München
am 1. Mai 2003: 10 000 aktiv gegen Sozialabbau
Harry
Fisher lebt nicht mehr
Am
22. März 2003 verstarb unser Genosse und Freund, der
Spanienkämpfer, Gewerkschafter, Internationalist, Friedensaktivist
und Autor Harry Fisher in New York.
München
gegen den Krieg
Sicherheitskonferenz
2003:
Auch in München Massenproteste bereits vor dem "angekündigten
Verbrechen" Irakkrieg.
Erkan
und Stefan: Da Interview mit Bernd Bücking
Fest
der Solidarität 2003
Diesmal
veranstaltete das Bündnis München gegen Krieg, unterstützt
von zahlreichen linken Gruppen, das traditionsreiche Fest
der Münchner Linken. Bei hochsommerlichen Brut-Temperaturen
gab es am Samstag, den 19. Juli auf dem Sommerdeck und im
Hof des EineWeltHauses den Infomarkt, Kulinarisches aus aller
Welt, sowie Live-Musik mit Imagines Latinas, Rockoldies mit
"Flashback", Lieder von Werner Lutz, Sketche sowie,
wie versprochen, "gute Leute, gute Laune, gutes Wetter".
Ein Fest auch der Solidarität mit dem EineWeltHaus, wie
Walter Listl als Veranstalter in seiner Begrüßungsansprache
betonte - denn das EineWeltHaus war im Vorfeld allein schon
deshalb wieder unter politischen Druck von rechts geraten,
weil dieses Fest dort stattfinden konnte. Übrigens nur
als Ausweichort, denn der übliche Festort Rotkreuzplatz
stand diesmal wegen des bayerischen Landtagswahlkampfes nicht
zur Verfügung. So war zwar die Münchner Linke wieder
zahlreich vertreten, darunter auch etwa 50 Genossinnen und
Genossen der DKP München, aber "normale Wohnbevölkerung"
fand sich im Gegensatz zum Rotkreuzplatz erwartungsgemäß
kaum ein; dort wird, wie Organisator Claus Schreer in einer
ersten Auswertung betonte, nächstes Jahr die Linke bestimmt
wieder zum Fest der Solidarität einladen.
Herzlichen Dank allen Helferinnen und Helfern, die auch unter
den erschwerten Bedingungen das Fest der Solidarität
2003 ermöglichten!
UZ-Pressefest
2003
Ein
Riesenerfolg war das diesjährige UZ-Pressefest - Volksfest
der DKP im Dortmunder Revierpark Wischlingen. Unter dem Motto
"Eine andere Welt ist möglich! Frieden durchsetzen!"
gestaltete die kleine DKP vom 20. bis 22. Juni bei perfektem
Sommerwetter wiederum das größte und schönste
Fest der Linken in Deutschland.
Auch im Bayernstadl der Südbayern, wo viele Genossinnen
und Genossen unermüdlich beim Auf- und Abbau, hinter
den Ständen, beim Verkauf diesen Erfolg erst ermöglichten
(ganz herzlichen Dank an Alle!), war immer gute Stimmung und
echte Volksfestatmosphäre. Das gebotene Kulturprogramm
bei uns war vom Feinsten: Der Walkabout Clearwater Chorus
aus den USA, La Noire mit ihren Liedern, Cetin Oraner mit
seinem kämpferischen türkisch-kurdischen Programm,
"Die humoristischen Torfsänger" mit echter
bayerischer Kultur, "Die Ruam" mit deftigem bayerischen
Rockblues, der unvergleichliche klassische Gitarrist Ricardo,
die politischen Sketche, der Liedermacher Werner Lutz - sie
alle sorgten dafür, dass der Bayernstadl immer wieder
ein Anziehungspunkt für die zehntausende Besucher war
und so das Fest bereicherte. Beeindruckend, was auch eine
kleine Kommunistische Partei für Ausstrahlung entwickeln
kann, wenn sie an einem Strick zieht. Viele Menschen suchen
gerade jetzt Alternativen...
Der Nutzen für die öffentliche Wirksamkeit der DKP
wird deutlich anhand der Berichterstattung in den beiden linken
Tageszeitungen in Deutschland.
Das
PDS-nahe "Neue Deutschland" nannte seinen Bericht
am Montag, den 23.6. "UZ-Pressefest, ein Volksfest des
Friedens" und berichtete u.a.: "Über 50 000
Menschen nutzten die Einladung am vergangenen Wochenende,
um unter dem Motto 'Eine andere Welt ist möglich' über
Themen wie Krieg und Frieden, Globalisierung und den herrschenden
Sozialabbau zu diskutieren. Regelrechte Volksfeststimmung
hatte sich bei dem über drei tage andauernden Fest im
Revierpark Wischlingen breit gemacht. ... Der Vorsitzende
der DKP, Heinz Stehr, rief in seinem Beitrag zum 'aktiven
Widerstand gegen die verbrecherische Kriegslogik' auf und
sandte sowohl den Demonstranten, die zeitgleich gegen den
EU-Gipfel in Griechenland demonstrierten, als auch den streikenden
IG-Metallern im Osten der Republik, die 'solidarischen Grüße'
seiner Partei. Die Sozialistische Deutsche Arbeiterjugend
(SDAJ) bot eine bekömmliche Mischung aus Kultur und Politik."
...
Die
überparteiliche linke Tageszeitung "junge welt"
berichtete am selben Tag unter der Überschrift "Das
große Treffen der Linken / Zehntausende am Wochenende
auf dem Pressefest der uz in Dortmund": "Am Sonnabend
mittag war der Revierpark Wischlingen am Rande Dortmunds überfüllt.
Tausende Besucher flanierten zwischen der zum Buch- und Kunstmarkt
umfunktionierten Eislaufhalle am Haupteingang und der Hauptbühne,
auf der sich zahlreiche international bekannte Sänger
und Bands präsentierten. Zu diesem Zeitpunkt stand fest:
Das Pressefest der sozialistischen Wochenzeitung unsere zeit
(uz), das Volksfest der DKP, wurde auch 2003 wie in den vergangenen
Jahren zum größten Treffen der bundesdeutschen
Linken." ...
Wir
haben Bescheidenheit lernen müssen. Wir verbringen noch
allzu viel Zeit mit internen Vergewisserungen in Hinterzimmern,
während das Leben weitergeht. Aber einen großen
Erfolg in dem Bemühen, die kulturellen und politischen
Alternativen einer Kommunistischen Partei in die Öffentlichkeit
zu werfen, muss man auch einen großen Erfolg nennen!
Siemens spionierte DKP Seminar am Ammersee aus!
Angeheuerte Berliner Detektei wurde aus schwarzen Kassen bezahlt
Der heutige stellvertretende Parteivorsitzende der DKP, Leo Mayer, und die gesamte DKP Südbayern wurden 2003 über einen längeren Zeitraum von Berliner Detektiven im Auftrag des Siemens-Konzerns ausgespäht. Die Spitzel-Arbeit wurde aus den "schwarzen Kassen" des Konzerns bezahlt. Als Drahtzieher wird der damalige Personalchef von Siemens ICN, Matthias Bellmann, genannt. Dies dokumentiert das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" in seiner aktuellen Ausgabe.
Beim Sommerseminar der DKP Südbayern am 16. 8. 2003 am bayerischen Ammersee wurden die Teilnehmer von den Berliner Detektiven aus zwei Mietwagen heraus gefilmt. Die Video-Aufnahmen wurden - ebenso wie die Liste der notierten Autonummernschilder - nach Aussage der Detektei Siemens zur Verfügung gestellt, damit die gefilmten Personen mit Siemens-Beschäftigten abgeglichen werden konnten. Zum Auftrag der Detektive gehörte nach eigener Aussage auch die Überwachung des DKP-Büros in München.
Der Hintergrund dieser Spitzel-Aktionen: 2003 wollte der Siemens-Konzern in seiner ICN-Sparte in München-Sendling 2300 Arbeitsplätze abbauen, jeder dritte Beschäftigte sollte gehen. Der Betriebsrat lief Sturm dagegen, an der Spitze der Vorsitzende Heribert Fieber und sein Stellvertreter Leo Mayer. Nach monatelangen Protesten wurde in einer Betriebsvereinbarung festgelegt, dass höchstens 1 100 Arbeitsplätze abgebaut werden dürften. Gegen jede Kündigung legte dann der Betriebsrat Widerspruch ein und die IG Metall unterstützte die vielen hunderte Prozesse vor dem Arbeitsgericht, die fast alle von den Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern gewonnen wurden. In wenigen Wochen kam die IG Metall am Standort in der Hofmannstraße zu 900 neuen Mitgliedern.
Personalchef Bellmann hatte die Gefahr frühzeitig erkannt und in einer Mail an das Management gefordert, das Problem Leo Mayer rechtzeitig zu lösen. Der Organisator der "schwarzen Kassen" von Siemens, Reinhard S., erklärt, dass die beiden Rechnungen der Berliner Detektei - einmal über 11 600 Euro, beim zweiten Mal über 23 300 Euro - ihm von Bellmann zur Begleichung übergeben wurden. Auch ein Berliner Detektiv bezeugt, dass der Siemens-Personalchef bei ihm in Berlin vorstellig wurde, woraufhin er dann den Auftrag bekommen habe. Bellmann bestreitet seine aktive Rolle, gibt aber zu, dass die Berliner Detektei beauftragt wurde "wegen des Verdachts auf gravierende arbeitsrechtliche Verstöße". Heute ist Bellmann, der nach dem Debakel bei ICN bei Siemens zur "Unperson" geworden war, Personalvorstand beim Karstadt-Quelle-Nachfolger Arcandor. Siemens-Vorstandsvorsitzender von Pierer hatte der Personalabteilung 2003 "handwerkliche Fehler" beim Personalabbau bescheinigt.
Im damals anstehenden Betriebsratswahlkampf hat es Siemens nicht bei der Ausspähung ihm unliebsamer Betriebsräte und Beschäftigten belassen. Die AUB, die von Siemens mit 50 Millionen Euro groß gemachte und ausgehaltene Pseudo-Beschäftigtenorganisation, führte den aufwendigsten Wahlkampf aller Siemens-Zeiten gegen die IG Metall. BR-Vorsitzender Fieber und die IG-Metall-Mehrheit im Betriebsrat wurden als "größtes Standort-Hindernis" geschmäht. Doch erreichte die IG Metall wiederum die Mehrheit.
Der Pierer-Nachfolger an der Spitze des Siemens-Vorstandes, Löscher, hat bereits zugegeben, "dass es aus der Mitte unseres Unternehmens über längere Zeit unverantwortliches und wohl auch kriminelles Handeln gab".
Die Liste der "wohl auch" kriminellen Handlungen wird immer länger. Mittlerweile wird gegen 270 frühere und heutige Mitarbeiter des Konzerns in der Korruptionsaffäre ermittelt. In den schwarzen Kassen steckten mindestens 1,3 Milliarden Euro, die zu Bestechungen in aller Welt, zum Aufbau einer Kampftruppe gegen die IG Metall und zur Bespitzelung von DKP-Mitgliedern eingesetzt wurden. Das sind Vorgehensweisen, die, wie der Spiegel feststellt, "denen einer anderen ehrenwerten Gesellschaft ziemlich ähnlich sind: der Mafia".
München
am 1. Mai 2003: 10 000 aktiv gegen Sozialabbau
Eine
beeindruckende Demonstration - es wurden fast doppelt so viele
TeilnehmerInnen gezählt wie in den letzten Jahren - mit
vielfältigen aktuellen Losungen, Transparenten und Plakaten
gegen den von der Regierung initiierten Sozialabbau bestimmte
am 1. Mai bei frühlingshaft schönem Wetter das Leben
zwischen Arbeitsamt und Marienplatz, wo es bei der Abschlusskundgebung
auch von gewerkschaftsoffizieller Seite an kritischen Tönen
gegen die "Agenda 2010" unseres Kanzlers nicht mangelte,
bevor nachmittags eine beeindruckende Vielfalt an Informationsangeboten,
Spiel- und Unterhaltungsmöglichkeiten die Kraft des gewerkschaftlichen
Zusammenhaltes gegen Oben verdeutlichte.
Die DKP war mit ihrer Litfasssäule der Betriebsgruppe,
ihren Fahnen und Transparenten sowie mit der Verteilung von
1000 UZ-Extras gut vertreten, um ihren Hauptpunkt für
heute zu verdeutlichen: den Zusammenhang zwischen Kriegspolitik
und Sozialabbau.
Die entscheidende Frage nach diesem traditionellen Kampftag
der Arbeitenden wird sich bald beantworten: Schröders
Politik wurde landesweit von mehr als einer Million Menschen,
die ihn neulich noch mehrheitlich wählten, inhaltlich
angegriffen, aber wird eine seit Jahrzehnten mit der Kanzlerpartei
verfilzte Gewerkschaftsführung in den nächsten Wochen
auch den Widerstand dagegen organisieren?
Unsere Aufgabe jedenfalls ist klar: Helfen und antikapitalistische
Gedanken verbreiten, wo immer dies möglich ist.
JüKö
Am
22. März 2003 verstarb unser Genosse und Freund,
der Spanienkämpfer, Gewerkschafter, Internationalist,
Friedensaktivist und Autor Harry Fisher in New York.
Mit
92 Jahren war Harry noch immer aktiv im Kampf gegen
den Krieg. Auch bei der Kundgebung am 22. März
2003 in New York City brachte Harry mit 250.000 anderen
Kriegsgegnern seine Wut und Empörung über
den Krieg auf die Strasse. Bei dieser Demonstration
erlitt Harry einen Herzinfarkt und verstarb wenig später
im Krankenhaus.
Harry,
der am 12. März 1911 geboren wurde, wuchs im Hebrew
National Orphan Waisenhaus heran. Als Jugendlicher sah
Harry, wie Wohnungen von Arbeiterfamilien während
der Weltwirtschaftskrise geräumt wurden, weil die
Mieten nicht mehr bezahlbar waren. Die von der Polizei
auf die Straße geräumten Möbel wurden
jedoch wieder in die Wohnungen zurückgetragen:
Von Jugendlichen des Kommunistischen Jugendverbandes
YCL. Harry wurde einer von ihnen.
Als in Spanien die Faschisten gegen die demokratisch
gewählte Volksfrontregierung putschten, kämpfte
Harry mit 2600 anderen US-Amerikanern in der Abraham
Lincoln Brigade für die Freiheit Spaniens. Im Zweiten
Weltkrieg kämpfte Harry gegen Nazi-Deutschland
an Board eines B-26 Bombers für die Befreiung Europas
vom Faschismus.
1939
heiratete er Ruth Goldstein und beide arbeiteten fast
50 Jahre für die Sowjetische Nachrichtenagentur
TASS in New York. Sie teilten sich ein Büro, den
täglichen Gang zur Arbeit und die Leidenschaft
zu Leben. Sie widmeten ihr Leben füreinander, ihren
Kindern und Enkeln und für eine bessere Welt.
Ruth starb 1993 nachdem sie Harry überzeugt hatte,
ein Buch über seine außergewöhnlichen
Erfahrungen im Spanischen Bürgerkrieg zu schreiben.
Mit Hilfe von Ulrich Kolbe erschien sein Buch "Comrades"
auch auf Deutsch. Gemeinsam mit ihm stellte Harry, inzwischen
Neunzigjährig, sein Buch auch in Deutschland vor.
Viele zwischen Hamburg und München lernten einen
zurückhaltenden Menschen mit großer Ausstrahlungskraft
und fester innerer Überzeugung kennen. Sein Buch
eröffnete besonders der jüngeren Generation
einen neuen, ergreifenden Zugang zum spanischen Bürgerkrieg.
Erstmals wurden in großer Einfachheit und ohne
heroisierende Beschönigungen auch die Ängste
eines jungen Kämpfers beschrieben. Dieses Buch
vermittelt die tiefe Friedenssehnsucht eines Menschen,
dessen eigenes Leben stets Kampf und Auseinandersetzung
für Gerechtigkeit und Solidarität gewesen
ist.
Vielen
der rund eintausend, die Harry auf diesen Lesungen erlebten,
fiel sofort auf, wie offen, herzlich, ohne Pathos und
senile Doktrinen dieser Mann sprach, wie bescheiden
er auftrat und wie verschmitzt er bei dieser oder jener
Episode lächelte.
2002
beendete Harry Fisher die Arbeit an seinem zweiten Buch,
das in den USA voraussichtlich den Titel "Legacy"
haben und an dessen Erscheinen in Deutschland derzeit
intensiv gearbeitet wird.
Seit
frühester Jugend gehörten Friedensdemonstrationen
zum Leben Harry Fishers, und kaum eine der New Yorker
Friedensaktionen fand wohl je ohne ihn statt. So auch
am 22. März 2003. Direkt von der Friedensdemo in
Manhattan jedoch musste dieser kleine, agile Mann mit
den wachen Augen und dem auf alle ausstrahlenden gütigen
Feuer des Kämpfers für Gerechtigkeit mit einer
Herzattacke direkt ins St. Vincents Krankenhaus gebracht
werden. Für kurze Zeit erlangte er das Bewusstsein
wieder und erinnerte sich, dass er schon einmal, vor
siebzig Jahren, in diesem Krankenhaus war, nachdem er
von der Polizei auf einem Streikposten verletzt worden
war. Dann verließ er uns alle für immer.
Sein Tod bedeutet für seine Freunde und Mitstreiter
eine nicht schließbare Lücke, einen tiefen
Verlust. Die Generation der Zeitzeugen verliert mit
ihm einen weiteren Mitstreiter, dessen schlichtes, zutiefst
menschliches Auftreten ihm stets einen innigen Kontakt
zur jüngeren Generation ermöglichte.
Harry
Fisher verkörperte für uns ein großes
Stück Hoffnung und Glaube an das "andere Amerika".
Er fehlt uns.
Auch
in München machen zur Zeit die Menschen immer wieder
eindrucksvoll deutlich, dass die Welt den völkerrechtswidrigen
Angriffskrieg der USA und ihrer britischen Hilfstruppen auf
das irakische Volk ablehnt und dagegen protestiert. So fanden
allein in den letzten Tagen Großdemonstrationen am 15.
März, am 20. März und am 22. März mit jeweils
tausenden von TeilnehmerInnen statt. Auf dem Marienplatz steht
ein 24 Stunden am Tag geöffnetes Infozelt zum Informationsaustausch,
als Forum für alle Friedensbewegte und zum Vorbereiten
weiterer Aktionen; bis auf Weiteres findet dort jeden Tag
um 18.30 Uhr eine Lichter-Mahnwache "Nein zum Krieg!
statt. Die nächste Großdemonstration findet am
Samstag, den 5. April um 12 Uhr ab Stachus statt. Außerdem
wird jeden Montag ab 18 Uhr vom Stachus zum Odeonsplatz demonstriert.
Das
Bündnis "München gegen Krieg" hat sich
am 27. März mit einer Erklärung an die Öffentlichkeit
gewandt: "Die US-Regierung hat der Welt den Krieg erklärt!
Mit ihrem völkerrechtswidrigen Angriffskrieg gegen die
irakische Bevölkerung setzen sich die US-amerikanische
und britische Regierung über den Willen der überwältigenden
Mehrheit der Weltbevölkerung hinweg, ebenso wie über
die ablehnende Haltung der meisten Mitgliedsstaaten der Vereinten
Nationen. Die US-Machthaber sind zur größten Bedrohung
für die Menschheit geworden. Sie setzen an die Stelle
des Völkerrechts die nackte Gewalt ihrer Kriegsmaschinerie.
Sie erklären alle Staaten, die sich dem Machtanspruch
und den Weltordnungsplänen der USA nicht unterwerfen,
zum Feind. Gleichzeitig erklären sie allen, die für
Gerechtigkeit und Frieden eintreten, den Krieg."
Dem Nein der Bundesregierung müssen, so die Erklärung,
Taten folgen: "Deutschland darf sich an keiner militärischen
Intervention beteiligen; Wir fordern, dass die Bundesregierung
jegliche Unterstützung für den Krieg unterlässt:
Es darf keine Überflugsrechte und Nutzung der US-Militärbasen
für den Krieg geben, keine deutschen Awacs-Besatzungen,
Abzug der Fuchs Spürpanzer aus Kuwait, der Patriot-Raketen
aus der Türkei und der Marine-Einheiten vom Horn von
Südafrika, Abzug der Bundeswehr zum Schutz von US-Militäreinrichtungen.
Nach Artikel 26 des Grundgesetzes ist jede Beteiligung an
einem Angriffskrieg verfassungswidrig." Weiter wird gegen
den Umbau der Bundeswehr in eine Interventionsarmee, gegen
Europa als Militärmacht, gegen Sozial- und Demokratieabbau
Stellung genommen und zu den nächsten Aktionen aufgerufen.
Termine für weitere Aktionen und Informationen finden
sich unter www.friedenskalender.de/muenchen
und www.muenchen-gegen-krieg.de
Sicherheitskonferenz
2003: Auch in München Massenproteste bereits vor dem
"angekündigten Verbrechen" Irakkrieg.
Schon
am 8. Februar demonstrierten in München konservativ geschätzt
35 000 Leute anläßlich der "NATO-Sicherheitskonferenz"
gegen einen von den USA und ihren engsten Verbündeten
lange angekündigten und vorbereiteten Angriffskrieg gegen
die Menschen im Irak. Bei kräftezehrendem nassen Schneetreiben
übertraf die Beteiligung an den mehrstündigen Kundgebungen
und Demonstrationen alle Erwartungen - München vermittelte
der Welt ein beeindruckendes "Nein!" gegen den Krieg.
Der Versuch, die Proteste in eine "gute" Kundgebung
auf dem Odeonsplatz, die sich zwar gegen den Krieg, aber nicht
gegen die NATO und die "Sicherheitskonferenz" wandte,
und eine "böse" Demo auf dem Marienplatz zu
unterteilen, scheiterte, weil viele der von SPD, DGB und Kirchen
auf den Odeonplatz gerufene Menschen anschließend ganz
unkompliziert auf den Marienplatz fanden, um sich dort gemeinsam
mit der Friedensbewegung, den Linken und attac zu einer Massenkundgebung
und Demonstration gegen den angekündigten Krieg zu vereinigen,
wie sie München wohl schon lange nicht mehr gesehen hat.
Wer sich zwischendurch zum Aufwärmen im gegenüberliegenden
Buchgeschäft das Geschehen von oben ansah, erlebte einen
bis in die benachbarten Strassen überfüllten Marienplatz,
wie er sonst höchstens nach dem Gewinn einer Fussballweltmeisterschaft
zu sehen ist.
In der anschließenden Massendemonstration gab es einen
stattlichen "Roten Block", der maßgeblich
von der DKP mit ihren Losungen, Transparenten (Kein Krieg
für Öl - und keine deutsche Beihilfe dazu! DKP)
und Fahnen gestaltet wurde und bei dem auch der DKP-Bundesvorsitzende
Heinz Stehr mitmachte. Die DKP München verteilte 5000
Extrablätter ihrer Parteizeitung "Unsere Zeit"
(UZ) bei den Aktionen.
Auch in den bundesweiten Meldungen der Nachrichtensendungen
wurde deutlich, dass sich München damit eindrucksvoll
gegen die US-Kriegspolitik und jede deutsche Unterstützung
dafür aussprach.
US-"Verteidigungs"minister Rumsfeld wird "not
amused" aus "Old Europe" heimgeflogen sein.
Es kam aber für die Kriegstreiber noch dicker mit den
historischen Demonstrationen um den 15. Februar herum, als
erstmals weltweit koordiniert mehr als 12 Millionen Menschen
gegen den geplanten Krieg demonstrierten. In den wenigen Staaten,
in denen die Regierungen die USA unterstützen, gab es
die größten Protestaktionen in der Geschichte dieser
Länder, so in Spanien, Italien und Großbritannien
mit jeweils mehreren Millionen Demonstranten, die die Isolierung
ihrer Regierungen von der Bevölkerung verdeutlichten
und selbst nach Meinung der (leider fast durchgehend kriegstreiberischen)
Süddeutschen Zeitung zumindest den Zeitplan der Bush-Krieger
durcheinander brachten.
Da stellten über 500 000 TeilnehmerInnen in Berlin die
Bonner Demos 1981 gegen die "Nachrüstung" und
auch die Proteste gegen den Vietnamkrieg 1968 klar in den
Schatten, avancierten zur wohl größten deutschen
Friedensdemo aller Zeiten und rutschten im Vergleich zur weltweiten
Bewegung dennoch in die zweite Reihe! Den weltumspannenden,
wahrhaft globalisierten Charakter der Bewegung verdeutlichten
Internetbilder der Demonstration von Mitarbeitern von Forschungseinrichtungen
in der Antarktis:
"No to War on Iraq" und "Not in our Name"
sagen die selbst gemalten Schilder der etwa 50 dick vermummten
Gestalten auf Eisschollen - Pinguine und Eisbären als
einzige Zuschauer müssen angesichts der Massenvernichtungswaffen
in der Hand eines George Dabbeljuh Bush sympathisiert haben,
auch wenn sie vielleicht nicht alles verstehen konnten. .
Bei
Redaktionsschluss bewegen sich die Meldungen zwischen "USA
notfalls auch zum Alleingang entschlossen" und "Niederlage
der USA im Sicherheitsrat" sowie "Isolierung der
USA in der UNO-Vollversammlung". Da die USA gerade ihre
Entschlossenheit, das Völkerrecht durch ihr selbsternanntes
weltweites Faustrecht zu ersetzen, durchsetzen wollen und
Bush mitsamt seiner ganzen Öl-Mafia niemals als "Lahme
Ente" (Lame duck, Bezeichnung für zu wenig kriegslüsterne
und somit gescheiterte US-Präsidenten; vgl. Clinton)in
den nächsten Wahlkampf ziehen kann, droht der nächste
Irak-Krieg als weiteres Kapitel des Weltkrieges der Reichen
gegen die Armen weiterhin jeden Tag.
Wenn es uns also weltweit nicht gelingen sollte, den Völkermord
zu verhindern, wird es an diesem Tag X um 17 Uhr auf dem Marienplatz
eine Protestkundgebung geben und am darauffolgenden Samstag
eine erste Massendemonstration.
Jürgen
Köster
Erkan
und Stefan: Da Interview mit Bernd Bücking
Unser
Genosse Bernd Bücking erklärt was Kommunismus ist
und stellt klar:
"Wir möchten, daß die Bunnies den Kommunismus
machen und nicht die Arschlöcher"
1
- [
zum Interview - Niedrige Qualität für Modem,
ISDN-Anschluß]
2
- [
zum Interview - Hohe Qualität für DSL-Anschluß]
(Im Zweifelsfall 1)
DKP
München berät über Arbeitsplan 2003/04 DKP München mit neuem Plan und neuem Vorstand 46
stimmberechtigte Mitglieder trafen sich am 22. Februar zur
diesjährigen Kreismitgliederversammlung der DKP München
in der Gaststätte "Diyar".
Im
Referat des Kreisvorstandes von Leo Mayer wurde zunächst
der beeindruckende weltweite Aktionstag gegen den Irakkrieg
am 15. Februar analysiert, an dem über 10 Millionen Menschen
zeigten: "Die Menschheit will keinen Krieg gegen den
Irak!" Erstmals, so der Referent, gab es "eine weltweit
koordinierte Aktion gegen den Krieg". Es sei offensichtlich,
dass eine neue Friedensbewegung entstehe, dass "das Zusammengehen
von Friedensbewegung und globalisierungskritischer Bewegung,
von Gewerkschaften und Kirchen Millionen Menschen zu eigenem
aktiven Handeln mobilisieren kann." Gegen diesen "Krieg
um Öl und Weltherrschaft" müssten die Kommunisten
"alles fördern, was geeignet ist, mehr Menschen
einzubeziehen." Die erstmalige öffentliche Opposition
einer Bundesregierung gegen die Kriegspolitik einer US-Regierung
begünstige die Entwicklung der Friedensbewegung; das
Problem läge nicht in dem, was die Regierung sage, sondern
darin, was sie tue - der Referent verwies auf die kriegsunterstützenden
Fakten: ABC-Spürpanzer in Kuwait, Bundesmarine am Horn
von Afrika, Überflugrechte, AWACS, Lieferung der Patriot-Raketen
usw. "Unsere Forderungen sind klar und einfach:
- Nein zu einem Krieg gegen den Irak - in Berlin, bei der
NATO in Brüssel und im UN-Sicherheitsrat in New York
- keine direkte und keine indirekte Unterstützung für
den Krieg der USA gegen den Irak
- Nein zum Krieg - mit oder ohne UNO-Mandat".
Hier bestehe Einigkeit in der DKP, auch wenn Meinungsunterschiede
in der Einschätzung der Widersprüche und Triebkräfte,
die zum Krieg drängen, deutlich seien: "Geht es
beim angekündigten US-Krieg um die Errichtung einer globalen
politisch-militärischen Diktatur im Interesse des globalen
Kapitals und sind die Differenzen im bürgerlichen Lager
Differenzen zwischen einer Kriegsfraktion und einer Fraktion
des globalen Kapitals, die stärker auf politische Mittel
zur Kontrolle und Unterwerfung setzt, aber im Ziel übereinstimmt,
ein globales Kontrollregime der transnationalen Konzerne zu
errichten ... oder treiben die zwischenimperialistischen Widersprüche,
die ihre Wurzeln in unterschiedlichen politischen und ökonomischen
Interessen der imperialistischen Zentren haben, zum Krieg?"
Der Referent verwies hier auf die laufende innerparteiliche
Programmdebatte. Diese Differenzen wurden auch in der sehr
lebhaften Diskussion über Krieg und Frieden deutlich:
Einige RednerInnen bemängelten, dass die Bundesregierung
im Referat zu gut weggekommen sei: Der deutsche Imperialismus
wolle auf einer nächsten technologischen Ebene den US-Imperialismus
überholen, dumpfer Antiamerikanismus sei gefährlich,
diese Regierung dürfe niemals für friedliebend gehalten
werden, ein DKP-Transparent "Lieber im alten Europa leben
als in neuen Kriegen sterben" sei absolut falsch gewesen,
weil das "alte Europa" so verharmlost würde.
Der Krieg verstoße gegen die Geschäftsinteressen
Deutschlands, die Kommunisten müssten kritisch mit den
starken Versuchen umgehen, die Friedensbewegung für einen
Schulterschluß mit der Regierung und für "euronationalistische"
Positionen zu mißbrauchen - so einige Gedanken aus dieser
Richtung. Andere Beiträge argumentierten für die
Position, es gehe um die Errichtung eines globalen Kontrollregimes
im Interesse der transnationalen Konzerne, nicht so sehr um
"US"- oder "deutschen" Imperialismus.
In beiden imperialistischen Ländern gebe es verschiedene
Kapitalinteressen, wobei in den USA zur Zeit die Kriegsfraktion
und in der BRD zur Zeit die Fraktion in der Vorderhand sei,
die eine Unterwerfung der restlichen Welt unter die Interessen
der transnationalen Konzerne im Nahen Osten ohne Krieg erreichen
wolle. Die Position der Bundesregierung sei im Moment nützlich;
es sei besser, Bundestagswahlen würden mit Friedensrhetorik
gewonnen als mit Säbelrasseln. "Wenn ich den Krieg
verhindern will, verbünde ich mich auch mit dem Teufel."
Der
zweite Teil des Referats und später auch der Diskussion
beschäftigte sich mit der wirtschaftlichen Lage und dem
Sozialabbau der Bundesregierung, dabei vor allem mit dem geplanten
Abbau des Kündigungsschutzes als Kern dieser Politik,
denn "das Kündigungsschutzgesetz trägt ebenso
wie der Tarifvertrag dazu bei, dass Unternehmermacht begrenzt
wird, dass die Arbeiter und Angestellten Konflikte im Betrieb
austragen können ohne schutzlos der Unternehmerwillkür
ausgeliefert zu sein, dass die arbeitenden Menschen für
den aufrechten Gang im Betrieb eintreten können."
- Deshalb der Angriff gerade auf dieser Flanke.
"Bei der Gesundheitsreform handelt es sich um das zweite
Großprojekt zum neoliberalen Umbau der Gesellschaft
und zur Privatisierung der Risiken ... Der Ruf nach mehr Markt,
mehr Wettbewerb und einer Deregulierung des Gesundheitswesens
beherrscht die Diskussion. Wie das Beispiel der USA zeigt,
wird ein überwiegend marktwirtschaftlich und wettbewerbsförmig
organisiertes Gesundheitssystem aber erst recht zu einer noch
teureren und äußerst unsozialen Veranstaltung."
Zur Entwicklung des Widerstandes gehe es für die Kommunisten
vor allem darum, die Arbeit in den Gewerkschaften und Betrieben
zu verstärken und zu qualifizieren." Der Referent
berichtete hierzu vom seit August anhaltenden Widerstand gegen
die Entlassungen bei Siemens in der Hofmannstrasse.
Die
seit der Mitgliederversammlung im Juli 2000 aufgrund des damals
beschlossenen Arbeitsplanes geleistete Arbeit bilanzierte
ein schriftlich vorgelegter Kurzbericht des Kreisvorstandes.
Am
Nachmittag begründete Renate Münder den Arbeitsplan
für die nächsten zwei Jahre. Er wurde nach der Diskussion
einstimmig angenommen und ist ebenso wie das Referat im Internet
unter www.dkp-muenchen.de nachzulesen. Die Schwerpunkte sind
1. Antimilitarismus / Frieden ("Wir werden uns einsetzen
bei der Mobilisierung gegen den drohenden Irak-Krieg, gegen
weltweite Bundeswehreinsätze, gegen EU-Einsatztruppen,
gegen die präventiven Kriegsstrategien der NATO-Staaten.
Wir fordern den Abzug der deutschen Truppen v.a. aus den Balkan-Protektoraten
und aus Afghanistan; wir fordern Runter mit der Rüstung
statt Ausbau der Bundeswehr.") 2. Generalangriff auf
die sozialen Sicherungssysteme und Deregulierung des Arbeitsmarkts
(Hartzgesetze, Gesundheitsreform, Rentenreform, Abbau des
Kündigungsschutzes). 3. Abbau demokratischer Rechte -
Gefährdung der bürgerlichen Demokratie. 4. Bündnispartner
und 5. DKP konsolidieren und stärken.
Die
VertreterInnen von aktuell 170 Münchner DKP-Mitgliedern
wählten schließlich einmütig als ihre neuen
Sprecher Leo und Renate, sowie als weitere Mitglieder des
Kreisvorstandes Bernd, Christoph, Claus, Inge, Jürgen
und Solveig.