Lichtenberg und später
nach Ravensbrück. Als Blockälteste organisiert
sie trotz schwerer Repressionen Vorträge, literarische
Abende und Diskussionen, um ihren Mitgefangenen das Leben
etwas zu erleichtern und aufzuhellen. Der unermüdliche
Einsatz von Prestes Mutter Donna Leocardia hat Ende August
1939 erwirkt, dass Mexiko die Aufnahme Olga Benarios zusagt.
Die Papiere erreichen Olga Benario jedoch nicht. Im April
1942 wird sie 34 jährig in der Gaskammer von Bernburg
umgebracht.
Ihr Leben wurde nun von Galip Iyitamir verfilmt
und ist ab Dezember 2004 im Kino zu sehen.
"Olga Benario - ein Leben für die Revolution"
ist eine Semi-Dokumentation und das Erstlingswerk von Regisseur
Galip Iyitamir. Die chronologisch aufbereitete Biografie
Olga Benarios wird ergänzt durch historische Ton- und
Bilddokumente, gegenwärtige Ansichten von Originalschauplätzen
sowie nachgestellte Spielszenen.
Knapp 10.000 Menschen demonstrierten
gegen Sozialraub, Agenda 2010 und Hartz IV in Nürnberg
Unter der Parole "Gemeinsam gegen Sozialraub,
Agenda 2010 und Hartz IV! Eine andere Welt ist möglich
und nötig!" demonstrierten am Samstag, 6.11.04
knapp 10.000 Menschen zur Bundesagentur für Arbeit
in Nürnberg. Sie setzten sich gemeinsam mit dem Sozialforum
Nürnberg als Veranstalter für Alternativen zur
herrschenden Politik ein.
"Wir lehnen die weltweite Standortkonkurrenz
und rassistische Ausgrenzungspolitik ab. Wir streben eine
Wirtschaftsordnung an, die sich nach den Bedürfnissen
der Menschen richtet und unser Leben nicht dem Profitstreben
unterwirft. Wir leisten Widerstand und setzen uns für
eine Welt ein, in der Ausbeutung und Unterdrückung
der Vergangenheit angehören!
Die vom Sozialforum Nürnberg veranstaltete Aktion hat
ihr politisches Ziel erreicht, die Basisinitiativen und
von Sozialraub und Lohnsenkung Betroffenen sichtbar zu Wort
kommen zu lassen. Mit knapp 10.000 Teilnehmer/innen sind
die Erwartungen der Veranstalter deutlich übertroffen
worden, die angesichts der seit Monaten andauernden Protesten
mit einer gewissen Ermüdung gerechnet hatten.
Besonders erfreulich ist die Tatsache, dass sich zahlreiche
politisch nicht gebundene Menschen der Demonstration angeschlossen
haben. Wie schon bei der spontanen Bewegung der Montagsdemonstration
oder dem eigenständigen Streik der Opellaner in Bochum,
hat sich auch heute erneut gezeigt, dass heute viele Menschen
bereit sind, sich aktiv an Protesten zu beteiligen.
Zur Lage im Irak
mit Rashid Ghewielib, Irakische Kommunistische Partei
Unterschiedliche Auffassungen gibt es über
die Entwicklung im Irak und über den Widerstand gegen
die US-Besatzung. Unbestritten ist das Recht des irakischen
Volkes auf Widerstand, um die Besatzung so schnell wie möglich
zu beenden. Die Meinungen gehen auseinander, wenn es um
die Beurteilung der Kräfte geht, die den bewaffneten
Widerstand tragen. Besonders umstritten ist auch die Beteiligung
der Irakischen Kommunistischen Partei am Regierungsrat.
Die Irakische Kommunistische Partei hat Jahrzehnte lang
gegen Saddams Kriege, gegen seine blutige Diktatur, aber
auch gegen das dem irakischen Volk auferlegte Embargo gekämpft.
Jetzt kämpft sie gegen die US-Besatzung und für
einen neuen, demokratischen Irak, wo das Gesetz und
die Respektierung der Menschenrechte die vorherrschenden
Normen sind". Sie ist der Überzeugung, dass nur
demokratische Regime, die den Willen des Volkes repräsentieren,
sich gegen den Imperialismus erheben können."
Die Irakische KP legt das Schwergewicht darauf, im Irak
eine Zivilgesellschaft aufzubauen, Gewerkschaften, Frauen-,
Jugend- und Menschenrechtsorganisationen zu gründen.
Das Recht auf nationale Selbstbestimmung steht für
sie im Zusammenhang mit dem sozialen Inhalt der Selbstbestimmung.
Sie steht in grundsätzlichem Widerspruch zu den Kräften,
die den bewaffneten Widerstand tragen. Für sie handelt
es sich um Gruppen, die jede nichtreligiöse Person
und alle Liebhaber der Freiheit, die sich den Is-lamisten
entgegenstellen, massakrieren und vernichten wollen."
Die Kräfte, die hinter diesen Anschlägen
stehen, sind zum einen Reste des Saddam-Regimes. Sie wollen
Saddams Politik eines nationalistischen diktatorischen Regimes
fort-führen. Dazu verbünden sie sich mit extremistischen
islamistischen Gruppen und ausländischen Terrororganisationen,
wie Al Kaida", sagt Rashid Ghewielieb. Die IKP warnt
die Linke, in diesem Konflikt den einen Terroristen gegen
den anderen zu unterstützen.
Andererseits hat der bewaffnete Widerstand den geplanten
permanenten Krieg" der US-Regierung bereits zu
Beginn in größte Schwierigkeiten gebracht. Das
irakische Öl sprudelt nicht wie geplant in die Kassen
der Multis. Die Verluste der Besatzungstruppen vereiteln
die Pläne der Falken im Pentagon, die US-Truppen in
Syrien und im Iran einfallen zu lassen.
(Veranstaltung fand am Freitag, 22. Oktober
2004 im EineWeltHaus statt)
Bericht zur oben genannten
Veranstaltung
Irak: DKP München informiert sich aus erster Hand über
die Politik der Kommunisten
Es war schon eine spannende Veranstaltung
am 22. Oktober im EineWeltHaus. Die DKP München hatte
zu einer Diskussionsveranstaltung mit Rashid Ghewielieb,
dem Deutschlandvertreter der Irakischen KP "Zur aktuellen
Lage im Irak" eingeladen. Die Politik der IKP ist innerhalb
der bundesdeutschen Linken, auch in der DKP selbst, umstritten.
Dass sie bewaffnete Aktionen gegen die Besatzungsmacht ablehnt
und im von den USA eingesetzten Regierungsrat mitarbeitet,
wird ihr z.B. in der "Jungen Welt" als Kollaboration
vorgeworfen. Es war also klar, dass es Rashid nicht leicht
fallen würde, alle etwa 60 TeilnehmerInnen der Veranstaltung
zu überzeugen.
Der Referent berichtete aktuell aus dem Leben im Irak. Er
argumentierte folgendermaßen: Wie sehen es die einfachen
Menschen? Sie waren froh, von der Schreckensherrschaft Saddam
Husseins befreit zu sein, sind aber auch gegen die Besetzung
ihres Landes durch die ausländischen Truppen. Die KP
Iraks hat jahrzehntelang gegen Saddam (wie Osama bin Laden
ein langjähriger Verbündeter und ein Produkt der
USA) gekämpft, war aber ebenso gegen die Sanktionen
und gegen den Krieg. Jetzt will sie mithelfen, die Besetzung
möglichst schnell zu beenden und das soziale Leben
im Irak (nach dem April 2003 ein Land ohne Staat) wieder
aufzubauen. Aber mit politischen Mitteln. Deshalb arbeitet
sie im Regierungsrat mit, der zwar von den USA eingesetzt,
ihr aber auch abgetrotzt wurde (die USA wollten zunächst
alle politischen Kräfte ausschalten). So wurde erreicht,
dass überhaupt wieder irakische politische Strukturen
entstanden, dass eine relativ fortschrittliche Verfassung
in Kraft tritt und die Frauenrechte gesichert werden. Für
eine KP geht es zuerst darum, für die 27 Millionen
Menschen etwas zu erreichen. Wenn man im Lande selbst aktiv
ist, urteilt man nicht abstrakt und utopisch revolutionär,
sondern erkennt, dass erste Schritte zum Aufbau Voraussetzung
dafür sind, ein Ende der Besatzung durchzusetzen. So
geht es der KP, die fast als einzige Kraft in allen Landesteilen
aktiv ist und bereits 85 Parteibüros eröffnet
hat, jetzt vor allem um den Aufbau von Gewerkschaften, Frauenorganisationen,
einer irakischen Zivilgesellschaft. Was in Teilen der westlichen
Linken als "bewaffneter Widerstand" gefeiert wird,
ist perspektivloser reaktionärer Terrorismus. Die Entführungen
z.B. werden meist von einfachen kriminellen Gruppen organisiert,
die ihre Opfer dann an politische Organisationen verkaufen.
Das sind entweder Baathisten, die das ehemalige verhasste
Regime wieder errichten wollen, oder religiöse Fanatiker
vom Schlage der Taliban. 90% ihrer Opfer sind Iraker. Mit
diesen Kräften kann niemals zusammengearbeitet werden,
ebensowenig wie in Deutschland mit Nazis im Kampf gegen
Sozialabbau. Theoretisch ist ein bewaffneter Befreiungskampf
im Irak selbstverständlich legitim, aber die deutschen
Linken sollen zur Kenntnis nehmen, dass es im Irak keinerlei
organisierten bewaffneten Befreiungskampf mit Befreiungs-
bzw. emanzipatorischen Zielen gibt!
Solche irgendwie unterstützenswerten Gruppen eines
"bewaffneten Kampfes" konnten dann auch von den
IKP-kritischen RednerInnen nicht benannt werden. Trotzdem
war die Argumentation Rashids für einige TeilnehmerInnen
der Diskussion natürlich starker Tobak, so dass sich
eine teils heftige Diskussion entwickelte. Das Meinungsspektrum
reichte von "Ihr fallt dem Widerstand in den Rücken;
ich bin entsetzt, dass die DKP die IKP eingeladen hat und
ihr ein Forum bietet", bis zu "Das war die beste
Information, die ich je über den Irak erhalten habe".
Alle werden dazu gelernt haben und die DKP war gut beraten,
die Debatte nicht intern im kleinen Kreis, sondern in öffentlicher
Veranstaltung mit anderen Linken zu suchen.
Sonderseite auf DKP München: Zur aktuellen
Situation im Irak (November 2004)
"Die Iraker brauchen internationale
Solidarität, keine Unterstützung für Gewalt"
Die deutsche Übersetzung eines Artikels von Abdulllah
Muhsin (Repräsentant der Irakischen Förderation
der Gewerkschaften für das Ausland und Mitglied der
Irakischen KP) aus dem Guardian. Originalrede von Abdulllah Muhsin
auf einem Treffen am Rande des Labour Parteitages. Wer steht für Fortschritt im
Irak? Rede des Vertreters der Irakischen
KP beim Treffen der Kommunistischen und Arbeiterparteien
in Athen in deutscher Sprache Nach fast 22 Jahren: Begegnung mit
Bagdad
Mahnwache am 26.
September - 24. Jahrestag des faschistischen Oktoberfestanschlags
Die antifaschistische Mahn- und Schutzwache
beginnt um 10 Uhr sofort nach der offiziellen Kranzniederlegung
direkt am Wiesneingang und dauert voraussichtlich bis 22
Uhr. Wir stehen um das Denkmal und bilden eine Menschenmauer
zu dessen Schutz. Es sind Tafeln mit der Aufschrift "Nie
wieder Faschismus, nie wieder Krieg!" sowie "Faschismus
ist keine Meinung, sondern ein Verbrechen" vorbereitet.
Für die Passanten gibt es eine große Fotoausstellung,
Büchertisch und ein gemeinsames Flugblatt. Zur besseren
Organisation ist die Wache in 2-Stunden-Schichten unterteilt,
Aufrufer sind Martin Löwenberg und Hedwig Krimmer.
Kreismitgliederversammlung:
DKP München bereitet Parteitag vor
44 Mitglieder der DKP München sowie 7
Gäste trafen am 24. September im EineWeltHaus zur Kreismitgliederversammlung,
um den 17. DKP-Bundesparteitag im Februar vorzubereiten.
Das politische Referat hielt der Parteivorsitzende, Heinz
Stehr. Einschätzung der aktuellen politischen Situation,
wachsender sozialer Widerstand gegen den Neoliberalismus
und Aufgaben der Kommunisten, Wahlalternative und Sozialforumsbewegung,
Imperialismus heute und Irakkrieg warem einige der Themen.
Insgesamt, so Stehr, gebe es trotz der Schwäche der
DKP Grund zu Optimismus und wachsende Möglichkeiten.
Es sei neu, dass sich Teile der Gewerkschaftsbewegung von
der SPD lösen. Die Kommunisten sollen sich auf diesen
Prozess einlassen, so der Referent, nicht ihn von außen
bewerten. In der ganzen Bewegung sei die Rolle des Kapitals
noch völlig unterbelichtet; hier läge eine wichtige
Aufgabe der DKP.
In der Diskussion ging es dann vor allem um den Entwurf
einer Politischen Erklärung der DKP, "Den Widerstand
gegen Kriegspolitik, Sozialkahlschlag und Demokratieabbau
verstärken! - Das Kräfteverhältnis verändern!",
der seit März 2004 in der DKP diskutiert wird. Hierzu
gab es einen Antrag der Betriebsgruppe Siemens, der die
politische Grundlinie des Entwurfs unterstützte - Einschätzung
des Neoliberalismus, Krieg als Strukturmerkmal der neoliberalen
Globalisierung, Entwicklung einer Alternative, Zusammengehen
von Gewerkschaftsbewegung und neuen sozialen Bewegungen
-, aber für Straffung und klarere Gliederung des Entwurfs
plädierte. Strittige Themen sollten "nur insoweit
Eingang finden, wie auf sie im Kontext der Erklärung
nicht verzichtet werden kann." Nach kontroverser Diskussion
(so hatte ein Vertreter des Betriebsaktivs den Siemens-Antrag
als "in vielen Punkten unmarxistisch und falsch"
abgekanzelt) wurde der Antrag mit 20 gegen 14 Stimmen bei
5 Enthaltungen angenommen. Der vom Parteivorstand vorgelegte
Entwurf wird, so wurde in der Diskussion deutlich, von den
verschiedenen Meinungsströmungen als verbesserungsfähige
Kompromissgrundlage akzeptiert. Um veränderte Formulierungen
ging es in weiteren Anträgen, die auf der KMV abgestimmt
wurden. Anträge zur Präzisierung der Aussagen
zur imperialistischen Kriegspolitik wurden teils angenommen,
teils abgelehnt. Bei der Behandlung von Anträgen aus
dem Betriebsaktiv mussten die Mitglieder über Fragen
entscheiden wie "Ist die SPD jetzt endgültig in
das bürgerliche Lager übergegangen?" (Ja!)
oder "erstmals 1914 und programmatisch endgültig
1957" (Nein!). "Werden die politischen Blöcke
zunehmend austauschbar?" (Ja!). "Werden die letzten
Schranken der nationalen Märkte beseitigt?" (Ja!).
"Soll staatliche Politik nach Auffassung der Unternehmer
die nationalen Ökonomien in die kapitalistische Weltwirtschaft
integrieren?" (Ja!) "Sollen Aussagen über
einen europäischen Imperialistischen Block unter deutscher
Führung, der in verstärkte Konkurrenz zu den USA
tritt, eingefügt werden?" (Nein!) Vor allem Fragen
der Einschätzung neuer Entwicklungen im Imperialismus
stehen also weiter im Zentrum des Meinungsstreites innerhalb
der DKP. Als Delegierte zum Parteitag wurden Renate (31
Stimmen), Leo (22), Falko (19) und Ulla (18) gewählt;
Gastdelegierte sind Emmi (17), Christoph (17) und Klaus-Dieter
(17). Das Wahlergebnis warf das Problem auf, dass ein Teil
der Partei offensichtlich fraktionell an die Delegiertenwahl
heranging, ein anderes Meinungsspektrum aber strömungsübergreifend
wählte. Das Wahlverhalten muss künftig vorher
thematisiert werden, so der Kreisvorstand in einer ersten
Auswertung; damit im Ergebnis von Delegiertenwahlen auch
alle Meinungsrichtungen angemessen repräsentiert sind.
Rede von Walter Listl
anlässlich des 100.Geburtstag von Richard Scheringer
am 18.9.04 auf dem Dürrnhof/Kösching
"Über Richard Scheringer eine nur
kurze Rede zu halten ist schwierig.
Zu vieles bleibt dabei ungesagt, ich will es dennoch versuchen.
Noch schwieriger - nein - geradezu unzulässig wäre
es, über Richard zu reden
ohne die politischen Verhältnisse zur Sprache zu bringen,
die ihn zutiefst
empörten, ihn zum Widerständler machten. Verhältnisse
die zu bekämpfen und zu verändern er uns aufgetragen
und
hinterlassen hat. Jeder von uns hat Richard in besonderer
Weise in Erinnerung behalten.
Als Familienvater, als Bauern, als Gemeinderat und Politiker,
als Philosoph
oder Schriftsteller. Ich kannte vor allem den Kommunisten
und Revolutionär Richard Scheringer und
hatte das große Glück, mit ihm über viele
Jahre in der DKP
zusammenzuarbeiten. Richards Andenken zu bewahren heißt
heute, in seinem Namen die Stimme zu
erheben gegen Krieg und Unterdrückung. Und weil er
uns immer zu deutlicher Sprache angehalten hat, die Kriege
gegen
den Irak gegen Afghanistan und Jugoslawien als das zu bezeichnen
was sie
sind: Kriegsverbrechen, völkerrechtswidrige Angriffskriege
im Rahmen einer
globalen Militärdiktatur der USA und NATO.
Mindestens eine Frage würde Richard,
wenn er heute hier stünde stellen:
Wenn man heute binnen kürzester Zeit Kriege in jedes
Land rund um den Globus
bringen kann, warum dann nicht Bildung, sauberes Wasser,
die Beseitigung des
Hungers und menschenwürdige Lebensverhältnisse?
Und wenn wenn wir Richards Geburtstag und
dem was er uns hinterlassen hat
gerecht werden wollen, dann muss doch auch über den
ungeheuerlichen
gesellschaftlichen Skandal gesprochen werden, daß
in diesem Land Millionen
Menschen, die arbeitslos gemacht wurden, nicht nur ihr Einkommen
sondern
auch ihre Würde und Lebensperspektive geraubt wurde.
Dass von dieser Arbeitslosigkeit auch all jene betroffen
sind, die noch
Arbeit haben, weil sich in den Betrieben ein Klima der Angst
und der
Entsolidarisierung breit macht.
Nein - an dieser Arbeitslosigkeit sind nicht die Arbeitslosen
schuld, die
jetzt auch noch mit Harz IV bestraft werden sollen, auch
nicht, daß es
vielleicht zu viele Menschen und zu wenig Arbeit gäbe.
Schuld daran ist, daß im Kapitalismus Arbeit nicht
dazu dient, Bedürfnisse
der Menschen zu befriedigen, sondern Maximalprofite zu erwirtschaften,
weil
die Aktienkurse über die Lebensinteressen der Menschen
gestellt werden.
Ich bin ganz sicher: Im Sinne von Richard ist heute, gegen
die perverse
Logik kapitalistischer Sachzwänge Widerstand zu leisten,
gegen Hartz auf die
Straße zu gehen, Tarifverträge zu verteidigen,
sich gegen Entlassungen zu
wehren und sich für eine Gesellschaft einzusetzen in
der der Mensch vor dem
Profit kommt, sichere Arbeitsplätze wichtiger sind
als Aktienkurse und
Millionen mehr Gewicht haben als Millionäre.
In Richards biografischen Aufzeichnungen bin
ich noch einmal auf die Stelle
gestoßen, wo er nach 1945 Aussiedlerfamilien Land
übertragen und so eine
neue Heimat gegeben hat.
Eine Bodenreform, die in der DDR, aber nie im Westen gelang
im Kleinen
durchgeführt hat.
Hat er da nicht auch ein Beispiel gegeben, wie ein reiches
Land mit
Flüchtlingen umzugehen hat?
Zumal ein Land, das mit Waffenexporten, ungleichem Handel
und globaler
Umweltzerstörung an diesen Fluchtbewegungen nicht ganz
unschuldig ist?
Nein - nicht jeder von uns hat Land zu verschenken wie Richard
damals.
Aber dürfen wir zuschauen, daß Flüchtlinge
zu Hunderten im Mittelmeer
ertrinken, oder muss man sagen ertränkt werden?
Dass sie an den Grenzen mit Spezialkommandos gejagt und
interniert werden?
Dürfen wir - wenn wir Richard gerecht werden wollen
- gleichgültig bleiben
dem Schicksal von Flüchtlingen gegenüber, oder
ist nicht sein ganzes Leben
Aufforderung zur Solidarität mit ihnen und zum Widerstand
gegen eine
menschenverachtende Politik der Illegalisierung dieser Menschen.
Richard war es ernst mit dem Wort von Angelus Silesius:
"Erst wenn wir wissen, daß die Menschen weder
weiss noch schwarz sind,
sondern grau wie die Esel und gestreift wie die Zebras,
werden wir sie
wirklich lieben."
Wenn man sich fragt, woher Richard die schier
unerschöpfliche Energie nahm,
mit der er bis ins hohe Alter für seine Überzeugungen
arbeitete und stritt,
dann muss über Marianne gesprochen werden, die ein
Teil seiner Kraft und
Ausstrahlung war.
Marianne hat an Richards Seite nie die Möglichkeit
gehabt, so wie er selbst
Schriftstellerin, Philosophin, Politikerin zu werden.
Sie konnte auch nie ein Buch über ihr Leben schreiben,
über ihr großes Los
und auch nicht wie Richard in der verfassungsgebenden Versammlung
Bayerns an
der Verfassung des Freistaates mitarbeiten.
Und ich bin sicher, sie hätte es nicht schlechter gekonnt.
Aber Marianne strahlte eine solche menschliche Wärme
eine solch stille,
weibliche Weisheit aus, ohne die ich mir die Veränderung
der Welt nicht
vorstellen kann, für die wir mit Richard immer stritten
und an der wir bis
heute zu arbeiten haben.
Jeder der Richard kannte weiß, er war
einer, der das Nachdenken nicht lassen
konnte, ein Umdenker und Dazulerner.
So war er zu der Überzeugung gelangt, daß die
Idee des Sozialismus, einer
menschlichen Gesellschaft ohne Ausbeutung, Unterdrückung
und Krieg, ohne
Entmündigung und Erniedrigung, einer Gesellschaft in
der alle Menschen ihre
Fähigkeiten und Talente zu ihrem eigenen Nutzen und
zum Nutzen aller frei
entfalten können,
daß diese Idee selbst nach Fehlern und dem historischen
Scheitern eines
ersten Versuchs ihre Bedeutung behält.
Das Scheitern des Sozialismusmodells hätte für
ihn bedeutet: Dann müssen wir
eben neue, durch Erfahrungen und Fehler geläuterte
und gereifte,
begründetere und klügere Versuche vorbereiten
um alle Verhältnisse
umzustürzen, in denen der Mensch ein ausgebeutetes,
ein erniedrigtes, ein
elendes und verlassenes Wesen ist und in diesem Sinne nicht
die Asche anbeten, sondern die Glut bewahren."
Die Tageszeitung junge
Welt schreibt am 4. Oktober 2004 zu den Protesten
am 2.9.04 in Berlin:
"Über 70000 Menschen protestierten am
Wochenende in Berlin gegen die »Hartz-IV«-Gesetze.
ATTAC will Widerstand »mit Kraft und Schärfe
in den Herbst und das Frühjahr tragen«
Aus Protest gegen die sogenannten Arbeitsmarktreformen
der Bundesregierung sind am Samstag in Berlin nach
Angaben der Veranstalter 70 000 Menschen aus ganz
Deutschland auf die Straße gegangen, die Polizei
zählte 25 000 Menschen weniger. Bei der Demonstration
unter dem Motto »Soziale Gerechtigkeit statt
Hartz IV Wir haben Alternativen«
forderten die Demonstranten einen Kurswechsel in
der Politik, die Schaffung von Arbeitsplätzen
und die Verteidigung des Sozialstaates.
Bei der Abschlußkundgebung am Alexanderplatz
griffen Redner die »Allparteienkoalition des
Sozialabbaus« an. Sie warfen insbesondere
der SPD vor, trotz zahlreicher Wahlniederlagen die
»Hartz-IV«-Gesetze durchzuziehen, mit
denen die soziale Kluft in Deutschland weiter wachse.
Während die Reichen ab Anfang 2005 noch weniger
Steuern zahlen müßten, drohe den Beziehern
des künftigen Arbeitslosengelds II der Absturz
in die Armut, kritisierten Redner. Sie forderten
existenzsichernde Arbeitsplätze statt Ein-Euro-Jobs,
die Verkürzung der Arbeitszeiten und einen
gesetzlichen Mindestlohn. »Wir werden den
Protest mit Kraft und Schärfe in den Herbst
und das Frühjahr tragen«, betonte Pedram
Shahyar von ATTAC.
Die Teilnehmer, die vorwiegend aus den neuen Bundesländern
kamen, machten in Sprechchören und mit Trillerpfeifen
lautstark ihrem Unmut über die »Abzocke
der Arbeitslosen« Luft. Auf Transparenten
hieß es unter anderem: »Stoppt Hartz
IV«, »Schröder muß weg«
und »Wir zeigen allen Politikern die rote
Karte«.
Zu der Aktion hatten die Organisatoren der bundesweiten
Montagsdemonstrationen aufgerufen. Unterstützt
wurde der Protestmarsch, der durch die östliche
Innenstadt führte, von mehreren Gewerkschaften
und der PDS. Die Teilnehmer waren aus mehr als 120
Städten mit Bussen angereist. Zum Auftakt der
Veranstaltung hatten die Initiatoren an die Menschen
in Ost und West appelliert, gegen den Sozialkahlschlag
zusammenzustehen und sich nicht auseinanderdividieren
zu lassen. Entschieden verwahrten sie sich auch
gegen den Mißbrauch der Proteste durch Rechtsextremisten.
»Neonazis haben auf unseren Demonstrationen
keinen Platz«, betonte eine Rednerin.
»Die Demonstration hat gezeigt: Die Menschen
fallen nicht auf die Desinformationskampagne der
Regierung herein«, sagte Werner Halbauer vom
Berliner Aktionsbündnis »Weg mit Hartz
IV« als Organisator. »Hartz IV schaffe
keine Jobs, sondern stürze Menschen in Armut
und vernichte Arbeitsplätze, wie die Massenentlassungen
bei Karstadt und im Einzelhandel zeigen.«
Am Sonntag demonstrierten etwa 4 000 Menschen mit
einem Sternmarsch in Berlin gegen die unsoziale
Politik der Bundesregierung. Die Aufzüge starteten
an vier Punkten der Stadt und führten zum Alexanderplatz.
Nach Ansicht des Berliner PDS-Chefs Stefan Liebich,
der gemeinsam mit dem Parteivorsitzenden Lothar
Bisky am Sonnabend an der Demonstration teilgenommen
hatte, sollte jetzt »ein Punkt gesetzt«
werden. Laut Tagesspiegel vom Sonntag halte er nichts
davon, weiterhin jeden Montag zu demonstrieren,
»diese Kraft hat niemand«, so Liebich.
Er wolle dem Landesvorstand deshalb empfehlen, »andere
Formen zu suchen, sich mit Hartz IV
auseinanderzusetzen«. "
Kreismitgliederversammlung der DKP München
Am Freitag, den 24. September, fand um 18.30 Uhr im EineWeltHaus
(Schwanthalerstr.80, Raum 210/211) die Kreismitgliederversammlung
der DKP München zur Vorbereitung des nächsten
Parteitags statt. Das Referat zur politischen Lage und
zu den Aufgaben der Kommunisten wurde von Heinz Stehr,
der Bundesvorsitzende der DKP gehalten.
Die Tagesordnung: 1. Konstituierung,
2. Politisches Referat und Diskussion,
3. Anträge (Antragsschluss ist Mo, der 20.9. bei
Kreisvorstand),
4. Wahl der Delegierten zum Parteitag ,
5. Schlusswort
Kreisvorstand der DKP München
Nachfolgend ein spannendes Interview mit einem hochkarätigen
bayerisch-venezuelanischen Genossen über den revolutionären Prozess in Venezuela:
Interview mit Dr. Carolus Wimmer
(Direktor für internationale Beziehungen beim venezolanischen
Parlament)
1 Herr Dr. Wimmer, Sie sind Direktor für internationale
Beziehungen beim Parlament in Venezuela, der Asamblea
Nacional. Eine etwas ungewöhnliche Karriere für
einen gebürtigen Münchner.
Ich bin in München aufgewachsen, wo ich bis zu meinem
18. Lebensjahr lebte. Die letzten Jahre verbrachte ich
in Konstanz, wo ich an der Uni studierte. Ich bin Vertreter
der 68er Generation. 1970 gab es die Möglichkeit,
nach Venezuela zu kommen, und das war für mich sehr
interessant, auch nach Ende der großen lateinamerikanischen,
revolutionären Bewegung. Venezuela war für mich
damals ein vollkommen unbekanntes Land. Heute findet man
Venezuela hin und wieder in den Zeitungen, damals nie.
Ich lebe jetzt 33 Jahre hier und habe mich hier vollkommen
eingewöhnt. Mein Sohn wurde hier geboren. Ich arbeite,
wohne und kämpfe hier, für die Revolution in
Venezuela und in Lateinamerika.
2 Wann begannen Sie, sich hier in Venezuela politisch
zu orientieren und zu engagieren?
Eigentlich von Anfang an. Ich war bereits in Konstanz
in sozialistischen Studienzirkeln aktiv, und es war für
mich deshalb natürlich, dass ich auch hier weiter
aktiv politisch arbeitete. Ich hatte damals das Glück,
bereits nach einem Monat hier eine Arbeit zu finden, und
das, obwohl ich wenig Spanisch sprach. Das war beim US-Konzern
"General Motors", und ich hatte damit auch Kontakt
zur Gewerkschaftsbewegung. Dort gab es damals einen sehr
interessanten Arbeitskampf, der als Bummelstreik geführt
wurde, hier nennt es sich "Schildkrötenarbeit".
Dies war für mich ein Lehrstück, wo ich erstmalig
in den Gewerkschaftskampf involviert wurde. Ich nahm dann
direkt mit der Kommunistischen Partei Beziehungen auf,
wurde dann Mitglied. In Deutschland hatte ich keine direkte
Beziehung zur KP. Dann ging es relativ zügig und
intensiv weiter in der politischen Arbeit.
3 Was sind die Aufgaben eines Direktors für internationale
Beziehungen beim Parlament?
Ich mache das nun seit 21/2 Jahren, seit 31/2 Jahren arbeite
ich in der Nationalversammlung (dem venezolanischen Parlament),
zuerst als Berater des Parlamentspräsidenten, doch
dann erhielt ich diese Möglichkeit, als Direktor
für internationale Beziehungen zu arbeiten. Es ist
eine sehr interessante, eine sehr neue Arbeit. Ich pflege
den Kontakt auf internationaler Ebene mit allen Parlamenten.
Auch mit multilateralen Organisationen, wie der "Internationalen
Parlamentarischen Union", dem "Europäischen
Parlament", dem "Lateinamerikanischen Parlament"
etc. Es gibt parlamentarische Freundschaftskreise, auch
mit Deutschland und Österreich. Also eine sehr interessante
Arbeit in dieser revolutionären Zeit. Venezuela ist
heute ein Anziehungspunkt für politische Diskussion,
für Besuche, für Einladungen. Es ist eine Arbeit,
mit der man die Bolivarianische Revolution, die politische
Situation, die neue Verfassung nach außen tragen
kann.
4 Haben Sie noch Kontakt zu Deutschland? Sehen Sie sich
als Deutschen oder Venezolaner?
Mein Leben, meine Arbeit und mein Kampf sind hier in Venezuela,
und wenn ich im Ausland bin, spreche ich über Venezuela.
Aber ich sehe mich logischerweise als internationalen
Kämpfer. Ich besitze zwei Kulturen, die deutsche
und die venezolanische. Nimmt man die bayrische hinzu,
sogar drei Kulturen. Dies ist ein Vorteil, man sieht viele
Dinge von mehreren Seiten. Zu Deutschland gibt es noch
einige freundschaftliche Kontakte, speziell in Berlin,
München und Konstanz, und natürlich gibt es
auch noch die politischen Beziehungen, teilweise noch
aus der DDR-Zeit. Hier in Venezuela existierte eine Freundschaftsgesellschaft
Venezuela-DDR, die recht gut funktionierte und sehr aktiv
war.
5 Wie würden Sie die Situation in Venezuela vor
Chavez beschreiben?
Ich habe die Situation seit 1970 miterlebt, also 29 Jahre
in der "falschen Demokratie", so wie wir das
hier bezeichnen. Als ich vom Flughafen nach Caracas fuhr,
war das für mich ein richtiger Schock. Ein riesiger
Kontrast zwischen dem Luxus eines erdölproduzierenden
Landes, aber auch eine extreme Armut, die man ebenfalls
in Europa so nicht kennt. Diese Ungerechtigkeit, die ich
bereits in den ersten Tagen miterlebte, und meine politische
Vorarbeit in Deutschland machten mich hier sehr frühzeitig
politisch aktiv. Es gab hier immer diese großen
sozialen Unterschiede. Aber speziell ab den 80er, aber
auch 90er Jahren fand eine massive Verarmung breiter Bevölkerungsteile
statt, bedingt durch eine Privatisierungswelle und die
Umsetzung neoliberaler Politik durch eine Regierung, die
immer von den USA abhängig war. Dies bedeutet: was
in den 70er Jahren schwächer ausgeprägt war,
verstärkte sich drastisch. Es gab damals schlechte
Ernährung, aber noch keinen Hunger. Ab den 90er Jahren
gibt es in diesem reichen Erdölland Hunger. Es gibt
hier viele, die ihre Nahrung aus den Abfalleimern suchen.
Dies ist ein Symbol, wie sich die ökonomische und
die soziale Situation für die Mehrheit, d.h. 70-80%,
stark verschlechtert hat. Aber die Situation verschlechterte
sich in diesen Jahren nicht nur für die Armen, sondern
auch für die früher stark privilegierte Mittelschicht.1983
ging das Bank- und Finanzsystem bankrott, und man merkte,
daß der ganze Reichtum auf Fantasie basierte. Ab
1983 ging es also auch für die Mittelschicht abwärts,
natürlich ohne Hunger und Armut, aber sie begann
ihre Privilegien zu verlieren, weshalb sie auch seit dieser
Zeit unzufrieden ist. Nicht nur mit Chavez, sondern auch
mit den Regierungen vorher. Dieses Kleinbürgertum
will seine verlorenen Privilegien zurück. Was sind
die früheren Privilegien? Ich sage es vereinfacht:
"Wenig Arbeit und hohes Einkommen". Es will
einen Luxus haben, der an dieses "Saudi-Venezuela"
erinnert, in dem die Einnahmen aus dem Ölreichtum
auf eine kleine Schicht konzentriert war. Vertreter der
Mittelschicht hatten damals generell ein Apartment in
Florida, mehrere Autos und mehrere Auslandsreisen im Jahr.
Dies war seit 1983 nicht mehr möglich. Plötzlich
konnte man nicht jedes Jahr drei oder vier neue Autos
kaufen, sondern man musste mehrere Jahre mit dem gleichen
Auto auskommen. Auslandsreisen wurden Luxus, weil der
Dollar sich verteuerte. Die zweite charakteristische Jahreszahl
ist 1989, das Jahr der Revolte der breiten Bevölkerung,
der armen Bevölkerung, aber auch des Kleinbürgertums,
hier in Caracas und dann auch in anderen Städten,
den sog. "Caracazo". Hier wurden die Läden
nicht nur von den Armen geplündert, sondern auch
von Angestellten, auch von der privilegierten Mittelschicht.
Dieses Ereignis zeigte, dass das politische und soziale
System bankrott war. Aus der Revolutionstheorie weiß
man, dass Ungerechtigkeit und Armut alleine nicht ausreichen
zur politischen Veränderung. Was 1989 nicht existierte,
war eine politische Linie, politische Organisation oder
Leitung, um dieses Potential eines Volkes zu nützen
und die Situation revolutionär zu ändern. Die
damalige sozialdemokratische Regierung von Carlos Andres
Perez schlug mit Hilfe des Militärs diesen Volksaufstand
blutig nieder, mit mehreren tausend Toten, die genaue
Zahl ist unbekannt. Aber es ging Schlag auf Schlag weiter.
Im Februar 92, also drei Jahre später, gab es eine
Militärrevolte, speziell der jungen Offiziere. Im
November des gleichen Jahres eine weitere. Beide wurden
niedergeschlagen. Man stellte fest, hier passiert etwas.
Es gab Versprechen der damaligen sozialdemokratischen
Regierung, einer Verfassungsreform, einer Umorientierung
der ökonomischen und sozialen Politik, einer Änderung
der reinen neoliberalen Politik. Aber nachdem alles wieder
unter Kontrolle zu sein schien, war alles vergessen und
die alte Politik wurde weiter betrieben, d.h. eine Verarmungspolitik,
eine Privatisierungspolitik und eine Politik, die einen
kleinen Sektor und die transnationalen Unternehmen bevorzugte.
6 Die Revolte von Militärs 1992, an deren Spitze
Chavez stand, sowie deren Niederschlagung - wie wurde
diese in linken Kreisen wahrgenommen? Waren die Motive
glaubwürdig? Dass Militärs, besonders in Lateinamerika,
eine soziale Verantwortung verspüren, ist recht ungewöhnlich
und stößt in Europa nicht immer auf Glaubwürdigkeit.
Wir in der Kommunistischen Partei wussten von dem Plan.
Nicht von dem Tag, aber von dem Plan. Wir haben zweifellos
nicht nur sympathisiert, unser Kampf war immer gegen dieses
bürgerliche Ausbeutungssystem in Venezuela. Es lag
auf unserer Linie, diese Regierung zu stürzen und
dieses System zu verändern. Die Kommunistische Partei
Venezuelas war immer offen für alle Kampfformen.
Wir waren auch immer offen und auch erfahren für
die Arbeit unter den Militärs. Das rebellierende
Militär unter Führung von Hugo Chavez hatte
damals noch nicht den Kontakt zum zivilen Bereich, sicher
auch bedingt durch die zwangsläufige Untergrundarbeit.
Aber es fehlte auch das Vertrauen der zivilen linken Bereiche
zu den linken Kräften bei den Militärs und umgekehrt.
Dies hat sich mittlerweile vollkommen und positiv geändert.
Venezuela ist eine Ausnahme in Lateinamerika, was das
Militär betrifft. Hier kamen und kommen die Soldaten
und auch Offiziere immer aus der Arbeiter- und Bauernbevölkerung.
Die Armee verfügte immer über linke Zirkel,
speziell im Heer und der Marine, weniger in der Luftwaffe.
1962 gab es einen Aufstand der gesamten Marine, die geleitet
wurde von der Kommunistischen Partei, die aufständischen
hohen Offiziere waren geheime Mitglieder der Kommunistischen
Partei. Es war ein Kampf von mehreren Tagen, und um den
Aufstand niederzuschlagen, wurde, erstmalig in Lateinamerika,
die Zivilbevölkerung aus der Luft bombardiert. Nicht
nur Chavez hatte als Offizier Zugang zu sozialistischer
Literatur und spricht heute über Mao Tse Tung, Marx,
Lenin usw. Es war üblich, dass in der Buchhandlung
der KP Soldaten und Offiziere vorbei kamen, um sich marxistische
Literatur zu kaufen. Dies gab und gibt es, trotz des dominierenden
Einflusses der USA auf die nationale Politik, deren Ziel
es immer war, das lateinamerikanische Militär zum
Kampf gegen die Linke vorzubereiten.
7 War der Wahlsieg von Chavez 1998 also ein Sieg für
die Linke in Venezuela und Lateinamerika?
Zweifellos war es ein Sieg der Linken Venezuelas. Der
Kampf eines ganzen Jahrhunderts der Revolutionäre,
von denen viele gefoltert wurden oder gar als Märtyrer
starben, hatte erstmalig einen direkten Erfolg.
Hugo Chavez Frias
8 Man hört in Europa immer den eigentlich undefinierten
Begriff des "Populisten". Ist Chavez ein Populist?
Dies muss ich häufig im Ausland diskutieren. Wir
Linke, und Chavez ist ein Linker, müssen vom ersten
Tag an diese große Armut bekämpfen und für
diese Armut Lösungen finden. Essen geben, Erziehung
geben, Gesundheit geben wird im neoliberalen Denken immer
mit dem Schimpfwort "Populismus" betitelt. Die
großen Probleme hier sind Armut, Hunger, Elend.
Es gibt hier in Lateinamerika die "unsichtbare Todesstrafe":
Leute, die z.B. dringend eine Operation benötigen,
aber kein Geld oder Kreditkarte haben und einfach sterben.
Sie sterben zu Hause, und keine bürgerliche Presse
oder Menschenrechtsorganisation interessiert sich hierfür.
Das hat sich in Venezuela geändert. Es gibt noch
für viele Jahre viel zu tun, aber erstmalig wurde
Politik für diese arme Bevölkerung, im Bereich
Bildung, Gesundheit und Wohnungsbau, gemacht. Die jetzige
Politik ist gerichtet auf 70-80% der Bevölkerung,
weshalb diese "Bolivarianische Revolution" auch
von der breiten Bevölkerung unterstützt wird.
Deshalb haben vor allem Arme, aber auch viele verantwortungsvolle
Vertreter der Mittelschicht den faschistischen Putsch
im April 2002 überwältigt und Chavez befreit.
Wäre Chavez nur ein Demagoge, hätte nicht die
Mehrheit der Bevölkerung damals ihr Leben riskiert,
um die anerkannte Leitung dieses revolutionären Prozesses
aus den Händen der Putschisten zu befreien.
9 Als eine der ersten Maßnahmen wurde eine neue
Verfassung erarbeitet, die als sehr fortschrittlich gilt
In Venezuela war dies etwas vollkommen Neues. Alle bisherigen
Verfassungen hier, und es gab sehr viele, wurden generell
von einem kleinen Kreis von "Experten" erarbeitet.
Bestenfalls wurde es im Parlament diskutiert und verabschiedet.
Diese neue Verfassung wurde vom ganzen Volk diskutiert
und in einer Volksbefragung mit überwältigender
Mehrheit gebilligt. Speziell das Recht von Minderheiten
und unterprivilegierten Schichten wurde eingearbeitet,
wie z.B. das der indianischen Bevölkerung, der Arbeiter
und Bauern, aber auch der Frauen. Diese Verfassung ist
für Venezuela sehr fortschrittlich und revolutionär.
Außerdem wurde in der Verfassung verankert, dass
die Quelle des Reichtums dieses Landes, die Ölindustrie
und die Bodenschätze, die im Zuge der neoliberalen
Politik frei für den Verkauf waren, dem Volk gehören
und von keiner Regierung verkauft, verliehen oder verschenkt
werden dürfen. Diese gehören der gesamten venezolanischen
Bevölkerung, heute und auch in Zukunft.
10 Die Opposition wirft Chavez vor, das Land zu spalten,
in dem früher alle Schichten so friedlich zusammen
lebten, arm und reich ...
Hier in Venezuela, wie in ganz Lateinamerika, gibt es
große Klassenunterschiede. Und das frühere
"friedliche Zusammenleben" bedeutete immer,
dass die repressiven Kräfte, die Polizei, die Nationalgarde
oder, wie 1989, das Heer, jegliche Protest- und Widerstandsbewegung
unterdrückten. Was seit Chavez nicht mehr existiert:
dass Protestmärsche mit Toten und Verletzten enden,
was früher die Regel war. Diese Vorwürfe, speziell
von den privaten Medien verbreitet, sind vollkommen falsch.
11 Wenn man sich Caracas so ansieht, hat man tatsächlich
den Eindruck einer zutiefst gespaltenen Stadt - es gibt
gediegene Stadtteile von durchaus westeuropäischem
Charakter, in denen die Ober- und Mittelschicht lebt,
aber auch ganze Stadtviertel, die man getrost als Slums
bezeichnen kann, ja, die man gar nicht mehr betreten kann.
Wie ist das Größenverhältnis zwischen
arm und reich in Venezuela?
Die Sozialforschung, welche die Bevölkerung in die
Bereiche A bis E einteilt, besagt, dass die A- und die
B-Schicht max. 5% beträgt. In der C-Schicht zusammen
werden 15% bis 20% zusammengefasst. Die große Mehrheit,
70% bis 80%, lebt in Armut. Wir Linke teilen nicht in
A, B, usw. ein, einer Einteilung, in der man die Ursachen
und Verantwortlichen nicht benennt. Wir sagen, dass die
lohnabhängig Beschäftigten 70-80% ausmachen,
die, wenn sie nicht in Armut, so doch in großer
sozialer und finanzieller Not leben. Wer die Möglichkeit
hat, ein Haus in den reichen Vierteln zu betreten, wird
Reichtum und Luxus finden, der selbst für Reiche
in Westeuropa anormal ist. Die Slums werden nun mit der
neuen Politik von Chavez angegangen. Die Idee ist nicht
wie früher, die Slums zu verschönern. Die heutige
Politik will diese Slums abschaffen, hygienische und gute
Wohnungen für alle schaffen.
12 Bei jedem politischen Prozess gibt es Gewinner und
Verlierer. Sind die Gewinner die Armen und die Verlierer
die Wohlhabenden? Kann man vereinfacht sagen, dass die
armen und einfachen Bevölkerungsteile Chavez unterstützen
und die wohlhabenden ihn lieber heute als morgen los werden
wollen?
Es gibt eine Klassentrennung zwischen arm und reich. Die
Bourgeoisie, die abhängig ist von den USA, wird alles
tun, um ihre Privilegien zu verteidigen, aber die große
Bevölkerungsmehrheit der Beschäftigten und auch
die Arbeitslosen wollen Veränderung. Zwischen beiden
Lagern findet ein Klassenkampf statt. In den 90er Jahren
gab es Theoretiker, die meinten, die Zeiten des Klassenkampfes
wären vorbei. Venezuela ist ein lebendes Beispiel
des Klassenkampfes. Zur Zeit findet hier eine Revolution
statt, aber die Armen sind noch nicht die Gewinner, die
Bourgeoisie ist noch nicht der Verlierer. Wir hoffen,
dass in diesem revolutionären Kampf, der auch auf
internationaler Ebene geführt wird, die arbeitende
Bevölkerung als Gewinner hervorgehen wird. Wie man
auch beim Putsch 2002 feststellte, bekommt die venezolanische
Bourgeoisie vollkommene Unterstützung, sowohl finanzieller,
militärischer als auch logistischer Art von der internationalen
Bourgeoisie Europas und der USA. Deshalb hoffen wir Linke
hier ebenso auf die Solidarität der Beschäftigten
auf internationaler Ebene, und wir benötigen diese
auch.
13 Die Regierung wirft den Medien vor, parteilich zu
sein. Die Medien und die Opposition werfen Chavez vor,
autoritär zu regieren, bzw. sogar eine Diktatur errichten
zu wollen ...
Eines der Probleme der jetzigen Opposition ist die Tatsache,
dass 1998 bei der Wahl die damals führenden Parteien
praktisch verschwunden sind. Vorher gab es eine jahrzehntelange
Zwei-Partei-Diktatur, bestehend aus AD und COPEI, die
sich immer abwechselten und alle Bereiche beherrschten.
Wer nicht Mitglied dieser beiden Parteien war, war politisch
ausgeschlossen, so wie die Mehrzahl der Venezolaner. Die
privaten venezolanischen Medien stellen heute einen Ersatz
für den Verlust dieser Oppositionsparteien dar, sie
sind daher auch weder neutral noch informativ, sondern
höchst tendenziös. Sie sind die Vertretung der
Reichen, denen sie auch gehören, sowie der Interessen
transnationaler Konzerne.
Die privaten Medien erzeugten vor dem Putsch 2002 eine
vollkommene Verfälschung der Situation, indem sie
suggerierten, dass mindestens 80% der Venezolaner gegen
Chavez sind. Durch eine gezielte, nur noch faschistoid
zu nennende Propaganda wurde und wird ein Bereich der
Opposition berauscht, in dem Glauben, Chavez könne
leicht gestürzt werden. Dies war so, sowohl beim
Putsch 2002, als auch beim monatelangen Öl- und Unternehmerstreik
2003. Vor allem letzterem gingen viele Unternehmen bankrott,
als die Medien propagierten, Chavez sei nach 48 Stunden
Streik gestürzt worden, was natürlich nicht
der Fall war. Die Medien peitschen die Opposition nicht
nur zu Märschen gegen die Regierung auf, sondern
propagieren Zusammenstöße von Demonstrationen
beider Lager, in deren Verlauf es immer wieder Tote durch
Heckenschützen gibt. Heckenschützen, die auf
beide Lager schießen. Das Ziel: vollkommenes Chaos
und Unregierbarkeit zu inszenieren, um den USA den Vorwand
zu liefern, dass deren Truppen einmarschieren, um hier
wieder Ordnung und Frieden zu schaffen.
14 Gibt es "die Opposition", oder welches sind
die Kräfte dahinter?
Selbst wir als Kommunisten und Demokraten stellen fest,
dass es leider im Moment keine organisierte demokratische
Opposition gibt. Politische Parteien, die wirklich Volksmeinungen
entsprechen, gibt es bei der Opposition nicht mehr. Die
Führung der Opposition haben die amerikanische Botschaft,
die privaten Medien, die Kirchenoligarchie und der Unternehmerverband
übernommen. Dies ist heute die organisierte Opposition.
Diese vertreten einseitig die Interessen der Reichen und
der transnationalen Konzerne. Ich schätze, dass 30-35%,
maximal 40% der Bevölkerung nicht zufrieden mit Chavez
sind, keinen Chavez wollen. Es ist in einem demokratischen
Land normal, dass immer ein Teil in der Opposition ist.
Aber im Moment - und auch die jüngsten Geschichte
zeigte dies - besteht die Gefahr, dass diese Opposition
von faschistischen Kreisen geführt wird.
15 Venezuela ist der größte Öllieferant
der USA. Besteht die Gefahr einer direkten militärischen
Intervention durch die USA, wie ja nicht unüblich
in Lateinamerika?
Chavez ist ein kluger Stratege und Politiker, was beweist,
dass er kein Populist ist, sonst würde er die direkte
Konfrontation mit den USA suchen. Chavez und die Regierung
erklärten immer, dass die USA, unabhängig von
deren Regierung, sicher mit dem venezolanischen Erdöl
rechnen können. Zweifellos gibt es eine direkte Konfrontation
der heutigen Bush-Regierung mit Venezuela. Es gibt Beweise,
dass die Bush-Regierung den Putsch 2002 finanzierte, förderte
und auch leitete. Das gleiche gilt für die Sabotage
der Ölindustrie. Die USA sagen offen, dass sie die
Opposition finanzieren. Das wäre auch nicht so schlimm,
wären es eben nicht diese faschistischen Kreise der
Opposition, auch im Militär. Das ist aber leider
die Politik der USA in allen Ländern der Dritten
Welt, das ist also für uns nichts Neues, dass sie
ihre imperialistische Politik auch hier bei uns durchführen.
Es gibt natürlich die Gefahr der direkten militärischen
Intervention. Nach dem Ende der Berliner Mauer meinten
einige Theoretiker, es gäbe derartige Kriege nicht
mehr. Irak, Jugoslawien, Afghanistan, Haiti etc. beweisen,
dass der Imperialismus die militärische Aggressivität
weiterführt, und Venezuela ist zweifellos in die
Pläne der USA integriert. Wir hoffen, dass unser
Volk für diese Eventualität vorbereitet ist
und dass die internationale Solidarität diesen Eingriff
für die USA unmöglich macht. Wir hoffen, dass
unser Volk nicht das Schicksal des irakischen Volkes oder
des von Haiti erleben muss.
16 Venezuela hatte in den Jahren 2002 und 2003 einen
starken wirtschaftlichen Rückgang zu verzeichnen.
Nun hat man den Eindruck, die Wirtschaft würde sich
wieder erholen. Wie ist die Situation, nicht zuletzt auf
dem Arbeitsmarkt?
Es gibt viel zu tun, aber der Anfang ist gemacht, unter
großen politischen Schwierigkeiten, da es für
die Regierung nicht möglich ist, ruhig zu arbeiten.
Es gibt Probleme, die wir nicht verstecken wollen, z.B.
15% Arbeitslose, also sehr viel. Aber wir haben Pläne
zur Schaffung von Arbeitsplätzen. Wir betreuen aber
auch diese 15%, d.h. es wird Essen verteilt, und wir unterstützen
die Obdachlosen. Viele Menschen leiden unter Unterbeschäftigung
oder sind in ausbildungsfremden Bereichen tätig -
auch um diese Menschen müssen wir uns kümmern.
17 Am 15. August findet das Referendum über Hugo
Chavez statt. Die Unterschriftensammlung war ja nicht
ganz unstrittig. Wie schätzen Sie seine Chancen ein?
Es beweist sich mehr und mehr, dass ein großer Teil
der Unterschriften für das Referendum Fälschungen
waren. Es wurden Namen, Ausweisnummern und Unterschriften
in großem Stil gefälscht. Aber als demokratischer
Präsident akzeptierte Hugo Chavez dieses Referendum,
um zu klären, wer hier die Mehrheit in der Bevölkerung
hat. Wir sind überzeugt, dass Chavez unter normalen
und demokratischen Umständen leicht gewinnen wird.
Es gibt aber die Gefahr, dass die Opposition und die Bush-Regierung
alles unternehmen werden, um zu erreichen, dass Chavez
nicht mehr weiter regieren kann. In den letzten Tagen
gab es mehrere öffentliche Erklärungen der Bush-Regierung
oder von US-Senatoren, die meinten, Chavez wäre kein
Demokrat und er würde nicht akzeptiert werden. Auch
wenn Chavez mit 70% das Referendum gewinnen würde,
wird der Kampf hier weitergehen.
18 Herr Dr. Wimmer, Sie planen eine Informationsreise
durch Deutschland und Österreich? Gibt es schon Details?
Es freut mich, dass es Interesse in Deutschland und Österreich
zur venezolanischen Situation gibt, und ich freue mich
darauf, mit diesen Menschen darüber zu diskutieren.
Wir gehen sehr selbstkritisch an die Situation hier heran.
Die Reise wird vermutlich im Oktober oder November stattfinden.
Nach dem Referendum gibt es eine neue politische Situation,
und im Gegensatz zu meinem früheren politischen Auslandsreisen
kann ich heute über konkrete Resultate dieser Revolution
sprechen, die sicherlich interessant sein werden. In dieser
Konferenzreise sind bereits Berlin, München und Wien
vorgesehen, bei Interesse auch weitere Städte. Wir
freuen uns, dass die Solidarität in Deutschland und
Österreich mit unserer Revolution hier in Venezuela
diese Möglichkeit schafft, direkt mit Menschen darüber
zu diskutieren.
Ich danke für das Gespräch.
Das Interview wurde am 6. August 2004 von A. Köstler
in Caracas geführt.
DKP Südbayern
Seminar am Ammersee
Sa., 31. Juli 2004, 10:00 - 17:00 Uhr
Otto-Huber-Hütte, Breitbrunn / Ammersee
"Eine andere Welt ist möglich"
- aber welche? Was ist zu tun?
Von den Erfahrungen heutiger Konflikte zur Perspektive
einer Gesellschaft von morgen
Impuls-Referate:
Renate Boerger (attac)
Adelheid Rupp (SPD, MdL)
Leo Mayer (DKP)
Inge Ammon (FI "Christen in der Region")
Alle gemeinsam gegen Sozialkahlschlag - für Umverteilung
von oben nach unten!
Europäischer Aktionstag am 3.4.04: Mehr als eine
halbe Million
Im November 2003 beschloss das Europäische
Sozialforum in Paris europaweite Aktionen gegen den Sozialabbau.
Nach gemeinsamen Diskussionen zwischen der Sozialforumsbewegung
und den bundesdeutschen Gewerkschaften schloss sich der
DGB und kurze Zeit später der Europäische Gewerkschaftsbund
(EGB) diesem Vorschlag an. Dieses neue Bündnis mobilisierte
erstmals europaweite Aktionen gegen den Sozialkahlschlag,
die allein in der Bundesrepublik über eine halbe
Millionen Menschen auf die Straße brachte. Im Vergleich
zu den 90 000 demonstrierenden Gewerkschaftern vor einem
Jahr macht dies den gewachsenen Widerstand gegen die Agenda
2010 deutlich. Daran wird auch sichtbar welche Kraft gemeinsam
gegen Kapital und Kabinett entwickelt werden kann. Das
gibt Hoffung für die Auseinandersetzungen in den
nächsten Monaten.
Volksbewegung für soziale
Gerechtigkeit Über eine Million Menschen waren in 60 europäischen
Städten auf den Beinen
Der 3. April sei ein deutliches Signal an die Herrschenden
in Parteien und Wirtschaft, dass Schluss sein müsse
mit einer Politik, die der Masse der Bevölkerung
schade und die die Reichen immer reicher und das Kapital
und seine Manager immer dreister werden lasse, sagte der
DGB-Vorsitzende Michael Sommer vor dem Brandenburger Tor
zu den Kundgebungsteilnehmern in Berlin. "Wir sind
aufgestanden, damit es endlich besser wird. Mit dieser
Botschaft wissen wir uns eins mit den Demonstranten in
Rom, in 50 französischen Städten, in Bratislava
und Lubljana, in allen Ländern der Europäischen
Union von Spanien bis Schweden, von Großbritannien
bis Griechenland." Zugleich kündigte er an:
"Der Kanzler und die Unionsparteien, Wirtschaftsführer
und Manager, also die Ewiggestrigen aus dem Unternehmerlager,
müssen wissen: Wenn die asoziale Politik nicht aufhört,
dann kommen wir wieder!"
Dies wird wohl notwendig sein. Denn die ersten Reaktionen
aus Bundestagsfraktionen und dem Unternehmerlager sind:
Die Agenda 2010 wird nicht verändert. Es soll noch
schlimmer kommen. Es ist nicht ausgeschlossen, dass es
zu einem "neuen Aufstand der Anständigen"
(Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung" und zu einer
anderen Besinnung kommt: "Die Rückkehr des Klassenkampfes"
befürchtet die Zeitung "WamS".
Der Vorsitzende der DKP, Heinz Stehr, erklärte:
"Diese europäischen Aktionstage, vom Europäischen
Sozialforum in Paris beschlossen, die jetzt vor allem
gegen Sozialabbau aber auch gegen Kriegspolitik stattfanden,
waren ein wichtiger weiterer Erfolg zur Schaffung einer
außerparlamentarischen Opposition - möglicherweise
sogar einer Volksbewegung - gegen die neoliberale Politik
des Kapitalismus. Die politischen Aussagen der über
500 000 Teilnehmer in Berlin, Köln und Stuttgart
waren vom Widerstand und von Alternativen zu dieser Rechtsentwicklung
geprägt. Erstmalig wurde eine kaum mehr zu überbrückende
politische Distanz von den Gewerkschaften zur SPD, zur
Regierungspolitik, zu allen Bundestagsparteien deutlich
ausgedrückt. Die DKP brachte sich konstruktiv ein,
hatte aktiv zur Mobilisierung beigetragen und fand mit
einem UZ-Extrablatt großes Interesse. Die Aktionen
der letzten Wochen sind ermutigend, um die Agenda 2010
zu Fall zu bringen. Unser Ziel ist es, daran mitzuwirken,
alle oppositionellen Kräfte zu bündeln, um einen
Politikwechsel herbeizuführen. Dazu sind die jetzt
folgenden Aktionen an Ostern, zum 1. Mai und zum 8. Mai
günstige Gelegenheiten."
Jens Peters
Es sagten ...
... auf den Kundgebungen:
Michael Sommer, Vorsitzender des DGB, in Berlin: "Auf
der Basis der Agenda 2010 gibt es keinen Schulterschluss!"
Bernard Thibault, Generalsekretär der französischen
CGT, in Berlin: "Wir lassen uns nicht spalten. Wir
stehen zusammen." Auch "in Polen oder Ungarn,
in der Slowakei und auf dem Baltikum werden unsere Kolleginnen
und Kollegen auf Dauer nicht bereit sein, für Hungerlöhne
zu arbeiten, nur damit die Börsenkurse und die Dividenden
westeuropäischer Großkonzerne stimmen."
Frank Bsirske, Vorsitzender von ver.di, in Stuttgart:
"Dass wir heute zusammengefunden haben in Stuttgart,
Köln und Berlin, aber auch in vielen anderen europäischen
Städten, das kann der Beginn einer wirklichen Volksbewegung
werden, einer Volksbewegung für soziale Gerechtigkeit."
Jürgen Peters, Vorsitzender der IG Metall, in Köln:
"Wir haben Alternativen zum perspektivlosen Sozialabbau!
Wir wollen keinen liberalen Nachtwächterstaat, der
die Privilegien der Reichen und Super-Reichen fördert.
Wir brauchen einen aktiven Staat, der das Sozialstaatsgebot
des Grundgesetzes ernst nimmt."
Es meinten nachher ...
... in Fernsehen, Funk und Presse:
Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt: Die Gewerkschaften
müssten die "anhaltende Beharrungs-, Blockade-
und Verweigerungspolitik aufgeben".
Guido Westerwelle, Vorsitzender der FDP: Viele Vertreter
der Gewerkschaften seien "Verräter der Arbeitnehmerschaft".
CDU-Fraktionsvize Friedrich Merz: "Einige Gewerkschaften
träumen von den 70er Jahren und vergessen die Zukunft."
Franz Müntefering, Vorsitzender der SPD: Die Schwäche
der Proteste sei, dass sie nur zeigten, wogegen sie seien.
Es reiche nicht aus, "populistisch den Leuten nach
dem Mund zu reden."
Klaus-Uwe Benneter, Generalsekretär der SPD: "Wir
müssen unsere Politik der Erneuerung Deutschlands
fortsetzen."
20. März., München - Marienplatz
- Jahrestag des Überfalls auf den Irak
Rede von Conrad Schuhler
Als die USA und ihre Allierten vor einem Jahr gegen den
Willen der großen
Mehrheit der Staaten und der Völker mit ihrer Bombardierung
Bagdads anfingen,
haben viele aus der Friedensbewegung, viele von uns eine
leichte Verzweiflung
gespürt, die bange Frage: War denn alles umsonst,
sind die 15 Millionen Menschen
in aller Welt fünf Wochen zuvor umsonst auf die Straße
gegangen mit ihrem
Protest gegen die Kriegsplaner, gegen die Lügner
im Weißen Haus und in Downing
Street Nr. 10?
Heute aber, so makaber dies klingen mag nach Krieg und
monatelanger Besatzung
des Irak, nach Zehntausenden irakischer Opfer, nach 550
toten US-Soldaten, 3.000
verwundeten und 7.000 kranken US-Soldaten, die man in
die Heimat zurück geflogen
hat - heute, nach diesem Massaker von Krieg und Terror
können wir sagen: die
Friedensbewegung ist nicht umsonst auf die Straßen
gegangen, ihre Kraft ist ein
mitbestimmender Faktor der Weltpolitik geworden. Denn
dass die USA nach dem
Überfall auf den Irak nicht auf das nächste
Ziel losgingen, sie hatten Syrien
und den Iran ja schon öffentlich im Visier, ist nicht
in erster Linie auf den
Widerstand und das Chaos im Irak zurückzuführen,
sondern darauf, dass sich die
US-Regierung auch in den Augen ihrer Bevölkerung
und schon gar in denen der Welt
eine weitere Aggression nicht erlauben konnte. Sie hätten
sich vom unerledigten
Geschäft im Irak nicht davon abhalten lassen, weiter
zu machen mit ihrem "Krieg
gegen den Terror". Im Gegenteil, Terror und politisches
Chaos ist der Zustand,
den sie brauchen für ihre Strategie des langandauernden
"Krieges gegen den
Terror". Dass sie es nach Irak nicht wagen konnten,
den nächsten, schon fest
eingeplanten Schritt zu tun, ist ein gewaltiger Sieg für
die weltweite
Friedensbewegung.
Dass John Kerry, der Präsidentschaftskandidat der
Demokraten, heute den
Irak-Krieg verurteilt und Chancen hat, gegen Bush in den
Novemberwahlen zu
gewinnen, auch das ist ein Sieg der Friedensbewegung -
denn vor einem Jahr hat
dieser John Kerry im US-Senat noch für den Irak-Krieg
gestimmt.
Und, meine Damen und Herren, dass das spanische Volk die
Kriegsregierung des
partido popular von Aznar und Co. abgewählt hat,
ist ein großer Sieg der
internationalen Friedensbewegung. Wie die jetzt veröffentlichten
Umfragen der
letzten Woche vor den Wahlen - als sie aktuell nicht mehr
publiziert werden
durften - wie diese Umfragen zeigen, war die Mehrheit
der Wähler schon vor den
Terroranschlägen in Madrid gegen die Kriegspartei.
Die Anschläge und die
anschließenden Betrugsmanöver der Regierung,
die den Terrorakt der ETA in die
Schuhe schieben wollte, konnten sie in ihrem Wunsch nach
Wechsel nur bestätigen.
Denn die Ereignisse seit dem 20.3. des letzten Jahres
haben bewiesen, dass wir
Recht haben mit unserem Urteil: Der sogenannte Krieg gegen
den Terror wird den
Terror nicht eindämmen, sondern er wird im Gegenteil
die Spirale von
Kriegsterror und nichtstaatlichem Terror weiter nach oben
treiben, er wird
selbst zu einer Quelle des Terrors. Wir haben vorhin eine
Schweigeminute für die
Opfer der Anschläge in Madrid eingelegt. Wir verurteilen
diese barbarischen Akte
des Terrors. Und wir drücken unsere Hochachtung dem
spanischen Volk aus, das in
seiner großen Mehrheit vom ersten Tag an den Krieg
verurteilte und nun
konsequent seine Kriegsregierung abgewählt hat.
Was ist mit der Regierung, mit der politischen Klasse
in unserem Land? Ein
Großteil dieser politischen Klasse war von Anfang
an für den Irakkrieg. Am
14.2.2003, einen Tag vor den Friedensdemos der 15 Millionen,
veröffentlichte die
sogenannte Atlantik-Brücke, ein deutscher Verein,
in der New York Times eine
Anzeige unter dem Titel: "Flagge für die deutsch-amerikanische
Freundschaft".
Unter dem Aufruf stehen u.a. die Unterschriften von Konzernchefs
wie Ackermann
(Deutsche Bank) und Schrempp (DaimlerChrysler), Ministerpräsidenten
der CDU wie
Koch, Milbrad und Vogel, der SPD wie Wowereit, des Gewerkschaftsvorsitzenden
Schmoldt, des FDP-Vorsitzenden Westerwelle, von Helmut
Kohl und der
Grünen-Politikerin Claudia Roth. In dem Aufruf heißt
es u.a.: " Heute, da die
Welt sich gegen Terrorismus und Verbreitung von Massenvernichtungswaffen
wehren
muss, bestätigen wir die Verbundenheit mit den Vereinigten
Staaten.... Die
deutsch-amerikanische Partnerschaft ist mehr als nur ein
Zweckbündnis von
Politik und Wirtschaft, so wichtig diese sein mögen.
Sie ist eine Gemeinschaft
der Werte. In dem Willen, diese zu verteidigen, sind Amerikaner
und Deutsche
vereint." Mit dieser Propagandaoffensive gegen die
Friedensbewegung und für die
Kriegspolitik der Regierung Bush hat sich ein großer
Teil der politischen Klasse
unseres Landes offen auf die Seite der Kriegsverbrecher
geschlagen.
Dass niemand auch nur den geringsten Zweifel haben kann
an der
völkerrechtswidrigen Denkungsart der CDU-Spitze,
dafür hat die CDU-Vorsitzende
Merkel auf der sogenannten Sicherheitskonferenz vor wenigen
Wochen hier in
München gesorgt. In ihrer Rede zitierte Merkel zustimmend
eine Stelle aus der
Biografie der früheren US-Außenministerin Albright:
"Die zentrale
außenpolitische Zielsetzung lautet, Politik und
Handeln anderer Nationen so zu
beeinflussen, dass damit den Interessen und Werten der
eigenen Nation gedient
ist. Die zur Verfügung stehenden Mittel reichen von
freundlichen Worten bis zu
Marschflugkörpern. Ende des Zitats.. Im Grunde ist
es eine verblüffend einfache
Definition - den Interessen und den Werten der eigenen
Nation dienen und dabei
alle Mittel in Betracht ziehen. Aber es ist auch eine
Definition, die aus meiner
Sicht nicht nur für die amerikanische Außen-
und Sicherheitspolitik Gültigkeit
haben muss, sondern auch Maßstab einer europäischen
Außen- und
Sicherheitspolitik sein sollte, besser: sein muss."
Merkel plädiert demnach für alle Mittel, inklusive
Marschflugkörper, um die
europäischen und deutschen Interessen durchzusetzen.
Im Namen des Bündnis
München gegen Krieg hat Claus Schreer die CDU-Vorsitzende
angezeigt wegen
öffentlicher Propagierung der Vorbereitung und Führung
von Angriffskriegen, was
von der Verfassung und von den Strafgesetzen verboten
wird.
Und die Bundesregierung, die sich doch im Sicherheitsrat
gegen die Resolution
für den US-Krieg gewandt hat, was müssen wir
von ihr halten? Wes Geistes Kind
sie ist, hat Verteidigungsminister Struck wieder beispielhaft
unter Beweis
gestellt. Am Dienstag dieser Woche, zwei Tage nach den
Wahlen in Spanien und der
Erklärung des Wahlsiegers Zapatero, er werde die
spanischen Truppen aus dem Irak
abziehen, wird Struck im Deutschlandfunk gefragt:
"Haben Sie den Wechsel in der spanischen Außen-
und Sicherheitspolitik mit
Sympathie verfolgt?
Struck: Nein.
Frage: Empfinden Sie so etwas wie eine innere Genugtuung,
dass Spanien sich
jetzt an die Seite von Berlin und Paris gesellt hat?
Struck: Nein...Die wichtige Sache jetzt ist natürlich,
dass im Irak eine
internationale Präsenz bleibt. Die Hypothese eines
allgemeinen Rückzugs,
einschließlich der Amerikaner, würde die Instabilität
im Land erheblich
erhöhen."
Also: Der deutsche Verteidigungsminister will, dass die
Besatzertruppen bleiben.
Kein Wort über ein notwendiges UN-Mandat oder über
eine Volksabstimmung im Irak
- es geht um "Stabilität", d.h. um eine
Pax Americana, allenfalls eine Pax
Atlantica im Nahen Osten.. Die deutsche Regierungspolitik
ist längst völlig
kongruent zu der der USA. Dies zeigte sich zuletzt in
der sog. Greater Middle
East Initiative, die zeitgleich und inhaltlich deckungsgleich
von Washington und
von Bundesaußenminister Fischer ins Spiel gebracht
wurde. Von Nordafrika bis
Afghanistan - wir erinnern uns, die Region mit den entscheidenden
Ölvorkommen
der Welt - wollen Nato, USA wie EU gleichermaßen,
für Ruhe und Ordnung und die
Art von Demokratie sorgen, wie sie ihnen in den Kram passt.
In der neuen
Militärdoktrin der EU heißt es wie sinngemäß
auch in den neuen
Verteidigungspolitischen Richtlinien der Bundeswehr, dass
"bei den neuen
Bedrohungen die erste Verteidigungslinie oftmals im Ausland
liegen muss" und
dass die EU bereit sein müsse, "vor dem Ausbrechen
einer Krise zu handeln".
Berlin und die EU sind wie die USA für den Präventivschlag,
sie haben die selben
Gegner ausgemacht und sie rüsten derzeit ihre Armeen
um auf eine jederzeit
global einsetzbare Interventionstruppe. Ausdrücklich
heißt es in den Richtlinien
der EU, die Europäische Union sei auch zu Militäraktionen
gegen Staaten bereit,
" die zwar nicht den internationalen Frieden gefährden,
sich aber in ihrer
heimischen Politik nicht an internationale Normen halten".
Hier lässt man das
Alibi des internationalen Terrors, angebliche Massenvernichtungswaffen
u.ä. ganz
beiseite und sagt offen, wer uns politisch nicht passt
und unseren Direktiven
nicht nachkommt, der wird militärisch ausgeschaltet.
Wenn wir also die US-Regierung an diesem ersten Jahrestag
der Bombardierung von
Bagdad als Kriegsverbrecher und Quelle des Terrors in
der Welt auf die
Anklagebank setzen, dann wissen wir und sagen wir auch
deutlich, dass die
Regierung in Berlin genau so auf diese Bank gehört.
Sie hat die
völkerrechtswidrigen Kriege gegen Jugoslawien und
Afghanistan mitbetrieben, sie
hat unser Land zur wichtigsten logistischen Drehscheibe
für den US-Krieg gegen
den Irak gemacht. Sie erklärt sich jetzt zum offenen
Komplizen der
US-Besatzungsmacht. Die Bundesregierung und alle Bundestagsparteien
mit Ausnahme
der PDS-Abgeordneten sind Teil eines perversen weltpolitischen
Systems, das auf
die weiter aufklaffenden Risse in der Weltgesellschaft
nur die Antwort hat: noch
mehr Militäraktionen nach außen, noch mehr
Polizei und Kontrolle nach innen. Am
Ende dieser Entwicklung stehen der Verlust der Demokratie
und der Sicherheit
gleichermaßen, und damit das Ende jeden zivilen
Lebens, das diesen Namen
verdient.
Der französische Philosoph Jean Baudrillard hat nach
den Anschlägen des 11/9
gesagt: "Das westliche System in seinem totalen Anspruch
hat die objektiven
Bedingungen dieses brutalen Gegenschlags geschaffen; indem
es selber alle
Vorteile auf seiner Seite bündelt, zwingt es den
Anderen, die Spielregeln zu
ändern." Josef Joffe, Chefredakteur der Zeit,
dieser einstmals liberalen
Wochenzeitung, fragt in dieser Woche entrüstet: Welche
Spielregeln sollen wir
denn ändern? Die Globalisierung ist doch gut für
die Dritt-Welt-Länder, das kann
keine Ursache sein. O doch, Herr Joffe und der ganze Propagandachor:
Es ist eben
die neoliberale, kapitalistische Globalisierung, die zu
Elend und Degradierung
einer wachsenden Mehrheit der Menschheit führt. Jeder
dritte Erwerbsfähige auf
der Welt ist arbeitslos. Jeder vierte Mensch lebt am Existenzminimum,
in diesen
anderthalb Stunden unserer Kundgebung sterben fast 5000
Menschen an
Unterernährung. Und dieses Elend ist eine Folge dieser
Art von Globalisierung.
Der Anteil des ärmsten Fünftels der Menschheit
am Welteinkommen fiel von 1989
bis 1998 - der Periode der schärfsten Globalisierung
- von 2,3% auf 1,4%. In 20
zentralafrikanischen Staaten liegt das Pro-Kopf-Einkommen
heute niedriger als
Ende der Siebziger Jahre. Dort, wo globale Konzerne ihre
Auslandsfilialen
erreichtet haben, wurde wegen dieser kleinen Produktionsinseln
die traditionelle
wirtschaftliche Struktur dieser Länder zerstört
und der größte Teil der
Bevölkerung in noch größere Armut gestürzt.
Beispiele sind solche
Schwellenländer wie Mexico, Argentinien oder Brasilien.
Auch Länder wie
Saudi-Arabien gehören dazu, wo westliche Ölfirmen
sich zusammen mit den
einheimischen Herrschaftscliquen auf Kosten des Volkes
bereichert haben.
Nein, liebe Freunde, das soziale Elend und der Rassismus,
der der Struktur des
globalen Kapitalismus entspringt, sind die wesentliche
Ursache für den
aufplatzenden Terror. Und fragt man, welche Spielregeln
denn geändert werden
sollten, dann haben wir auch darauf eine präzise
Antwort. Die Ausbeutung der
Welt durch die globalen Konzerne und ihre Regierungen
muss aufhören, stattdessen
muss gelten der Artikel 1 des UN-Paktes über soziale
und kulturelle Rechte, wo
es heißt, dass "alle Völker das Recht
haben, über ihre natürlichen Ressourcen zu
ihren eigenen Zwecken zu verfügen".
Unser bloßer Anruf wird die Mächtigen in Staat
und Wirtschaft nicht
beeindrucken. Die Profite, die mit globaler Ausbeutung
und dem Krieg dazu zu
machen sind, sind zu groß. Jeder Zehnte der Besatzungsmacht
im Irak gehört zu
einem Konzern, der dort Geschäfte macht. Die meisten
Geschäfte macht
Halliburton, deren Chef Dick Cheney bis zu seinem Amtsantritt
als Vizepräsident
war. Allein diese Firma hat bisher Irak-Aufträge
in Höhe von acht Milliarden
Dollar erhalten.
Einen der Hauptprofiteure des "Kriegs gegen den Terror"
und speziell des Kriegs
gegen den Irak haben wir hier in unserer Stadt, den Siemens-Konzern.
Siemens
sorgt für einen größeren Teil der Kommunikationsstrukturen
der US-Armee, selbst
Air Force One, das Flugzeug des Präsidenten, fliegt
mit Siemens-Technik; Siemens
rüstet zusammen mit Boeing die 450 Flughäfen
der USA um auf die
Sicherheitstechnologie der Heimatverteidigung. Siemens
unterhält in der
US-Hauptstadt ein eigenes "Political Action Committee",
dessen ureigener Zweck
darin besteht, Politiker den Siemens-Geschäften geneigter
zu machen bzw.
Geneigte entsprechend zu unterstütten. Weil Siemens
so enge Beziehungen zur
US-Regierung hat, wurde jetzt in Washington ein eigenes
"Government Business
Office", also ein Büro für Regierungsaufträge
eingerichtet. Und ganz
folgerichtig ist Siemens jetzt einer der großen
Auftragnehmer im Irak. Der
Münchner Konzern baut jetzt zwei Kraftwerke wieder
auf und richtet in weiten
Teilen des Landes ein Telefonnetz ein. Im Mai steht die
Vergabe von weiteren
Aufträgen in Höhe von mehr als 4,5 Milliarden
Dollar an. Und natürlich rechnet
der Konzern mit weiteren großen Stücken aus
der Erbmasse eines ruinierten
Volkes.
Wenn wir, wie Arundhati Roy, die große indische
Schriftstellerin, gefordert hat,
uns Konzerne vornehmen wollen, die an Krieg und Tod verdienen,
dann wissen wir
in München sehr genau, wo wir damit beginnen müssen:
bei Siemens. Wir sollten
die weiteren Machenschaften dieses Kriegsbetriebs sehr
genau im Auge behalten,
und wir sollten sie dabei stören, ihnen wirklich
dabei in die Quere kommen bei
ihrer Geschäftspolitik, die beim Profit buchstäblich
über Leichen geht. Das geht
nicht nur mit Aufrufen und Appellen, wir sollten uns bemühen
um die
Mobilisierung der ganzen Stadt gegen diesen Konzern, der
Massenentlassungen und
Kriegsprofitlertum mit seinen Phrasen von Ethik und Verantwortung
zu übertünchen
sucht. Nicht umsonst ist von Pierer, der Siemens-Konzernchef,
einer der
Wahlmänner der CSU bei der Bundesversammlung, die
im Mai den neuen
Bundespräsidenten wählen wird. Wir leben heute
in München in der Hauptstadt der
Bewegung für einen grauenvollen, menschenverachtenden
Neoliberalismus.
Womit wir bei dem ebenso absurden wie abstoßenden
Versuch der Neonazis sind,
sich heute in München mit einer Kundgebung darstellen
zu wollen, die angeblich
solidarisch ist mit den Völkern des Irak und Palästinas.
Die Neonazis sollten
sich zur Siemens-Zentrale scheren und dort ihre Sympathie
ausdrücken, denn
Siemens ist groß geworden durch die Rüstungsgeschäfte
im Nazi-Reich und die
Ausbeutung der KZ-Sklavenarbeiter. Die Kriege der Nazis,
die KZs, der Holocaust,
das haben die Geschichte des Siemens-Konzerns und die
Neonazis gemeinsam. Wir
haben nichts mit den Neonazis gemeinsam. Diese Neonazis
sind in Wahrheit auch
kein schwer wiegendes Problem unseres Landes. Die Politik
bestimmen die glatten,
wendigen, auf neoliberal getrimmten Propagandisten der
politischen Kaste aus
Konzerne, Politik, Wissenschaft und Medien. Doch eine
wichtige Funktion haben
die Neonazis noch - nämlich die der Diskreditierung
des antiimperialistischen
Widerstands. Die NPD, die vor dem Verfassungsgericht nicht
angeklagt werden
konnte, weil ihre Partei offenkundig von Agenten des Verfassungsschutzes
dominiert ist, hat nun ihrerseits den Widerstand gegen
den Imperialismus der
USA, ihre Vorliebe für arabische Völker entdeckt.
Nur ein kompletter Idiot, oder
sagen wir: ein sehr naiver Mensch kann nicht sehen, dass
dies vor allem der
Versuch ist, jeden Widerstand gegen den globalen Imperialismus
mit dem Geruch
des Nationalismus und Antisemitismus zu behaften. Wir
lassen uns dies nicht
gefallen und wir lassen nicht zu, dass die Neonazis dieses
üble Spiel in München
unwidersprochen treiben können.
Liebe Freundinnen und Freunde, wir mögen viele verschiedene
Ideen haben, wie
eine neue, eine wirklich menschengerechte Welt aussehen
soll. Seien wir
solidarisch, seien wir freundschaftlich miteinander im
Kampf für den Frieden -
den wir gemeinsam bestehen müssen, damit wir morgen
noch über die andere, die
bessere Welt streiten können.
Erfolgreiche DKP-Veranstaltung zum Internationalen Frauentag
Rosa Luxemburgs Kampf für Frieden, gegen
Aufrüstung und Krieg in den Jahren 1910-1914 stand
im Mittelpunkt eines Abends zum Internationalen Frauentag,
zu dem die DKP Neuhausen & Süd und die DKP Moosach
am 9. März ins KommTreff geladen hatte. Mehr als 40
TeilnehmerInnen sorgten dafür, dass es bald keine Sitzplätze
mehr gab. Die Referentin Maxi Besold erreichte, dass wohl
niemand sein Kommen bereuen musste: Sehr detailliert und
kenntnisreich sprach sie nicht nur über die damalige
Situation und den politischen Kampf Rosa Luxemburgs gegen
den immer deutlicher werdenden Opportunismus in der SPD,
der schließlich in der Zustimmung zum Krieg mündete,
sondern sie ließ auch immer wieder den Menschen Rosa
deutlich werden; etwa wenn sie bei dem ganzen "Parteischlammassel"
von Reisen in ferne Länder träumte. 1911 machte
sie noch aktiv Wahlkampf für die SPD, wohl wissend,
dass dadurch nur "noch mehr Idioten im Reichstag den
Sozialismus verhöhnen" würden. Aber es ging
ihr um den Einfluss auf die sozialdemokratischen Massen;
sie wollte möglichst viele für eine antimilitaristische
und revolutionäre Haltung gewinnen. Die Aktualität
des Kampfes von Rosa Luxemburg gegen eine militaristische
Kriegspolitik, die sich immer mehr auch in der sozialdemokratischen
Führung durchsetzte, liegt fast 100 Jahr später
leider immer noch oder wieder auf der Hand.
Die anschließende Diskussion war sehr lebhaft, u.a.
stellten Schüler Fragen zur Politik der DDR und hypothetisch
wurde gefragt, was Rosa zur Entwicklung der KPD gesagt hätte.
Ein gelungener Abend zum Internationalen Frauentag!
Nato-"Sicherheits-"Konferenz
6./7.02.2004 in München
München: 10 000 gegen
Nato-Kriegskonferenz
Obwohl, anders als im vergangenen Jahr, die diesjährige
Münchner Konferenz der NATO-Kriegsherren nicht in einer
unmittelbaren Vorkriegssituation stattfand, machten am 7.
Februar 10 000 Menschen in einer beeindruckenden Demonstration
und Kundgebung auf dem Marienplatz klar, dass München
diese Kriegskonferenz nicht will. "Wir hier auf dem
Marienplatz sind nur ein kleiner Teil dieser globalen Bewegung,
die gerade erst begonnen hat, international zu handeln,
einer Bewegung von Millionen, die weltweite Ungerechtigkeit
nicht länger akzeptieren, von Millionen, die sich gegen
Ausbeutung und Unterdrückung zur Wehr setzen und von
Millionen Menschen auf der ganzen Welt, die die kolonialen
Kriege und Raubzüge des Imperialismus ablehnen",
sagte Claus Schreer für das veranstaltende Bündnis
auf dem Marienplatz.
Anderntags titelte selbst die konservative
Boulevardzeitung tz: "Die 40. Sicherheitskonferenz
in München - Muss das wirklich sein?" Dass sich
mittlerweile in einer Stadt wie München die NATO-Kriegsstrategen
nur unter massiven Protesten und abgeschirmt von Tausenden
von gewaltbereiten Polizisten ihre nächsten Opfer ausgucken
können, ist ein wichtiger Punkt für die Friedensbewegung
im Kampf um die öffentliche Meinung. JüKö
AUFRUF ZU PROTESTEN gegen
die sog. NATO-"Sicherheits-"Konferenz
am 6./7. Februar 2004 in München:
"Bei der so genannten "Münchner Sicherheitskonferenz"
geht es nicht um internationale Sicherheit. Es geht um Absprachen
und Koordination weltweiter Strategien zur militärischen
Absicherung ökonomischer Herrschaftsansprüche.
Die letzte Tagung diente auch der Vorbereitung des verbrecherischen
Angriffskrieges gegen den Irak. Über 30.000 Menschen
haben im Februar 2003 auf Münchens Straßen und
in Friedenskonferenzen gegen die NATO-Kriegstagung und den
Irakkrieg protestiert. Weltweit kam es zu den bisher größten
Antikriegsprotesten, allein am 15. Februar mit mehr als zehn
Millionen Menschen.
Wir sind Teil der weltweiten Widerstandsbewegung, die sich
über Seattle, Genua, Prag, Davos, München und Barcelona
sowie über die internationalen Sozialforen in Porto Alegre
und Florenz entwickelt hat.
Gemeinsam - Friedens- und Antikriegsbewegung, Gewerkschaften
und soziale Bewegungen, die Bewegung gegen die kapitalistische
Globalisierung und die internationale Solidaritätsbewegung
- kämpfen wir gegen soziale Demontage, Aufrüstung
und Krieg.
Wir sind ein breites Bündnis unterschiedlicher Gruppen
mit verschiedenen Vorstellungen von Protest und Widerstand.
Wir kritisieren aus unterschiedlichen Positionen weltweite
Ungerechtigkeit und staatliche Kriegspolitik. Diese Vielfalt
ist unsere Stärke. Wir lassen uns nicht spalten. Wir
erklären den Kriegsstrategen: Ihr seid hier und anderswo
unerwünscht.
Wir rufen auf zu Protesten gegen das Treffen
der Weltkriegselite.
Die NATO-Sicherheitskonferenz darf nicht stattfinden. Wir
werden protestieren - gemeinsam, entschlossen und kreativ.
Wir lassen uns das Recht auf Meinungs- und Versammlungsfreiheit
nicht nehmen oder durch Verbote einschränken.
* Stoppt die weltweiten Kriege der NATO-Staaten!
* Für ein soziales Europa
* Keine EU-Militärmacht
* Gegen die deutsche Kriegspolitik und weltweite Bundeswehreinsätze
* Statt sozialer Demontage und Aufrüstung - Umverteilung
von oben nach unten
* No justice - no peace
* Internationale Solidarität gegen Ausbeutung und militärische
Unterdrückung
Kommt nach München
zu Protesten rund um den Tagungsort Hotel Bayerischer Hof
am Freitag, 6. Februar 2004 ab 1600 Uhr
zur internationalen Großdemonstration
am Samstag, 7. Februar um 1200 Uhr auf dem Marienplatz
Die Kriegsplaner dürfen nicht durchkommen - ¡
No pasaran!
Wir sind auf großzügige Spenden
angewiesen. Bitte überweist auf das Konto:
Martin Löwenberg, Kto.-Nr.: 282 64 - 802, BLZ: 700 100
80, Postbank Mchn.
AKTIONSBÜNDNIS GEGEN DIE SO GENANNTE NATO-"SICHERHEITS-"KONFERENZ
ErstunterzeichnerInnen des Aufrufs:
Attac München · Attac Campus · Bündnis
München gegen Krieg · con action · DKP
München · fortsetzung folgt · GEW Stadtverband
München · Gruppe Antikapitalistas · LAK
Münchner Schülerbündnis · Münchner
Bürgerinitiative für Frieden u. Abrüstung -
BIFA · PDS München · Plenum des Münchner
Friedensbündnisses · RSB - Revolutionär Sozialistischer
Bund - IV. Internationale · SDAJ - Sozialistische Deutsche
Arbeiterjugend München · ver.di Bezirk München
· VVN/BdA - Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes
/ Bund der Antifaschisten München
Verantwortlich im Sinne des Presserechts: Bernd Michl, Hedwigstraße
3, 80636 München, Eigendruck im Selbstverlag, Gestaltung:
Wob
Claus Schreer, Bündnis gegen die Nato- "Sicherheits-"
Konferenz
Gedenken an Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht
mit Protesten gegen den Krieg und die »Agenda 2010«
Zehntausende haben am Sonntag der vor 85 Jahren ermordeten
Arbeiterführer Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht gedacht.
Schweigend zogen sie an den Gräbern der Mitbegründer
der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD) in der Gedenkstätte
Berlin-Friedrichsfelde vorbei.
Zum Auftakt der Ehrung legten Spitzenpolitiker
der PDS, darunter Parteichef Lothar Bisky und der ehemalige
Fraktionsvorsitzende im Bundestag, Gregor Gysi, Kränze
nieder. Mit dabei war auch der Sekretär der italienischen
Partei Rifondazione Comunista, Fausto Bertinotti.
Vor der Gedenkstätte hielt am Mittag ein
Bündnis linker Parteien, Gruppen und Einzelpersonen eine
Kundgebung ab. Die etwa 12 000 bis 13 000 Teilnehmer waren
am Morgen am Frankfurter Tor zu einer Demonstration nach Friedrichsfelde
gestartet. Sie forderten auf Transparenten »Arbeit für
Millionen statt Milliarden für den Krieg« und riefen
zum »aktiven Widerstand gegen Schröders Agenda
2010« auf. (...)