Spaniens Himmel in Manhattan Bericht zu den Feierlichkeiten zu Ehren
der Spanienkriegsveteranen in New York 2002 von
Ulrich Kolbe
Im
vorigen Jahr hatte ich die Gelegenheit, als Übersetzer
von Harry Fishers "Comrades" eine mehrwöchige
Lesetour durch die Bundesrepublik zu begleiten. München
ist mir dabei besonders im Gedächtnis geblieben, und
wie ich unlängst feststellen konnte, nicht nur mir.
Es war nicht nur die letzte unserer Lesungen (Harry Fisher
kehrte im Juni 2001 dann noch einmal zum UZ-Pressefest zu
uns zurück), sondern es war auch eine der beeindruckendsten.
Schon vor Beginn der Veranstaltung entschuldigte sich der
Veranstalter bei uns, meinte, es würden evtl. nicht allzuviel
Interessierte kommen, da parallel noch andere linke Veranstaltungen
liefen. Der Saal war dann jedoch voll, die von uns mitgebrachten
Bücher reichten nicht, der Frage-/Antwortteil beeindruckte
sehr. Das hatten wir ganz ehrlich nicht erwartet.
Viele
dieser Erinnerungen wurden unlängst wach, als wir (gemeinsam
mit der Geschichtswerkstatt Oberhausen) unlängst zu den
Feierlichkeiten zu Ehren der Spanienkriegsveteranen in New
York weilten.
Eine
ganze Reihe von Veranstaltungen widmete sich in diesem Jahr
in New York den US-amerikanischen Veteranen des spanischen
Bürgerkrieges.
Die New York Historical Society zeigt noch bis 14. Juli die
Gemäldeausstellung "Ralph Fasanella's America".
Zwar gibt es dort keine Bilder zum spanischen Bürgerkrieg
(Fasanella starb 1997 noch vor der Vollendung seines geplanten
Hauptwerkes zu diesem Thema), jedoch vermitteln die ausgestellten
Werke einen guten Einblick in das Leben und die vielfältigen
Kämpfe der arbeitenden Bevölkerung der Vereinigten
Staaten im zwanzigsten Jahrhundert.
Fasanella selbst kämpfte in Spanien mit (er teilte während
der Überfahrt von den USA nach Frankreich eine Kajüte
mit Harry Fisher) und war später aktiv in der Gewerkschaftsbewegung.
Sein Credo "Know your roots. Remember who you are."
kommt in der Auswahl seines fünfzigjährigen Schaffens
deutlich zum Ausdruck.
Im
völlig überfüllten King Juan Carlos Center
der NYU wurde ein neuer Dokumentarfilm mit dem Titel "Women
in the Spanish Civil War" vorgestellt, der sich eingehend
mit der Rolle der Frauen befaßte, die als amerikanische
Freiwillige vor allem im medizinischen Dienst tätig gewesen
waren.
Am Sonntag fand dann das 66. Treffen der Veteranen
der Abraham-Lincoln-Brigade statt.
Sechshundert Menschen waren gekommen, die achtzehn anwesenden
Veteranen und das Vermächtnis der Gefallenen, Ermordeten
und Verstorbenen zu ehren.
In kurzen Ansprachen und persönlichen Gesprächen
berichteten die Lincoln-Vets nicht nur über ihre Erfahrungen
in Spanien, sondern auch über ihren Einsatz in den darauffolgenden
Kämpfen des 20. Jahrhunderts, in denen sie stets das
andere, fortschrittliche Amerika verkörperten.
Einer der Veteranen rief bei seiner Vorstellung ins Publikum:
"I am 96 years old, and still a radical!"
Die San Francisco Mime Troupe brachte mit ihrem eindrucksvollen
neuen Programm "What they stood for" den Saal in
Schwung. Wo sonst noch in den USA erheben sich Menschen mit
geballter Faust zum Gesang der "Internationale",
hört man Ernst Busch mit dem "Thälmann-Bataillon"?
Diese
Feierlichkeiten boten auch die Möglichkeit, mit einzelnen
Veteranen ins Gespräch zu kommen. Die Freunde aus Oberhausen,
die bereits im vergangenen Jahr eine Dokumentation über
Harry Fisher hier in Deutschland angefertigt hatten, hielten
vieles davon auf Video fest.
Harry Fisher kam wiederholt auf seine zwei Reisen in die Bundesrepublik
zu sprechen und bat uns, alle Freunde hier von ihm zu grüßen,
was auch auf diesem Wege geschehen soll.
Abe Smorodin sprach mit zu Herzen gehenden Worten über
das Schicksal seiner gefallenen Kampfgenossen, die noch immer
in keinem amerikanischen Geschichtsbuch erwähnt werden.
Clarence Kailin berichtete über seinen engsten Freund
John Cookson, der - wäre er nicht kurz vor Abzug der
Internationalen Brigaden gefallen - zweifellos einer der bedeutendsten
und progressivsten US-amerikanischen Wissenschaftler geworden
wäre, da er selbst Einstein auf dessen Fehler hingewiesen
hatte.
In
Anwesenheit mehrerer US-amerikanischer Spanienkämpfer
und Vertreter ihres Archives (ALBA) konnten wir schließlich
den letzten wichtigen Programmpunkt erfüllen, die Übergabe
der Dokumente des deutschen Spanienkämpfers Fred Schofs
an das amerikanische Archiv.
Mehrere der Fotos in "Comrades" weisen als "unbekannt"
gekennzeichnete Kämpfer aus. Auf einem dieser Fotos erkannte
eine in Frankfurt/M. lebende Genossin ihren verstorbenen Ehemann
Fred Schofs. Fred hatte - nachdem er 1928 in die USA ausgewandert
war - als Angehöriger der Abraham Lincoln-Batallions
in Spanien mitgekämpft und war anschließend mehrere
Jahre in Konzentrationslagern Frankreichs und Spaniens inhaftiert,
bevor er nach Frankfurt zurückkehrte und bis zu seinem
Tod 1975 aktiv in KPD, DKP und Gewerkschaften tätig war.
Vicencia Schofs hatte uns gegenüber den Wunsch geäußert,
den Nachlaß ihres Mannes seinen amerikanischen Kampfgefährten
zu übergeben.
Die Veteranen und die Sprecherin des Archives (Abraham Lincoln
Brigade Archives, New York University) bedankten sich in herzlichen
Worten.